Buchbach
workshop

Kochen für die Verständigung

Im Mehrgenerationenhaus Buchbach bereiteten junge Flüchtlinge mit Bewohnern des Ludwigsstädter BRK-Seniorenhauses afrikanische Spezialitäten zu.
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Diop und Ismael (von links) wie auch den Senioren schmeckte das Essen super. Foto: Heike Schülein
Diop und Ismael (von links) wie auch den Senioren schmeckte das Essen super. Foto: Heike Schülein
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Ein Nachmittag im Mehrgenerationenhaus (MGH) Buchbach: Es werden Kartoffeln, Karotten und Zwiebeln geschält und geschnippelt. Ein leckerer Duft liegt in der Luft. Auf dem Herd dampft ein großer Topf mit Erdnuss-Suppe. Das Mafé - ein Gulasch-Ragout aus dem Senegal - ist gerade in Bearbeitung. Ismael Hamadou und Diop Khadim bereiten diese landestypischen Speisen aber nicht alleine zu. Hilfe erhalten sie von den Bewohnern des BRK-Seniorenhauses Ludwigsstadt, Fredi Thomas, Günter Weigel und Petra Güntsch als auch von der Seniorenhaus-"Nachbarin" Marianne Güntsch. Und das kam so ...
"Uns ist der Austausch nicht nur zwischen Flüchtlingen und anderen jungen Menschen, sondern auch Senioren wichtig", erzählen Struwwelpeter-Mitarbeiterin Natascha Christmann sowie Simone Michnik vom Afrikafest-Vorbereitungsteam.
Sicherlich seien bei manchen älteren Leuten bestimmte Ängste mit Flüchtlingen beziehungsweise Menschen anderer Hautfarbe verbunden. Andererseits hätten die Asylbewerber kaum Vorstellungen, wie Senioren bei uns lebten. So entstand die Idee eines gemeinsamen Kochworkshops. Beim gemeinsamen Zubereiten eines Menüs sollten Senioren die Möglichkeit erhalten, im wahrsten Sinne des Wortes in die andere Kultur hinein zu schnuppern. Eingeladen waren alle älteren Menschen aus der Umgebung. Dankend angenommen wurde das Angebot insbesondere vom BRK-Seniorenhaus Ludwigsstadt mit mehreren Heimbewohnern wie auch von der Seniorenhaus-"Nachbarin" Marianne Güntsch, die sich - "chauffiert" und begleitet von der Betreuungskraft Brigitte Kaim - gerne auf den gemeinsamen Kochnachmittag einließen.


Zufriedene Gesichter

Und die Idee des Kennenlernens und Hineinschnupperns in andere Kulturen ging voll auf. Sah man Jung und Alt nebeneinander, sah man in zufriedene Gesichter - ob schweigend und konzentriert bei der Arbeit oder im regen Miteinander und Gespräch; und das ohne jegliche Berührungsängste. "Das ist ein schön entspannter Nachmittag. Wir sind positiv überrascht", strahlt Christmann. Und auch die Mitarbeiterin des Betreuungsnetzwerks "Lebensqualität für Generationen" (LQG), Annett Schlegel, die als gemeinsame Ansprechpartnerin für das Projekt fungierte und - mit der LQG-Projektleiterin Antje Angles - den schönen Nachmittag ermöglicht hatte, freut sich sehr. "Sie verstehen sich gut und haben offensichtlich viel Spaß zusammen", so Schlegel und die Perle des MGH, Cornelia Keim. Dies konnten die Hauptpersonen nur bestätigen. "Die Flüchtlinge sind sehr nett und hilfsbereit und sie haben einen großen Familiensinn. Sie können schon sehr gut Deutsch", lobten Petra Güntsch und ihre Mutter Marianne Güntsch. Die Flüchtlinge erzählten von ihrer Flucht, wovon sich die Senioren sichtlich betroffen zeigten, und von ihrer Heimat. "Bei uns gibt es keine Seniorenhäuser. Die alten Menschen bleiben in den Familien", erklärte Diop. Der 20-Jährige kommt aus dem Senegal und hat noch jeweils vier Brüder und vier Schwestern. Die meisten von ihnen leben noch in seiner Heimat. Diop kocht gerne. "Ich habe immer meiner Mutter beim Kochen geholfen", verriet er. Ismael kommt aus Niger. Der 26-Jährige hat noch einen Bruder daheim. Ob dieser auch nach Deutschland möchte? "Nein, das ist zu gefährlich. Es gibt nur zwei Möglichkeiten, hierher zu kommen - tot oder lebendig", sagte er. Dann zeigte er schlimme Bilder auf seinem Handy - Bilder von einem völlig überfüllten, sinkenden Boot und ertrunkenen, an Land gespülten Menschen: Bilder seiner Flucht. Beide sind in Mitwitz untergebracht. Es gefällt ihnen hier, die Leute seien nett. "Ich mag eigentlich keinen Reis", gesteht Günter Weigel. Doch heute macht er eine Ausnahme. Im Nu ist sein Teller ebenso leer wie der von Fredi Thomas, der noch Nachschlag ordert. Was übrig bleibt, wandert in Tupperdosen. "Damit die anderen Senioren auch probieren können", erklären die Flüchtlinge. Zum Abschluss wird schwarzer Tee getrunken mit frischer Minze. "In Afrika wird immer gemeinsam gegessen, alle an einem Tisch", betonen Diop und Ismael. Sie und die Senioren wollen in Kontakt bleiben. Die Heimbewohner laden die Flüchtlinge ein, das Seniorenhaus zu besuchen, was diese dankend annehmen. Diese wiederum laden im Gegenzug zum Afrikafest am 23. und 24. Juli nach Kronach ein.

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