Kronach
Beförderung

Kreistag Kronach gibt Gas bei Diskussion um Schulweg

Das Kronacher Kreistagsgremium will beim Schülerverkehr endlich schneller größere Fortschritte erzielen.
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Der Kreistag machte sich am Montag Gedanken, wohin die Fahrt für Bus und Bahn bei der Schülerbeförderung gehen soll. Foto: Archiv/Marian Hamacher
Der Kreistag machte sich am Montag Gedanken, wohin die Fahrt für Bus und Bahn bei der Schülerbeförderung gehen soll. Foto: Archiv/Marian Hamacher
Am Ende soll es gut geplant sein, das neue Konzept für die Schülerbeförderung. Allerdings sollen die seit 2014 andauernden Gespräche darüber auch nicht in eine Diskussion ohne Ende münden. Am Montag schaffte es der Kreistag in einer eigens zu diesem Thema einberufenen Sitzung, diese beiden Vorgaben unter einen Hut zu bringen. Doch nach einem einstimmigen Beschluss sah es zunächst nicht aus. Denn zu Beginn wurde mit harten Bandagen um die Zukunft der Schülerbeförderung gerungen.

Wie diffizil die Schulweg-Frage ist, zeigte sich bereits nach einer Präsentation der Verwaltung. Willi Fehn und Michaela Morhard vom Regionalmanagement hatten darin die aktuelle Schulwegsituation beleuchtet sowie bereits getätigte Verbesserungen und Möglichkeiten für weitere Anpassungen vorgestellt (siehe Grafik und Artikel rechts).

Landrat Oswald Marr (SPD) betonte, dass die Schüler nicht irgendwo unnötig Zeit absitzen sollten. Das rief Jürgen Baumgärtner auf den Plan, der an die von der CSU geforderte Obergrenze von 60 Minuten für den Schulweg erinnerte. "90 Minuten in Kernzeiten sind einfach nicht hinnehmbar", betonte Peter Ebertsch (CSU) mit Blick auf die Situation der Tettauer Schüler. Ebertsch dankte Fehn aber für die schnelle Umsetzung der direkten Busverbindung zwischen Tettau und Pressig: "Das hat sehr viel gebracht." Fehn seinerseits stellte fest, dass auch ein Direktbus nach Tettau mit einer Fahrzeit von 1:05 Stunde machbar wäre.


Wartezeiten zu lange

Angela Wiegand (CSU) wies neben den langen Fahrzeiten auf die schwierige Situation an manchen Nachmittagen hin, wenn die Kinder aus den Kerngemeinden gar nicht mehr bis in ihre Heimatorte gebracht werden. "Das ließe sich ganz schnell mit Kleinbussen abstellen", lautete ihr Vorschlag. Sie regte deshalb erneut an, ein externes Büro einzuschalten, das die Situation der Schülerbeförderung unter die Lupe nehmen sollte. Timo Ehrhardt (SPD) stellte fest, dass vor allem bei den Wartezeiten noch vieles im Argen liege.

Oswald Marr rief dazu auf, bei den bevorstehenden Planungen den gesamten Landkreis zu betrachten, nicht nur den Norden. Klaus Löffler (CSU) pflichtete dem bei und betonte, dass die Schulanbindung heute auch ein Standortfaktor der Unternehmen beim Werben um qualifizierte Arbeitskräfte sei.


Beschluss gefasst

Letztlich wurde beschlossen, Angebote für eine Fortentwicklung des Nahverkehrskonzepts einzuholen und die Umsetzung der Ergebnisse nach Möglichkeit zum Schuljahr 2017/18 vorzunehmen. Über dringende oder leicht zu verwirklichende Sofortmaßnahmen soll bereits in der nächsten Schulausschuss-Sitzung abgestimmt werden. Auf eine zeitliche Festlegung der weiteren Vorgehensweise hatte vor allem Bernd Liebhardt (CSU) gedrängt, denn "Beschlüsse ohne Fristen ziehen sich". Eine leichte Verkürzung der Schulwegzeiten wird zeitnah eingetaktet: Ab 4. September soll die Bahn morgens um 7.07 statt um 7 Uhr in Kronach einfahren. Nachmittags fährt sie um 13.03 statt 13.07 Uhr ab.





Infos des Regionalmanagements

Das Regionalmanagement, vertreten durch Willi Fehn und Michaela Morhard, wies in der Kreistagssitzung darauf hin, dass bei der Schülerbeförderung bereits erste Fortschritte erzielt wurden. Die Einführung eines Busabbringers zwischen Pressig und Tettau wegen des Nachmittagsunterrichts, die Anbindung von Lauenhain (nach der neunten Schulstunde), verlängerte Standzeiten des Schülerzugs, die Ausschreibung eines sektoralen Schülerverkehrskonzepts sowie ein Vorschlagskatalog für weitere Verbesserungen wurden genannt.

