Kronach
Barrierefreiheit

Kleine Hürden könnten schnell beseitigt werden

Der Weg zur kompletten Barrierefreiheit in Kronach ist noch lang. Allerdings gibt es kleine Hürden, die man kurzfristig beseitigen kann. Ob die Stadträte dazu selbst eine Rallye durchführen?
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Durch das Absenken von Bordsteinkanten, könnte man auf dem langen Weg zur Barrierefreiheit zumindest schon kleine Hürden beseitigen, meinten die Teilnehmer an der FT-Diskussion zum Thema "Mobilität in der Stadt Kronach".  Foto: Archiv
Durch das Absenken von Bordsteinkanten, könnte man auf dem langen Weg zur Barrierefreiheit zumindest schon kleine Hürden beseitigen, meinten die Teilnehmer an der FT-Diskussion zum Thema "Mobilität in der Stadt Kronach". Foto: Archiv
Das A und O sind die Gehwege. Das ist das Ergebnis der Diskussionsrunde zum Thema Mobilität, zu der der Fränkische Tag am Sonntagvormittag in die Rosenbergalm eingeladen hatte. "Wenn die gemacht werden, sind 70 Prozent der Probleme gelöst", ist Erwin Kroha, Zweiter Vorsitzender der Seniorengemeinschaft, überzeugt.
Dritter Bürgermeister Markus Wich nannte die Mobilität "eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen für das gesellschaftliche Leben".

Die Stadt hat deshalb ein Konzept zum Barriereabbau in der Innenstadt erstellt. Darin enthalten unter anderem: Die Absenkung und Verbreiterung von Gehsteigen, die langfristige Verwirklichung der barrierearmen Oberen Stadt, die Einrichtung einer Servicestelle für Barrierefreiheit privater Gebäude, die verbesserte Erreichbarkeit der Innenstadt und die barrierefreie Festung.


Bimmelbahn und Stadtscouts

Luitgard Mölter bekräftigte ihren Wunsch nach einer Bimmelbahn für Kronach. Wich hielt dies auch für "eine gute Idee, über die es sich nachzudenken lohnt". Allerdings dürfe man sich auch nicht verzetteln. Immerhin stehe das Mobilitätskonzept für den Landkreis kurz vor dem Abschluss und dementsprechende werde auch der Stadtbusverkehr angepasst. "Wenn sich ein privater Anbieter für eine solche Bahn findet, wird die Stadt ihn unterstützen. Aber eine Möglichkeit, sie selbst zu betreiben sehe ich für die Stadt nicht."

Erwin Kroha wünschte sich in diesem Zusammenhang, dass der Stadtbusplan in der Zeitung veröffentlicht wird, damit er mehr ins Bewusstsein der Kronacher rückt. Auch sprach er sich für einen Stadtscout aus, der weniger mobilen Bürgern und Senioren auf ihren Wegen durch die Stadt hilft. Das könne er sich in Form eines Meldesystems vorstellen, ausgeübt durch Ehrenamtliche.


Kopfsteinpflaster nicht überall

Was den Busverkehr angeht beklagte Heinrich Gehring, der sich schon lange mit den Barrieren in Kronach beschäftigt, die Einstiegshöhen. Als positives Beispiel in Sachen Barrierefreiheit nannte Gehring das Postgebäude. Dort ist eine Klingel angebracht für Rollstuhlfahrer oder Kleinwüchsige, die die Tür nicht öffnen können. "Dann kommt jemand und macht auf."

Viel Raum nahm in der Diskussion das Kopfsteinpflaster ein. "Keine Frage, das gehört zu einer Festungsstadt dazu. Aber vielleicht kann man Teilbereiche davon, Wege, glätten", schlug Erwin Kroha vor. Markus Wich räumte ein, dass man überlegen könne, ob es überall Pflaster braucht. Man könne sich mit dem Pflaster durchaus nur auf den Stadtkern konzentrieren und brauche in anderen Bereichen keines.

Jonas Geissler, CSU-Fraktionsvorsitzender, nannte als oberste Zielsetzung, "dass die Gehwege angegangen werden. An die muss man ran". Oft seien vor privaten Häusern oder Arztpraxen Stufen, die einen Großteil der Gehsteige einnehmen. Wich verwies in diesem Zusammenhang auf entsprechende Förderungen, dafür dass Eingänge barrierefrei gemacht werden. Wolfgang Graf vom VdK brachte erneut das Thema Aufzug in die Obere Stadt ins Spiel. "Dreiviertel der Kronacher haben sich damals im Bürgerentscheid dagegen ausgesprochen. Wir können uns wieder unterhalten, wenn alles barrierefrei und der Aufzug der einzig fehlende Lückenschluss ist", sagte dazu Jonas Geissler.

Graf bemängelte in diesem Zusammenhang auch den Zustand der Treppe vom Marienplatz in die Obere Stadt. Wich konnte hierzu erklären, dass der Planungsauftrag für die Treppe fertig sei und man hier auch den Behindertenbeauftragten mit einbezogen habe. Die Treppe soll im Frühjahr bzw. Sommer 2016 angegangen werden. Heinz Hausmann (CSU-Stadtrat und VdK-Kreisvorsitzender) sprach sich für Behindertenbeauftragte in den 18 Gemeinden des Kreises aus, die sich in entsprechende Planungen einbringen könnten.

Emil Wunder beklagte den Zugang zur Behindertentoilette in der Kühnlenzpassage. Er wünschte sich, dass die schweren Türen elektrisch aufgingen und im geschlossenen Fall, Behinderte durch einen Euroschlüssel Zugang haben. Das nahm Wich auf.


Rallye für Stadträte

Einige Hürden können kurzfristig angegangen werden. Geissler erklärte, dass 75 000 Euro im Haushalt für Maßnahmen zur Barrierefreiheit eingestellt seien und zeigte sich deshalb offen für eine Rallye, wie sie Heinrich Gehring vorschlug: Der Stadtrat macht sich auf den Weg durch die Stadt und erlebt sämtliche Barrieren. Zum Beispiel den glatten, gefährlichen Belag auf der Haßlachbrücke oder die hohen Bordsteine im Kreuzungsbereich der Industriestraße.

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