Wilhelmsthal
Tag der Arbeit

Kronacher Arbeitnehmer gegen die "Ich zuerst"-Mentalität

Bei der Maifeier der KAB stand der Umgang mit dem Eigentum im Mittelpunkt. Am Morgen gab es einen Festzug zur Kirche.
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Zahlreiche KAB-Abordnungen mit Fahnen beteiligten sich am Festzug. Begleitet wurden sie von der Trachtenkapelle Wilhelmsthal.
Zahlreiche KAB-Abordnungen mit Fahnen beteiligten sich am Festzug. Begleitet wurden sie von der Trachtenkapelle Wilhelmsthal.
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"Eigentum verpflichtet, aber wozu?" Diese Frage stand im Mittelpunkt der Feier zum 1. Mai, zu dem die KAB-Kreisverbände Kronach-Hof und Lichtenfels-Coburg-Kulmbach nach Wilhelmsthal eingeladen hatten. Festredner war KAB-Geschäftsführer Ralph Korschinsky.

Es ist ein unbequemes, provokatives Thema, das sich die Arbeitnehmerbewegung als thematischen Jahres-Schwerpunkt auserkoren hat. Der "Tag der Arbeit" wurde heuer in Wilhelmsthal in einer neuen Form begangen. Nach dem traditionellen Arbeitnehmer-Gottesdienst kamen die Abordnungen der KAB-Ortsverbände sowie Interessierte und Ehrengäste zum politischen Frühschoppen im KAB-Haus zusammen.


Schere geht weiter auseinander


Wer das Thema Eigentum in die öffentliche Diskussion einbringe, vielleicht sogar mit der Absicht, die real existierende gesellschaftliche Eigentumsordnung in Frage zu stellen, werde ohne Konflikte nicht davonkommen. Davon zeigten sich Diözesansekretärin Maria Gerstner sowie KAB-Geschäftsführer Ralph Korschinsky überzeugt. So gut wie alles auf der Welt sei verteilt und stehe im Eigentum von Privatpersonen, Konzernen oder dem Staat.

Korschinsky betonte, dass man nicht gegen Eigentum sei. Es gehe vielmehr darum, wie man damit umgehe. Feststehe, dass sich die Ungleichheit der Einkommen im Laufe der Zeit in einer zunehmenden Ungleichheit der Eigentumsverhältnisse manifestiert habe. Die berühmte Schere von Arm und Reich gehe immer weiter auseinander.

Zu den Verbesserungsvorschlägen zähle auch ein von der KAB geforderte Mindestlohn von 12,50 Euro, da auch gerechte Löhne mit Eigentum zu tun hätten. Die sich aus dem derzeitigen Mindestlohn von 8,50 Euro ergebende Rente reiche kaum fürs Alter aus. Menschen, die viel hätten, stünden in der Pflicht, sich für andere mit ihrem Eigentum stark zu machen. Die Tendenz sei aber anderes - nämlich "Ich zuerst".


Jeder Einzelne kann etwas bewirken


Laut Diakon Herbert Mayer müsse man sich Gedanken machen, "was wir mit unserem Geld machen". Wer Produkte aus anderen Ländern kaufe, weil sie dort aufgrund niedrigerer Löhne und schlechter Arbeitsbedingungen billiger sind, der nehme starke Umweltverschmutzungen durch die Schiffe in Kauf, die diese Waren transportieren.

Völlig falsch sei die Denkweise, alleine nichts bewirken zu können. "Unsere Arbeit muss einen Wert und eine Würde bekommen", betonte DGB-Kreisvorsitzender Wolfgang Schmitt. Michael Bajon, KAB-Kreisvorsitzender für Lichtenfels-Coburg-Kulmbach, appellierte an die große Politik, an die Großkonzerne heranzutreten. Der geistliche KAB-Begleiter Bernd Sorgenfrei meinte: "Meine Generation ist in der privilegierten Situation, mit dem silbernen Löffel im Mund auf die Welt gekommen zu sein." Gehe es um weltweite Gerechtigkeit, sollte man bei sich selbst ansetzen. Viele aber würden schon bei der Geldanlage für einen möglichst hohen Zinsertrag "gewissenlos". Die stimmungsvolle musikalische Ausgestaltung des politischen Frühschoppens übernahm Joachim Kalamala.


Botschafter des Friedens


Fahnenabordnungen waren am Morgen, musikalisch begleitet von der Trachtenkapelle, zur Pfarrkirche St. Josef marschiert. Zelebriert wurde der Gottesdienst von Pfarrer Sven Raube, Diakon Herbert Mayer sowie Pater Günther Kames, der eine tiefgehende Festpredigt zum Thema Frieden hielt. An alle appellierte er, zu Botschaftern des Friedens zu werden.

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