Zudem hat die Verwaltung beispielsweise den Einsatz von Direktbussen geprüft sowie Gespräche mit den beteiligten Verkehrsbetrieben und den Schulen geführt. Dabei ging es einerseits um denkbare Änderungen im Fahrplan, andererseits um Anpassungen der Schulzeiten. Wie sich herausstellte, lässt sich der Bahnfahrplan nur sehr eingeschränkt verändern. Bei den realisierbaren Möglichkeiten sprängen nur wenige Minuten Zeitgewinn bei Abfahrt und Ankunft heraus, weil sonst das Taktsystem nicht eingehalten werden könnte und die Anschlüsse in Lichtenfels sowie Thüringen Probleme bereiten würden, wie DB-Teilnetzmanager Hans-Jürgen Wolf schilderte.

Die in der Sitzung vertretenen Schulen (beide Gymnasien und Realschule I) signalisierten Gesprächsbereitschaft über ihren Stundenplan.

Fehn und Morhard legten weitere Überlegungen vor. Angesprochen wurde ein "Schüler-Shuttle", das die Schüler sehr flexibel nach Hause bringen könnte. Auch das neue Mobilitätskonzept könnte eine Rolle bei der Schülerbeförderung spielen. Insgesamt sollte ein neuer Nahverkehrsplan den Rahmen für den gesamten ÖPNV vorgeben und Synergien ermöglichen. Der jetzige Plan ist über 20 Jahre alt.






Hitzige Diskussionen im Gremium

Die Sitzung des Kreistags endete harmonisch. Vorab gab es aber hitzige Diskussionen. Hier einige Auszüge:
Peter Ebertsch (CSU) warnte vor einem weiteren Überlaufen von Rennsteig-Schülern nach Thüringen. Heinz Köhler (SPD) fragte verwundert: "Was haben die Tettauer gegen Thüringer Schulen?" Ebertsch konterte, der Kreis habe immerhin Millionenbeträge in die Hand genommen, um die eigenen Schulen zukunftsfähig zu machen.

Michaela Morhard vom Regionalmanagement ging darauf ein, dass es weder wirtschaftlich noch ökologisch vertretbar erscheine, Busse en masse loszuschicken. Sie verwies auf zum Teil sehr kleine Schülergruppen aus abgelegenen Ortschaften. Bernd Liebhardt (CSU) betonte jedoch, dass der Kreistag deutlich signalisiert habe, Geld für die Schülerbeförderung in die Hand nehmen zu wollen.

Auch die Debatte um die Begriffe "Schulweg" und "Schülerbeförderung" heizte die Gemüter an. In Letzterem ist nämlich der Fußweg nicht berücksichtigt. Stefan Wicklein (FW) drängte darauf: "In der Beförderungsfrage muss alles drin sein."

Ein Beitrag von Egon Herrmann (SPD) sorgte für kernige Wortwechsel zwischen SPD und CSU. Er schimpfte - ebenso wie Edith Memmel (Grüne) - über die staatliche Schulpolitik, deren Auswirkungen die Kommunen immer wieder zu spüren bekämen. "Natürlich sind wir zuständig", sagte er zur Schülerbeförderung. "Aber wer soll das alles bezahlen?" Der Landkreis könne keine "Rundumversorgungs-Gesellschaft" bieten. "Wollen wir jedem ein Taxi hinstellen", hinterfragte er eine Idee der CSU für Sonderfälle und riet, keine Sprechblasen für den Wahlkampf zu produzieren. Als Herrmann noch nachfragte, ob die Schüler überhaupt so gerne schnell aus Kronach wegwollen, polterte Jürgen Baumgärtner, dass solche Äußerungen "bodenlos" seien. "Wir probieren es seit zweieinhalb Jahren", ging er auf die Diskussion über Verbesserungen beim Schülerverkehr ein. Das habe nichts mit Wahlkampf zu tun. Der Einsatz von Direktbussen sei alternativlos, und wenn es nicht klappe müsse man sich unter Umständen sogar von der Bahn lösen, meinte er. "Wir müssen uns auf den Weg machen."

Angela Wiegand (CSU) untermauerte: "Die Schüler wollen heim!" Schließlich seien viele in den Heimatorten ehrenamtlich engagiert und bräuchten die Zeit für ihre Hobbys.

Richard Rauh (SPD) stellte fest, dass die Mehrheit letztlich entscheiden muss. Es sei aber auch legitim, die Kosten-Nutzen-Frage zu stellen. Björn Cukrowski (FDP) meinte hingegen, das Gremium drehe sich in dieser Thematik regelmäßig im Kreis. Und Jens Korn (CSU) ließen "die Herrmann-Äußerungen ratlos zurück". Er hielt die Schulweg-Frage für eine Standort-Frage. "Und wenn wir die nicht lösen, stimmen die Eltern mit den Füßen ab".
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