Kronach
Interview

Kabarettist Wolfgang Krebs eröffnet die Kronach Open-Airs

Am 4. Juli kommt Wolfgang Krebs nach Kronach. Im Interview erzählt er, wie er auf seine Parodien kommt und welche ernste Themen dahinter stecken.
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Wolfgang Krebs aus Kaufbeuren und die "Bayerischen Löwen" kommen im Zuge ihrer Tour "So 'a riesen Gaudi" am 4. Juli nach Kronach. Foto: Gregor Wiebe & Carsten Bunnemann
Wolfgang Krebs aus Kaufbeuren und die "Bayerischen Löwen" kommen im Zuge ihrer Tour "So 'a riesen Gaudi" am 4. Juli nach Kronach. Foto: Gregor Wiebe & Carsten Bunnemann
Er ist Seehofer, Stoiber und Beckstein zugleich und kommt am 4. Juli mit den Bayerischen Löwen, fünf Blasmusik-Rebellen aus Straubing, zum Open-Air auf die Festung Rosenberg. Im Interview spricht der Kabarettist Wolfgang Krebs mit dem FT über seine Liebe zum Landleben, seine Erholung beim Graben und er erklärt, warum er in Markus Söder viel Potenzial sieht.

Herr Krebs, waren Sie schon einmal in Kronach?
Wolfgang Krebs: Ich war schon ein paar Mal in der näheren Umgebung, aber ich glaube, in Kronach war ich noch nie.

Freuen Sie sich dann schon?
Natürlich. Oberfranken ist immer eine Reise wert. Mein Vater kommt aus Bamberg, ist zwar ein Stück weg von Kronach, aber dadurch bin ich ein halber Oberfranke.

Bereiten Sie sich speziell auf ihren jeweiligen Auftrittsort vor?
Ich mache immer eine kurze Recherche zu dem Ort. Ich schaue, was im Internet oder in der Zeitung an aktuellen Themen steht, aber auch was die Historie der Stadt ausmacht.

Sie treten häufig in ländlichen Regionen auf. Ist das eine bewusste Entscheidung?
Ich mag das sehr gerne, besonders die Stimmung in kleineren Bierzelten. Und das Programm mit den Bayerischen Löwen ist auch etwas Besonderes, das spielen wir nur 25 Mal im Jahr. Ansonsten bin ich mit der "Watschenbaum-Gala" solo in vielen Gasthäusern unterwegs. Ich mag das ländliche Leben und die kleineren Strukturen sehr.

Dass alle Menschen in die großen Städte ziehen wollen, dem möchte ich entgegenwirken. Ich finde es toll, wenn junge Menschen zum Beispiel in Kronach leben wollen - und das obwohl Kronach nicht der diskutierte Nabel der Welt ist.

Könnte die Politik etwas gegen die Landflucht tun?
Seehofer hat ja jetzt Regensburg, Nürnberg und München zu den großen Regionen gemacht. Die etwas kleineren Zentren sind Ingolstadt und Augsburg. Das sind trotzdem noch größere Städte. Markus Söder macht das genau richtig. Er ist als Heimatminister dafür zuständig, dass auch vor Ort etwas ist und die Franken nicht alle nach Nürnberg ziehen und die Oberbayern nicht alle nach München. Er ist auch dafür zuständig, dass Behörden verlagert und dadurch kleinere Einheiten geschaffen werden. Das ist eine richtige Strategie, damit auch ganz Bayern in Zukunft bewohnt ist und überall was los ist.

Politikkabarett und Blasmusik - wie passt das zusammen?
Das passt sehr gut, weil es eine Auflockerung ist. Aber ich mache ja nicht nur Politikkabarett, ich mache ja auch Sachen, die nichts mit Politik zu tun haben. Es geht darum, Spaß zu haben und nicht alles so bierernst zu nehmen. Es ist keinesfalls hochtrabendes, politisches Kabarett. Es ist ein humorvoller Abend und das lockern die Bayerischen Löwen musikalisch gut auf.

