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Kreis Kronach: Bleiben die Briefkästen sonntags zu?

Die Deutsche Post schränkt die Briefkastenleerungen an Sonntagen stark ein. Auch viele Briefkästen im Landkreis Kronach werden betroffen sein.
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Alle Briefkästen mit einem roten Punkt werden auch an Sonntagen geleert. Davon gibt es im Landkreis Kronach aktuell 16 Stück. Der Großteil wird über die nächsten Monate jedoch wegfallen. Der Briefkasten am Bahnhofsplatz in Kronach wird wohl einer der wenigen bleiben, der weiterhin sonntags geleert wird. Foto: Maximilian Glas
Alle Briefkästen mit einem roten Punkt werden auch an Sonntagen geleert. Davon gibt es im Landkreis Kronach aktuell 16 Stück. Der Großteil wird über die nächsten Monate jedoch wegfallen. Der Briefkasten am Bahnhofsplatz in Kronach wird wohl einer der wenigen bleiben, der weiterhin sonntags geleert wird. Foto: Maximilian Glas
Gerade einmal sechs Wochen ist es her, als der neue Portopreis der Deutschen Post in Kraft getreten ist. Seit dem 1. Januar 2016 zahlen Postkunden für das Briefporto des Standardbriefs acht Cent mehr - mittlerweile sind dies 70 Cent. Kaum schien die saftige Preiserhöhung von der Bevölkerung einigermaßen verdaut, sorgte vergangene Woche eine weitere Ankündigung des Konzerns für neue Unmutsbekundungen unter den Postkunden. Wie die Deutsche Post mitteilte, wird die Anzahl der Briefkästen, die an Sonntagen geleert werden, in den nächsten Monaten stark zurückgefahren.

Wurden bisher von den Boten sonntags noch 11 000 Briefkästen in Deutschland angesteuert, werden es Mitte des Jahres nur noch rund 2000 sein. So werden künftig viele Postkunden gezwungen sein, am Wochenende weite Wege zurückzulegen, wenn die Briefe bereits am Montag beim Empfänger ankommen sollen. Insbesondere in ländlichen Regionen wie dem Landkreis Kronach könnte das für manche Bürger zu einem echten Ärgernis werden.


"Unrentable Fahrten vermeiden"

Für den vermeintlichen Widerspruch von Preiserhöhungen auf der einen Seite und fast zeitgleich stattfindenden Kürzungen von Serviceleistungen auf der anderen Seite, mussten sich die Verantwortlichen der Deutschen Post in den vergangenen Tagen vermehrt rechtfertigen. "Die Portoerhöhung ist in einem ganz anderen Gesamtzusammenhang zu sehen", sagt Erwin Nier, Pressesprecher der Deutschen Post für den Bereich Bayern, im Gespräch mit unserer Zeitung. Auch wenn die Entscheidung am Ende des Tages eine Kostenfrage gewesen sei, werde das eingesparte Geld - beispielsweise mit dem Ausbau von Briefzentren - wieder den Postkunden zugutekommen, so der Sprecher. Mit den Einschnitten will das Postunternehmen die Sonntagsarbeit reduzieren und unrentable Fahrten vermeiden. "Weniger Fahrten bedeuten auch weniger Emissionen", so Erwin Nier.

Wie der Konzern erklärt, haben die Sonntagsbriefkästen für den Großteil der Bevölkerung keine große Bedeutung mehr. Dazu komme, dass Unternehmen und Behörden, die in Deutschland insgesamt 85 Prozent aller Sendungen verschicken, am Wochenende verhältnismäßig wenige Briefe aufgeben. An Sonntagen soll der Füllstand vieler Briefkästen bei weniger als zehn Prozent der durchschnittlichen Tagesmenge - was oft nur zwei oder drei Briefe bedeutet - gelegen haben, erklärt Nier. "Denjenigen, die an diesem Tag regelmäßig Briefe verschicken, tut es sicher weh. Aber es bei Briefleerungen jedem individuell Recht zu machen, wäre ein Kunstwerk, das es nicht gibt", sagt Sprecher Erwin Nier.

