Wallenfels
Babyleichen

Journalisten belästigen Wallenfelser

Einige Bürger in Wallenfels fühlten sich am Freitag und Samstag von Journalisten bedrängt. Hintergrund ist der Fund von acht Babyleichen in dem beschaulichen Ort. Die Polizei kam wegen penetranter Medienvertreter mehrfach zum Einsatz.
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Foto: Nicolas Armer/dpa
Foto: Nicolas Armer/dpa
In Wallenfels sind an einigen Häusern die Rollos heruntergelassen. Seit dem Fund von acht Babyleichen in dem beschaulichen Ort im Frankenwald sind die Bewohner nicht nur selbst entsetzt, vielmehr trauen sie sich kaum einen Fuß vor die Tür zu setzen. So groß ist das Interesse sämtlicher Medien an dem Fall.

Wie Anne Höfer, Sprecherin des Polizeipräsidiums Oberfranken, auf Nachfrage bestätigt, kam es am Freitag und Samstag bereits zu mehreren Einsätzen, weil Wallenfelser sich von penetranten Medienvertretern bedrängt gefühlt und deshalb die Polizei eingeschaltet haben.

Das ist auch am Samstagmorgen zu merken. Durch den Ort fahren Autos mit Kennzeichen aus München, Köln und sämtlichen anderen großen Städten, Kleinbusse mit Filmteams sind auch zwei Tage nach dem grausigen Fund noch vor Ort. Zwei Journalistinnen fragen in der Bäckerei im Ort, was von dem Schock in der Stadt noch zu spüren ist, wollen Informationen über die Familie. Eine ältere Frau fangen sie an der Eingangstüre ab, wollen von ihr wissen, was sie über die vermeintliche Mutter der getöteten Babys weiß. Manche reden, unwissend, wem sie da welche Information geben, weil sich manche Medienvertreter gar nicht als solche zu erkennen geben.

Das Interesse der Medienvertreter ist so groß, dass sie sogar an Haustüren im Ort klingeln, durch die Fenster schauen, weiß Anne Höfer zu berichten. Und manche sind auch erfolgreich, ein Reporter der Bild-Zeitung ist beispielsweise an ein Bild der vermeintlichen Mutter der Babys gelangt.

Diesbezüglich appellierte Jens Korn bei allem Verständnis für die Medienvertreter - "sie machen ihre Arbeit" - am Sonntag in der Kirche an eben diese: "Es gab einige sehr unschöne Vorkommnisse. Bitte sagen Sie, dass Sie für die Medien arbeiten, und respektieren Sie, wenn jemand nichts sagen will."
Er wandte sich aber auch an die Wallenfelser Bürger, bei dem, was sie zu Medien sagen, doch zu bedenken, "dass es da noch Menschen gibt, die mit dem, was in die Welt gesetzt wird, leben müssen."
Und er bat die Journalisten, während des Gottesdienstes keine Foto- und Filmaufnahmen zu machen. Doch nicht alle hielten sich daran.


Kommentar von Corinna Igler

Unbestritten besteht an dem grausigen Fund von acht Babyleichen in Wallenfels ein großes Medieninteresse. Nachvollziehbar sogar. Immerhin ist es ein Thema, das interessiert und betroffen macht, worüber gesprochen wird, Unverständnis herrscht. Und was die Menschen bewegt, muss und darf auch die Medien bewegen, zwingt sie regelrecht zur Berichterstattung. Die Frage ist nur, wie sie das tun und mit welchen Methoden die Medienvertreter zu ihren Informationen gelangen. Dass man Journalist ist und für welches Medium man arbeitet, sollte man denjenigen, von denen man sich Informationen erwartet, nicht verschweigen. Das ist schon allein eine Frage des Anstandes. Durch Fensterscheiben zu schauen oder gar an Türen fremder Personen zu klingeln geht aber einfach zu weit. Mag das Interesse an einem Fall noch so groß sein, die Privatsphäre, insbesondere für an dem Fall völlig unbeteiligte Personen, sollte doch gewahrt bleiben. Und an eines sollte auch jeder Journalist denken: an die Angehörigen. Im Wallenfelser Fall sind das insbesondere die Kinder der Frau, die mittlerweile gestanden hat, mehrere Babys getötet zu haben. Bleibt nur zu hoffen, dass die Wallenfelser ihre Rollos bald wieder hochziehen können.


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