Kronach
Werte-Woche

Kronacher Berufsschule hat "Respekt"

Nicht nur das Schild hat Symbolcharakter, sondern bereits auch das Festmachen. So befestigten Schulleiter Rudolf Schirmer, Lehrerein Andrea Pröschold sowie die beiden Schülersprecher Sven Zimmer und Katja Schmitt jeweils eine Schraube für das Schild "Respekt" - stellvertretend für die Schulleitung, die Lehrerschaft und die Schülermitverantwortung.
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Schulleiter Rudolf Schirmer schraubte das Schild an.
Schulleiter Rudolf Schirmer schraubte das Schild an.
Schließlich sitzen sie alle in einem Boot bei ihrem Einsatz für ein respektvolles Miteinander. Mit der Werte-Woche will man vielschichtig über Respekt und Toleranz informieren und zum Nachdenken und Diskutieren anregen.

"Wir als SMV stehen voll hinter der Aktion und der Werte-Woche. Wir wollen, dass an unserer Schule keiner ausgeschlossen wird. Deshalb planen wir selbst auch eigene Aktionen gegen Mobbing und Intoleranz", erklärt Zweiter Schülersprecher Sven Zimmer. Respekt werde - in seinen Augen - immer ein wichtiges Thema bleiben und zwar nicht nur an der Schule, sondern in allen Lebensbereichen und insbesondere auch bei der Arbeit.


Ein Briefkasten in der Schule

Der Fischbacher und Katja Schmitt sind im Einzelhandel beschäftigt und haben es dabei oft mit Menschen verschiedener Nationalität zu tun.
"Wir möchten in der Schule einen Briefkasten aufhängen, in dem Schüler auf einem Zettel ihre Probleme, Wünsche oder Anregungen schreiben können. Es gibt halt Probleme, die man nicht so gern mit dem Lehrer bespricht", ist sich die Kronacherin sicher. Wichtig sei ein guter Platz für den Briefkasten. "Wir wollen ihn nicht zentral aufhängen, wo derjenige, der etwas einwirft, von allen gesehen wird. Das könnte dann nämlich schon wieder ein Angriffspunkt sein und er/sie würde vielleicht erst recht gemobbt", meint Sven Zimmer. Vielleicht würde dadurch das Problem auch größer als es eigentlich sei, denkt auch Katja. "Ein Gerücht", ist sie sich sicher", "zieht ja oft 40 Gerüchte nach sich." Beide finden es schlimm, wie abwertend über manche Personen geredet wird. "Wenn man durch die Stadt läuft und hört das Geplauder und Beschimpfungen von manchen Leuten, das ist traurig", findet Sven Zimmer. Beide wollen das Thema Respekt in die Klassen tragen. Die Aktion und die Werte-Woche seien eine gute Grundlage für ihre weiteren Bemühungen.

Der Vater von Patrick Smith ist Amerikaner. Der angehende Elektriker wuchs zum Teil in Deutschland, zum Teil im US-Bundesstaat Mississippi auf. Seit fünf Jahren lebt er in Kulmbach. Auf die Frage, wie es in der Region und an der Schule gefällt, antwortet er mit einem "Passt scho". Patrick Smith, der in seiner Klasse zum zweiten Klassensprecher gewählt wurde, ist sehr selbstbewusst: "Ich sage, was ich denke. Was andere über mich denken, ist mir egal." Patrick hat gute Freunde, mit denen er sich bestens versteht. "Das ist in Ordnung so. Ich bräuchte jetzt nicht mehr Freunde. Ich lebe eher zurückgezogen", sagt er. Auch er findet es wichtig, Themen wie Respekt und Toleranz zu thematisieren. Dafür setzt er sich auch selbst ein - so bei seinem American Football-Team, den "Kulmbach Brewers".


Zwei "Problemfälle"

"Zu uns werden Kinder beziehungsweise Jugendliche geschickt, die Probleme haben und sich beispielsweise mit anderen schlagen. Derzeit integrieren wir zwei solcher "Problemfälle" bei uns in die Mannschaft, wo sie Respekt und Toleranz lernen sollen. Das klappt bislang gut, die beiden fügen sich prima ein. Demnächst werden wohl noch weitere ,Problemfälle‘ zu uns stoßen", erklärt der Kulmbacher.

Zur Auftaktveranstaltung waren alle Klassensprecher der Schule eingeladen. Dabei betonte Schulleiter Rudolf Schirmer, dass an seiner Schule Werte wie Würde, Achtung, Anerkennung und Toleranz schon seit jeher eine große Rolle spielten. Aus dem Qualitätsmanagement-Team der Schule habe sich eine eigene Arbeitsgruppe gebildet. Die Werte wolle man durch das Anbringen des Schildes als sichtbares Zeichen zum Ausdruck bringen. Dabei gelte es auch, sich und seine eigenen Werte zu hinterfragen. "Ohne Werte kann man sich nicht zu einer eigenständigen Persönlichkeit entwickeln", ist er sich sicher. "Auf Euch kommen viele Herausforderungen zu. Viele von Euch werden an ihren Arbeitsplätzen mit Kollegen aus einem anderen Land, mit einer anderer Kultur oder Sprache zusammenarbeiten", appellierte er an die Schüler.

Diplom-Theologe Christian Beck, der mit Studiendirektor Albin Reif federführend für das Projekt zeichnet, stellte die Initiative "Respekt!" vor. Ein Negativ-Beispiel für fehlende Werte sei Mobbing. Mobbing beginne nämlich damit, dass Menschen es nicht schafften, respektvoll miteinander umzugehen. In der Werte-Woche werden jeweils nachmittags Vorträge über Werte und Persönlichkeitsbildung abgehalten, an der sämtliche Jahrgangsstufen teilnehmen sollen. Referent ist Werner Brendel, der seit Jahrzehnten in der Jugend-, Erwachsenen- und Lehrerbildung tätig ist.


Die Aktion "Respekt"

Initiative "Respekt! Kein Platz für Rassismus", ist eine Initiative mit Sitz in Frankfurt am Main mit dem Ziel, jedwede Benachteiligung - etwa aufgrund ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion oder Weltanschauung, wegen einer Behinderung, Alter oder sexueller Orientierung - zu verhindern.

2010 Gegründet wurde die Initiative 2010 von Lothar Rudolf. Unterstützt wird "Respekt!" von Partnern und Förderern sowie von prominenten und ehrenamtlich engagierten Personen aus Sport und Kultur.

Kommunikation Für ihren Einsatz nutzt die Initiative alle Kommunikationskanäle. Sie organisiert Veranstaltungen, Vorträge, Lesungen und Podiumsdiskussionen, macht Filme, Bücher, Flyer und entwickelt Kommunikationsprodukte. Das "Respekt!"-Schild, Erkennungszeichen der Initiative, hängt bereits in zahlreichen Unternehmen, Vereinen und Schulen in Deutschland.
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