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Medizin

Kronach: Wie sorge ich mit einer Patientenverfügung richtig vor?

In einer Patientenverfügung kann jeder festlegen, wie er in Notfällen behandelt werden will. Der Chefarzt der Frankenwaldklinik und ein Anwalt geben Tipps.
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Wer eine Patientenverfügung schreiben will, sollte sich Zeit nehmen, seine Vertrauenspersonen informieren und einen Arzt um Rat fragen.  Foto: Ronald Heck
Wer eine Patientenverfügung schreiben will, sollte sich Zeit nehmen, seine Vertrauenspersonen informieren und einen Arzt um Rat fragen. Foto: Ronald Heck
Eine beängstigende Vorstellung: Nach einem Unfall oder einer schweren Krankheit fällt ein Mensch ins Koma. Die Chancen stehen schlecht. Die Verwandten müssen gemeinsam mit den Ärzten schwere Entscheidungen treffen: Soll der Patient künstlich am Leben gehalten werden? Was hätte sich der Bewusstlose gewünscht?

In einer Patientenverfügung kann jeder schriftlich festlegen, wie er in bestimmten Situationen behandelt werden möchte. Doch eine gute Verfügung erfordert Zeit. Ein Chefarzt und ein Rechtsanwalt aus Kronach erklären, welche Aspekte es zu beachten gilt, damit eine Verfügung hilfreich ist.


Der Patientenwille zählt

"Als Ärzte gehen wir immer vom vermeintlichen Willen des Patienten aus", sagt Frank Fischer. Der Chefarzt der Helios-Frankenwaldklinik Kronach erläutert, dass die behandelnden Mediziner zunächst im Gespräch mit den Angehörigen oder den Bezugspersonen den Patientenwillen herausfinden wollen. "Und wenn wir dadurch einen Konsens herstellen, brauchen wir eigentlich keine Patientenverfügung", findet Fischer. Im Einvernehmen wird die Therapie entsprechend angepasst. Problematisch werde es nur, wenn sich die Beteiligten nicht einigen können.

Die Patientenverfügung ist seit 2009 im Gesetz geregelt. "Der Vorteil der Verfügung ist, den Angehörigen die Entscheidungsnotwendigkeit zu nehmen", sagt Rechtsanwalt Harald Aust aus Kronach. Zudem brauche es nun keine gerichtliche Genehmigung mehr, wenn Behandlungen unterlassen werden, und das zum Tod führt.

1. Eine Patientenverfügungen sollte konkret formuliert werden.
Vage Formulierungen, die unterschiedlich gedeutet werden können, verursachen Probleme. Auf einer Darmkrebs-Tagung in Kronach wies Fischer darauf hin, wie problematisch es sei "lebenserhaltende Maßnahmen" im Krankenhaus-Alltag zu unterlassen. Der Begriff lasse sich unterschiedlich auslegen: Wo fangen lebenserhaltende Maßnahmen an, wo hören sie auf?

Deshalb rät der Chefarzt von vorgedruckten Verfügungen oder Mustervorlagen aus dem Internet ab. Die Mediziner müssten schließlich darauf achten, ob die Patientenverfügung tatsächlich den Wunsch des Patienten wiedergibt. Die Formulierung muss auf die spezifische medizinische Situation passen.

Denn unter Umständen könnte ein Erbe eine Patientenverfügung ausnutzen wollen. "Deswegen möchten wir möglichst konkrete Patientenverfügungen. Es sollte drin stehen, für welchen Fall sie gilt", bekräftigt Fischer.
Der Bundesgerichtshof hat im vergangenen Jahr in einem Fall, eine Patientenverfügung für unwirksam erklärt, weil sie zu ungenau war.

2. Wer eine Verfügung schreiben möchte, sollte sich von einem Mediziner beraten lassen.
Denn ein Arzt kann erklären, welche Folgen bestimmte Entscheidungen haben. "Wer zum Beispiel keine Ernährung über Sonde wünscht, der muss in der Verfügung zum Ausdruck bringen, dass ihm bewusst ist, dass er verhungert", erläutert Aust. Ein medizinischer Laie könne gar nicht in der Lage sein, die Patientenverfügung alleine zu schreiben, findet er.

Das Beste sei es, mit dem Hausarzt über die individuellen gesundheitlichen Risiken, seine Wünsche und Sorgen zu sprechen und sich aufklären zu lassen. Die Bezugspersonen sollten mit einbezogen werden. "Bei den Entscheidungen spielt natürlich auch die psychische und wirtschaftliche Belastung für die Angehörigen eine Rolle", gibt der Rechtsanwalt zu Bedenken.

3. Es ist ratsam, gemeinsam mit einer Patientenverfügung umfassend vorzusorgen.
"Also eingebettet in andere Vollmachten finde ich die Patientenverfügung optimal. Nur so findet man heraus, was jemand will", erläutert Fischer. Wer sich ohnehin Gedanken über medizinische Notfälle macht, der sollte auch eine Vorsorgevollmacht und eine Betreuungsverfügung in Betracht ziehen.

Mit der Vorsorgevollmacht wird die Person festgelegt, die in einer Notsituation für einen Entscheidungen trifft. Und die Betreuungsverfügung regelt, wer als Betreuer in Angelegenheiten wie Wohnsitz und Finanzen eingesetzt wird.

Vorsorge sei nicht nur für ältere Menschen wichtig, betont der Chefarzt. Schwere Krankheiten und Unfälle können jeden treffen. In der Frankenwaldklinik sind Patientenverfügungen bereits Alltag. Vor jeder Operation fragen die Ärzte explizit nach. Fischer rät generell jedem, sich einmal Gedanken über schwerwiegende medizinische Situationen wie beispielsweise Querschnittslähmung oder Pflegebedürftigkeit zu machen: Wie möchte ich dann im Notfall behandelt werden?


Beratungsangebote

Institutionen Wer sich zu Patientenverfügungen beraten lassen möchte, kann sich an seinen Hausarzt, Sozialverbände, Verbraucherzentralen oder Hospizvereine wenden. Der Hospizverein Kronach bietet beispielsweise Beratung zu dem Thema unter der Telefonnummer 09261/52367 an.

Infomaterial Das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz hat eine ausführliche Broschüre mit hilfreichen Textbausteinen veröffentlicht, die online kostenlos unter www.bmjv.de heruntergeladen werden kann.
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