Kronach
Medizin

Kronacher Arzt weiß um die Risiken der Sportverletzung

Wenn die Temperaturen steigen und die Frühlingssonne scheint, zieht es die Sportler im Landkreis Kronach wieder nach draußen. Chefarzt Andreas Suckel weiß, dass dann die Zahl der Sportverletzungen steigt. Er erklärt, wo Risiken liegen.
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Chefarzt Andreas Suckel von der Kronacher Klinik zeigt an der Nachbildung eines menschlichen Gelenks, wo die Verletzungsrisiken bei manchen Sportarten liegen. Foto: Marco Meißner
Chefarzt Andreas Suckel von der Kronacher Klinik zeigt an der Nachbildung eines menschlichen Gelenks, wo die Verletzungsrisiken bei manchen Sportarten liegen. Foto: Marco Meißner
Alper Yürük kann sich noch ganz genau an die Momente erinnern, als es in seinen Knien gekracht hat. Der 33-jährige Fußballer liegt momentan zum dritten Mal mit einem Kreuzbandriss auf Eis. Zweimal ist es beim Kicken passiert, dieses Mal beim Skifahren. "Alle dreimal hat es ganz laut geknackst", erinnert er sich an die Schreckmomente. Und wenn nach einiger Zeit das Knie anschwelle, komme der Schmerz.

Mehr Patienten erwartet
Für den Chefarzt der Unfallchirurgie und Orthopädie an der Helios-Frankenwaldklinik in Kronach, Andreas Suckel (46), sind solche Verletzungen beim Sport keine Überraschungen. Und jetzt, da es warm wird, stellt er sich auf mehr solche Patienten ein. "Im Sommer treiben viel mehr Leute Sport. Im Winter haben wir halt den ,Klassiker‘, den Skifahrer mit gebrochenem Unterschenkel oder einer Verletzung der Kreuzbänder", stellt er fest. Auch wer Wettkampfsport in der Halle betreibt - wie eben die Fußballer - habe dann ein höheres Verletzungsrisiko. Aber wenn es warm wird, steigen die Zahlen der Verletzten beim Sport seiner Erfahrung nach alleine schon wegen der Masse der Aktiven deutlich an.

Im Frühjahr seien die Radfahrer ein großes Thema, geht er auf Mountainbiker ein, die sich halsbrecherisch die Hänge hinabstürzen. Ansonsten sei Radfahren eigentlich eine Mustersportart. Auch die Fußballer mit verdrehten Knien tauchten verstärkt auf.

"Rund 20 Prozent der Unfallverletzungen passieren im Sportbereich", betont der Chefarzt, der seit 1. Februar an der Kronacher Klinik im Amt ist. Der in München geborene und in Ravensburg aufgewachsene Andreas Suckel weiß aber auch, dass nicht jede Disziplin gleichermaßen für Patienten sorgt. Die Frage, ob es wirklich gesunde und ungesunde Sportarten gibt, beantwortet er daher eindeutig: "Man muss ganz klipp und klar sagen: ja."

Sport ist prinzipiell immer gut
Trotzdem unterstütze er als Arzt prinzipiell erst einmal jede Form des Sports, weil Bewegungsmangel zu schwerwiegenden Erkrankungen und Übergewicht führen könne. Und es sei wichtig, Sport dauerhaft zu betreiben. Bei der Wahl des eigenen Sports sollte deshalb das erste Kriterium lauten: "Spaß muss es machen." Wer dann noch ein Auge auf die gesundheitlichen Risiken legen will, für den spricht Suckel aus dem Nähkästchen: "Reiten führt bei Stürzen immer wieder zu schwerwiegenden Verletzungen an Kopf, Wirbelsäule oder Oberschenkel." Beim Skifahren steige die Verletzungswahrscheinlichkeit, wenn die Altersgrenze von 35 bis 40 Jahren überschritten sei.

Kontaktsportarten wie Basketball, Fußball, Volleyball und ganz besonders Handball seien sehr verletzungsträchtig. "Man springt hoch, dann kommt ein Schlag, es folgt eine instabile Landung, dann verdreht sich das Gelenk", spricht der Mediziner, der früher selbst Eishockey, Fußball und Volleyball gespielt hat sowie heute zum Golfen geht, aus Erfahrung. Ein "rotes Tuch" gibt es für den Arzt auch - Squash: "Daran kann ich nichts Gesundes erkennen."

Schwimmen, Langlaufen oder Nordic Walking bieten nach seiner Ansicht eine tolle Herz-Kreislauf-Belastung. Joggen und Tennis hält er für sehr gesund. Und mit Helm, dafür ohne Stunt-Einlagen im Gelände, sind zwei Stunden Radfahren laut Suckel eine klasse Sache.

Mit Vernunft in Saison starten
Anfällig für akute Verletzungen beim Sport seien vor allem die Gelenke, erklärt der Arzt. Wenn es um Langzeitschäden geht, nennt Suckel Schulter, Wirbelsäule und Knorpel als Risikobereiche. Oft lassen sich solche Sportverletzungen jedoch vermeiden, wenn man sich langfristig in Form bringt und gerade nach einer "Winterpause" auf lange Sicht geplant den Körper wieder für die Leistung aufbaut.

"Vor dem Sport muss man sich unbedingt warm machen", warnt Suckel davor, diesen Aspekt stiefmütterlich zu behandeln. "Eine Viertelstunde den Kreislauf auf Vordermann bringen und dann noch eine Viertelstunde Dehnungsprogramm", lautet seine Empfehlung.

Wenn der Gang zum Arzt ruft
Wenn der Sportunfall doch passiere, müsse man individuell sehen, wie schnell eine Behandlung erfolgen müsse. In vielen Fällen sollte man aber gleich zum Arzt gehen. Die Klinik decke ein vielfältiges Spektrum der Notfall- und apperativen Diagnostik ab. Suckel ergänzt aber, dass die Hausärzte und die niedergelassenen Fachärzte ebenfalls Ansprechpartner mit hoher Kompetenz seien.

Alper Yürük ging rechtzeitig zum Arzt. Er wurde operiert und hat sich schon zweimal wieder herangekämpft. Auch diesmal ist er optimistisch, nach der Reha wieder sportlich alles machen zu können. Doch der Weg dorthin sei sechs bis acht Monate lang. Und man müsse sich richtig reinknien, um das alte Niveau zu erreichen. Doch die Medizin macht seiner Erfahrung nach inzwischen viel möglich.

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