Wie kommen Sie auf die Ideen für ihre Parodien?
Bei mir gehört am Morgen mindestens eine Zeitung dazu - und da lese ich immer wieder Sachen, über die ich mich aufrege, die ich für falsch halte oder die man einfach bisserl lockerer sehen müsste. Und das sind dann die Vorlagen für meine Parodien.

Was sind hinter den Parodien ihre Themen?
Neben der Landflucht auf jeden Fall auch das Thema Rentenpolitik, wie das weitergeht und wie das finanziert werden soll, wenn es immer mehr ältere Leute gibt und immer weniger junge. Das ist ein ganz großes Gesellschaftsthema, das jetzt im Wahlkampf langsam aufgegriffen wird. In den letzten Jahren ist es in der Politik aber einfach nicht ausreichend dargestellt worden, und das regt mich total auf.

Gerade junge Menschen - ich habe zwei Söhne, 21 und 23, studieren zwar beide noch - aber die müssen bald schauen, dass sie für die Rente vorsorgen. Es gibt aber auch viele Leute, die in prekären Arbeitsverhältnissen stecken. Wie sollen die vorsorgen, wenn auch die Mieten immer teurer werden? Auch da ist meine Antwort, mehr auf dem Land zu arbeiten. Es bringt nichts, wenn wir alle in die großen Städte ziehen und uns da die Mieten nicht leisten können.

Stoiber, Seehofer und Co - welche Rolle war für Sie die größte Herausforderung?
Die größte Herausforderung war Horst Seehofer, weil er sehr unauffällig wirkt. Viele Leute haben am Anfang gesagt, der hat doch gar nichts, was man parodieren oder überzeichnen kann. Aber ich habe halt doch einiges gefunden, wie das Lachen und solche Sachen. Ich glaube, ich treffe ihn da ganz gut.

Und wen parodieren sie am liebsten?
Das wechselt immer ein bisschen und ist auch Tagesform abhängig, aber zur Zeit ist es wirklich Markus Söder. Ich glaube, dass es lohnenswert ist, sich mit ihm zu beschäftigen. Meine Prognose ist, dass er es doch noch schafft, bayerischer Ministerpräsident zu werden. Es wäre auch gut, wenn auch wieder mal ein Franke bayerischer Ministerpräsident werden würde. Der Beckstein war ja viel zu kurz.

Was machen Sie, wenn Sie mal nicht auf der Bühne stehen?
Ich habe einen großen Garten im Allgäu und da freue ich mich immer, wenn ich graben kann oder irgendetwas in Ordnung halten kann. Nach meinen Auftritten wie beispielsweise in Hof fahre ich nachts noch nach Hause, damit ich wenigstens ab und zu daheim sein kann.

Vor neun stehe ich deswegen meist nicht auf. Für viele ist der Tag gelaufen, wenn sie erst nachts um drei ins Bett kommen, aber bei mir muss es ja weitergehen. Da muss ich mit meinen Kräften haushalten.
Und ich gehe sehr gerne zum Sport, auch wenn man mir das nicht ansieht. Ich muss ja immer Politiker mit einem entsprechenden Gewicht darstellen und das muss man ja auch in Form halten. Ich wieg zur Zeit hundert Kilo, aber das muss halt auch entsprechend aufgepolstert werden. Ich tu was ich kann, um mich fit zu halten.

Das Gespräch führte
Lisa Kieslinger




Gewinnspiel

Tickets Gemeinsam mit dem Event-Management Rainer Ludwig aus Kulmbach verlosen wir zehnmal eine Karte für Wolfgang Krebs und die Bayerischen Löwen am 4. Juli um 20 Uhr in Kronach. Alles, was Sie dafür tun müssen, ist am Samstag, 1. Juli, um 12 Uhr unter der Hotline-Nummer 09221/75580 anzurufen. Karten gibt es auch bei der Tourist-Info Kronach (09261/97236), unter www.reservix.de oder unter 09221/75580. lk


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