Wie vielen Menschen die Entscheidung der Deutschen Post am Ende im Kreis Kronach weh tun wird, steht indes noch nicht endgültig fest. Aktuell gibt es im Landkreis noch 16 Briefkästen, die jeden Sonntag geleert werden. Vier davon befinden sich im Stadtgebiet Kronach. Seit wenigen Tagen laufen die Planungen von ausgewählten Fachleuten, die anhand unterschiedlicher Kriterien ermitteln, welche Briefkästen weiterhin sonntags geleert werden und welche nicht.


Nur Kronach erfüllt Kriterien

Für die Planungen im Landkreis Kronach ist die Deutsche-Post-Niederlassung in Bamberg verantwortlich. Schaut man sich die offiziellen Kriterien des Konzerns für eine Sonntagsleerung an, schaut es für den ländlich geprägten Landkreis Kronach schlecht aus. Städte mit mehr als 20 000 Einwohnern, Kreisstädte, kreisfreie Städte, ICE-Haltepunkte und Städte mit Briefzentren der Deutschen Post werden bisher als potenzielle Standorte bezeichnet. Lediglich Kronach würde als Kreisstadt eines der Kriterien erfüllen. "Alle anderen Orte im Landkreis liegen gewaltig drunter", sagt Erwin Nier. Gleichzeitig stellt er jedoch klar, dass dies noch nicht das endgültige Aus für die anderen Standorte sein muss. "Bisher sind fünf Kriterien fix, weitere sind aber möglich. Zum Beispiel für Orte, die touristisch besonders attraktiv sind. Das sind aber alles Spekulationen, ich möchte da jetzt noch nicht zu viel hineininterpretieren", sagt der Pressesprecher.

Bis Anfang März sollen die Standorte feststehen, die im Kreis Kronach weiter angesteuert werden und als "Sonntagsbriefkasten" mit einem roten Punkt gekennzeichnet bleiben. Die Umsetzung erfolgt bis Ende des zweiten Quartals 2016.
"Das Ganze braucht einen gewissen Vorlauf. Es ist nicht damit getan, den roten Punkt zu entfernen, sondern es müssen auch bei allen Briefkästen in Deutschland die Leerungsanzeiger ausgetauscht werden", erklärt Nier. Bleibt nur zu hoffen, dass dem Landkreis Kronach einige rote Punkte erhalten bleiben und die Region sonntags im Bereich der Postlogistik nicht zu einem weißen Fleck auf der Landkarte verkommt.



Kreisstadt will die Sonntagsleerung nicht widerstandslos aufgeben


"Es ist nicht so, dass die Post uns informiert hätte", stellt der Kronacher Hauptamtsleiter Stefan Wicklein fest, dass die Kreisstadt nur durch Medienberichte auf die geplanten Änderungen bei der Sonntagsleerung der Briefkästen aufmerksam geworden sei. "Wir haben die Info seit einer Woche, sie ist noch in der Prüfung", erklärt er weiter. Es gehe darum, jetzt abzuklären, ob Kronach von einer Veränderung betroffen wäre. Sollte es eine solche "weitere Benachteiligung des ländlichen Raums gegenüber den Ballungszentren" geben, werde die Kreisstadt versuchen, sich dagegenzustemmen. "Ein Landkreis ohne Sonntagsleerung, das kann's doch nicht sein."

Neben Kronach (4) verfügt nur noch Wilhelmsthal (2) über mehrere Briefkästen, die sonntags geleert werden. Bürgermeisterin Susanne Grebner (SPD) sieht die Situation dennoch gelassen. Aus ihrer privaten Sicht und angesichts des überschaubaren Wegs nach Kronach, hielte sie es für kein Drama, sollte die Sonntagsleerung in ihrer Gemeinde wegfallen - so lange es dieses Angebot wenigstens in der Kreisstadt gibt. "Ich glaube nicht, dass das den Leuten sehr auffallen würde", meint sie. "Wenn man etwas hat, und es wird zurückgefahren, dann ist das normalerweise nicht schön. Aber aus Sicht der Post ist das irgendwo auch nachvollziehbar." In Zeiten der E-Mail müsse man bei dem Aufwand am Sonntag eben auch die finanzielle Komponente berücksichtigen. mrm

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