Kronach
Abschluss

Kronach: Tausende wollen Scherbel sehen

Am Samstagabend endete mit der letzten Aufführung von "Faust I" vorerst die Spielzeit für Uli Scherbel in Kronach. Die Resonanz war fantastisch. Ob Scherbel wiederkommt? Das haben wir ihn und Intendant Daniel Leistner gefragt.
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Uli Scherbel (links) und Daniel Leistner spielten heuer zusammen in Faust I. Foto: Matthias Hoch
Uli Scherbel (links) und Daniel Leistner spielten heuer zusammen in Faust I. Foto: Matthias Hoch
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"Manchmal merkt man das unsichtbare Band zum Publikum. Man hätte eine Nadel fallen hören können", berichtet Uli Scherbel von den starken Energien zwischen den Akteuren auf der Bühne und dem Publikum. Und die waren auch am Samstagabend bei Scherbels vorerst letztem Auftritt bei den Faust-Festspielen zu spüren.
Der bundesweit bekannte Schauspieler, Sänger und Tänzer Uli Scherbel begeisterte in diesem Jahr auf der Festung Rosenberg sein Publikum mit seiner schauspielerischen Qualität und zog es an vier Theaterabenden als Mephisto in seinen teuflischen Bann. Auch am Samstag bei der letzten Vorstellung gab es nicht nur hinterher lang anhaltenden Applaus. Nein, wieder war die Vorstellung ausverkauft, vor Beginn suchten sogar einige noch nach Karten.

Dass das Stück so gut ankommt, hätte Scherbel sich selbst nicht erträumt. Jetzt wird es ihm umso länger in Erinnerung bleiben.

"Eine Umbesetzung bringt immer frischen Wind", sagt Intendant Daniel Leistner erleichtert. Und über Scherbel: "Er ist ein sehr guter Schauspieler. Auch wenn sich an der Inszenierung nichts geändert hat, veränderte er das Stück durch seine eigene Persönlichkeit." Ebenso verwandelten sich durch Uli Scherbel Atmosphäre, Stil und Schwung des Klassikers: "Mit einem tänzerischem und leichtfüßigen Mephisto kommt eine andere Stimmung dazu." Aber auch dem gesamten Team kam die Umbesetzung nur zu Gute: "Man muss sich neu mit dem Stück auseinander setzen", weiß der Intendant. Und das merkte auch Uli Scherbel bei den Proben: " Daniel Leistner und Heidemarie Wellmann sowie alle anderen waren immer motiviert. Sie waren neugierig auf mich."

Die Verpackung war neu

Auch wenn wegen der Umbesetzung in diesem Jahr mehr Proben anfielen, als in den vergangenen Jahren, sei alles weitere wie geschmiert gelaufen: "Ganz professionell und handwerklich spitze", ist Daniel Leistner von seinem Schauspielkollegen begeistert und erklärt, dass wegen des neuen Mephisto nichts an der bestehenden Inszenierung verändert werden musste. "Ich bin es gewohnt, in vorgefertigte Abgänge einzuhüpfen", erzählt der Musicalstar und ergänzt, dass er sich mit Heidemarie Wellmann intensiv vorbereitet habe: "Sie hat mir gesagt, was sich Daniel Leistner vorstellt und sehen will."

Das einzige was für Uli Scherbel geändert werden musste, war die Verpackung: "Das Kostüm war mir wichtig, um in die Figur zu schlüpfen." Ganz nach dem Motto "Kleider machen Leute und imposante Mäntel machen Teufel", ließ er sich von Otto Heinisch und Elke Daum-Heinisch, den Kostümmachern der Faust-Festspiele, ein neues Gewand schneidern: "Sie haben ein fantastisches Kostüm gemacht. Es ist genauso geworden wie ich es mir vorgestellt habe", lobt Scherbel deren Arbeit.

Elke Daum-Heinisch erinnert sich an die ersten Versuche: "Uli Scherbel und Heidemarie Wellmann haben sich bereits gemeinsam Gedanken über das Kostüm gemacht und kamen mit einem schwarzen Mantel zu mir. Wir haben dann gemeinsam mit Stoff, Farben und Schnitt ausprobiert." Besonders Wert habe der Schauspielprofi darauf gelegt, dass sein Kostüm auf Figur gearbeitet ist und zu einem echten Mephisto passt.
"Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Stück, das es schon so lange gibt, so gut angenommen wird", freut sich Uli Scherbel über das positive Feedback. Zudem betont Daniel Leistner, dass es immer noch die dieselbe Faust-Inszenierung wie vor 20 Jahren sei. "Es lief schon all die Jahre gut. Aber die Aufmerksamkeit, die Uli Scherbel und die Umbesetzung gebracht haben, ist bombig", freut sich Leistner, über die vielen bundesweiten aber auch lokalen Zuschauer in diesem Jahr. Insgesamt haben sich in diesem Jahr rund 2300 Besucher den Festspiel-Klassiker angesehen: "Im letzten Jahr waren es 1200 Zuschauer und eine Aufführung weniger", berichtet der zufriedene Intendant.

"Die Lust ist groß"

Auf die Frage, ob Uli Scherbel denn im nächsten Jahr wiederkommt, antwortet Daniel Leistner zunächst, dass Scherbel sehr beschäftigt sei und mit seinem Management die Termine abklären müsse. Sogar für dieses Jahr habe er lukrativere Angebote ausgeschlagen, um auf der Festung zu stehen: "Ich glaube, dass es ihm sehr gut gefallen hat, in der Heimat zu spielen. Ich würde mich freuen, wenn er wieder kommt, verstehe aber auch, wenn es nicht geht."

Uli Scherbel selbst erklärt, dass es von mehreren Faktoren abhänge: "Es wird sich in den nächsten Wochen klären. Es ist eine Terminsache." Vorerst möchte er deshalb seine Rolle als Mephisto erst noch nachspüren und abwarten. Wie würde Mephisto in Auerbachs Keller sagen: "Die Kraft ist schwach, allein die Lust ist groß", zitiert Uli Scherbel. Insgesamt schwärmt er von seiner Zeit bei den Faust-Festspielen: "Für mich war es eine ganz tolle schauspielerische Erfahrung."
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