Wilhelmsthal
Interview

Matthias Eidloth: "Jugend ans Ehrenamt binden"

Schon im Alter von 25 leitet er als Kommandant die Hesselbacher Feuerwehr. Seit März ist eine weitere wichtige Aufgabe hinzugekommen.
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Seit vier Jahren hat Matthias Eidloth bei der Freiwilligen Feuerwehr Hesselbach das Kommando. Foto: Marian Hamacher
Seit vier Jahren hat Matthias Eidloth bei der Freiwilligen Feuerwehr Hesselbach das Kommando. Foto: Marian Hamacher
Dass Matthias Eidloth die Sprossen eines Leiterwagens äußerst zügig emporsteigen kann, dürfte nicht sonderlich überraschen. Schon als 14-Jähriger begann er in Hesselbach bei der Jugendfeuerwehr, die er 2000 mit gründete - ist also bereits 17 Jahre und damit seit unzähligen Übungen dabei. Doch auch die Karriereleiter bei der Freiwilligen Feuerwehr ist der inzwischen 29 Jahre alte Mechatroniker in einem ähnlichen Tempo aufgestiegen.

Seit vier Jahren leitet Eidloth als Kommandant die Hesselbacher Wehr und übernahm im März zudem den Posten des stellvertretenden Kreisjugendwarts. Rund 150 Stunden bringt er pro Jahr für die Jugendarbeit auf. Im Interview spricht er darüber, weshalb er dies jedoch mit ganzem Herzen macht, was das Ehrenamt für ihn bedeutet und in welcher Hinsicht sich die heutigen Jugendlichen von seiner Generation unterscheiden.

Für viele Kinder ist Feuerwehrmann ja der erste Berufswunsch. Sah es bei Ihnen ähnlich aus?
Matthias Eidloth: Überhaupt nicht, das hat sich erst herauskristallisiert, als wir 2001 die Jugendfeuerwehr gegründet haben - und da war ich schon 14. Damals wurden alle Jugendlichen aus dem Altersspektrum gefragt, ob sie Interesse haben. Es gab eine Infoveranstaltung und mich hat es vom ersten Tag an fasziniert.

Was genau hat Sie fasziniert?
Einerseits natürlich die Feuerwehr an sich. Dazu kam dann das technische Gerät, mit dem man arbeitet. Hinzu kommt natürlich, dass ich in Hesselbach gleich neben dem Feuerwehrhaus wohne. Da habe ich immer gesehen, wenn Übungen gemacht wurden. Mein Vater war auch dabei, da hab' ich dann schon einiges mitbekommen.

Was war 2001 der Grund, die Jugendfeuerwehr in Hesselbach zu gründen?
Wir hatten festgestellt, dass es relativ schlecht Nachwuchs für die Feuerwehr gibt, daher wollten wir die Jugend möglichst früh an die Feuerwehr, aber auch ganz allgemein ans Ehrenamt binden. Von unserer Gründungsmannschaft sind auch viele dabei geblieben. Klar sind einige fürs Studium weggezogen, aber von acht sind jetzt noch drei übrig. Jetzt haben wir im Schnitt immer fünf oder sechs Jugendliche dabei.

Welche Bedeutung hat das Ehrenamt für Sie?
Für mich ist es sehr wichtig. Ich gehe jetzt nur mal von Hesselbach aus: Dort haben wir eine sehr enge Dorfgemeinschaft. Jeder ist in jedem Verein. Im Fußballverein, auch wenn er kein Fußball spielt, im Musikverein, auch wenn er kein Instrument spielt. Das ist auf dem Dorf ganz normal, und da muss man sich einfach gegenseitig unterstützen.

Seit März sind Sie nicht nur Kommandant der Hesselbacher Wehr, sondern auch stellvertretender Kreisjugendfeuerwehrwart. Das klingt ziemlich zeitintensiv.
Ja, die freien Stunden sind nicht mehr die, die ich noch vor vier, fünf Jahren hatte. Aber meine Familie und meine Freundin stehen hinter dem, was ich mache. Ebenso die Mannschaft und der Verein. Sonst könnte ich das alles in der Art nicht betreiben. So kann ich auch andere Aufgaben landkreisweit übernehmen, gerade jetzt im Jugendbereich. Ich bin einer, der Jugendlichen gerne etwas beibringen will.

Was haben Sie in den kommenden Jahren mit der Jugendfeuerwehr alles vor?

In Hesselbach arbeiten wir eng mit der Wehr aus Lahm zusammen. Da möchte ich die Zusammenarbeit auch im Jugendbereich intensivieren. Ich denke, dass wir auf einem guten Weg sind, denn wir bieten den Jugendlichen eine ganze Menge an. Auch weil wir versuchen, an so gut wie jeder Landkreisveranstaltung teilzunehmen. Das ist schon nicht ganz ohne. Wenn alles so weiterläuft, bin ich eigentlich ganz zufrieden.

Nachwuchssorgen gibt es keine?

Jede Institution hat Nachwuchssorgen. Da ist es wichtig, dass man die Jugend weiter fürs Ehrenamt begeistern kann, damit sie dabei bleiben.

Stellen Sie zwischen den Einstellungen der heutigen Jugendlichen zu Ihrer Anfangszeit einen Unterschied fest?
Man kann natürlich nicht für alle sprechen, aber ich habe festgestellt, dass die Jugendlichen zum Teil die Einstellung haben: "Komm ich heut' nicht, komm' ich morgen." Das Pflichtbewusstsein hat sich verändert. Bei uns war es halt so, dass man auch beendet hat, was man angefangen hat. Es hieß immer: Entweder machst du es richtig oder du hörst gleich auf.

Diese Einstellung haben Sie sich dann zu Herzen genommen?
Bei mir war es damals der Fußball. Gespielt habe ich, bis ich 16 war. Da habe ich mir gesagt, dass das nichts bringt. Ich wollte nicht länger zweimal die Woche in die nächste Ortschaft fürs Training fahren, dafür war mir meine Zeit zu schade - und habe lieber aufgehört. Dieses Pflichtbewusstsein ist bei manchen zurückgegangen.

Wie ist denn deren Einstellung?
Die sehen das ein bisschen als Hobby. Aber man hat bei der Feuerwehr ja nicht nur sich, sondern auch der Gruppe gegenüber Verantwortung. Da finde ich es sehr schade, dass das manche nicht mehr so sehen.

Was hat Sie dazu bewogen, nicht nur mitzumachen, sondern auch ein Amt zu übernehmen?
Wie gesagt: Die Feuerwehr hat mich schon immer fasziniert, und es hat mich gereizt, der Jugend eine Perspektive zu geben. Zu zeigen, man kann auch andere Sachen machen, als den ganzen Tag nach der Schule zu Hause vor dem Computer oder Fernseher zu sitzen. Zu zeigen, dass es noch Alternativen gibt.

Sie waren 25 Jahre alt, als Sie Kommandant wurden. Fiel Ihnen der Schritt an die Spitze schwer?
Lernen kann man es ohnehin nicht, da muss man dann mit der Zeit reinwachsen. Ich bin gut aufgenommen worden. Auch damals schon zuvor als Zweiter Kommandant. Von meinem damaligen Kommandanten bin ich gut unterstützt worden und habe auch jetzt eine gute Mannschaft, die hinter mir steht.

Jetzt sind Sie schon mehr als die Hälfte Ihres Lebens bei der Feuerwehr. Welchen Platz nimmt sie inzwischen in Ihrem Leben ein?
Es vergeht eigentlich keine Woche, in der ich nicht irgendwas mit ihr zu tun habe.

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