Kronach
Gespräch

Industrie als Rückgrat des Wohlstandes

Heribert Trunk und Hans Rebhan von der IHK Oberfranken in Bayreuth sprachen bei einem Besuch in der FT-Redaktion wichtige Themen für die Region an.
Artikel drucken Artikel einbetten
IHK-Präsident Heribert Trunk (links) und Vizepräsident Hans Rebhan besuchten die FT-Redaktion. Foto: Löffler
IHK-Präsident Heribert Trunk (links) und Vizepräsident Hans Rebhan besuchten die FT-Redaktion. Foto: Löffler
"Wir brauchen die Industrie. Sie ist das Rückgrat unseres Wohlstandes", sagte am Freitag der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Oberfranken Bayreuth, Heribert Trunk, bei einem gemeinsamen Besuch mit Vizepräsident Hans Rebhan in der FT-Redaktion.

Trotz der aktuellen Ereignisse bei Loewe verleiht Rebhan der heimischen Wirtschaft ein gutes Zeugnis: "Wir sind insgesamt breit, vielschichtig und allgemein besser aufgestellt", spricht er die Weiterentwicklung vieler Unternehmen an. Auch deshalb könne man solche Entwicklungen heute leichter auffangen als beispielsweise noch vor fünf oder zehn Jahren. "Unser Ziel muss es sein, uns diese Vielschichtigkeit zu erhalten und vielleicht sogar noch zu stärken, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Einen Beitrag dazu soll das kürzlich ins Leben gerufene Innovationszentrum Kronach leisten.
Es soll laut Rebhan durch Bildung und Ausbildung ein Mittel gegen den Wegzug jüngerer Menschen sein. Andererseits wolle man damit auch weitere Potenziale erschließen: "Wir müssen ältere Arbeitnehmer länger im Arbeitsprozess halten und die Reintegration von Frauen fördern", betonte Rebhan.

Diese Gedanken sind in ein dreistufiges Konzept gemündet, an dessen Spitze der Netzwerk- und Austauschgedanke der Unternehmen stehe. Der zweite Schritt sei ein Innovationscampus, aus dem heraus sich die Verantwortlichen nicht zuletzt auch neue Unternehmensgründungen in einem dritten Schritt erhoffen. Trunk lobte dieses Projekt, das nahezu ausschließlich von der Wirtschaft getragen und finanziert wird: "Das ist etwas Einzigartiges", betonte Trunk und sieht die IHK generell bei solchen Initiativen als Netzwerkknoten.

"Nadelöhr" Küps

Was den weiteren vierspurigen Ausbau der B 173 südlich von Kronach betrifft, freute sich Rebhan, dass das "Nadelöhr" Küps in den Bundesverkehrswegeplan ab 2015 aufgenommen wurde. "Jetzt müssen wir schauen, dass die Maßnahme in den vordringlichen Bedarf reinkommt. Dafür brauchen wir starke Unterstützung." In diesem Zusammenhang erklärte Trunk, dass es bei Projekten wichtig sei, mit einer Stimme zu sprechen. "Das gibt eine ganz andere Schwungkraft. Man kann uns dann auch in München nicht so leicht überhören."
Dass die Tunnellösung in Küps die einzig richtige Variante ist, steht für Rebhan außer Frage. Er verwies bei der Lerchenhoftrasse südlich von Johannisthal als Anbindung der B 303 an die B 173 auf den großen Eingriff in die Landwirtschaft hin. Bei einer anderen als der Tunnellösung wäre Ähnliches auch in Küps zu befürchten, so dass Rebhan in Betrachtung beider Maßnahmen von einem "brutalen Eingriff" sprach. "Das ist nicht zielführend."
Was den weiteren Ausbau der B 173 in Richtung Redwitz betrifft, zeigte sich Rebhan optimistisch, dass es zeitnah einen Durchbruch geben und der Baubeginn innerhalb der nächsten fünf Jahre erfolgen könnte. Angesprochen auf die Ortsumgehung Zeyern, die vom ortsansässigen Sportverein beklagt wird, geht Rebhan von einem Kommunikationsproblem aus: "Man kann nur hoffen, dass vor Ort ganz schnell die Hausaufgaben gemacht werden."

Ein Thema, das die heimische Industrie, allen voran die Glashütten im nördlichen Landkreis, ständig beschäftigt, sind die hohen Energiekosten. Rebhan kritisierte die Polemik in der Diskussion um die Befreiung von Betrieben von der Zahlung der EEG-Umlage. "Wir müssen zu einer Versachlichung des Themas beitragen. Für die Unternehmen ist es existenziell, eine sichere Energieversorgung zu haben, die zudem noch bezahlbar ist", betonte Rebhan. "Wer daran rüttelt, rüttelt am Industriestandort Oberfranken", sprang ihm Trunk verbal zur Seite. Die IHK habe den oberfränkischen Abgeordneten dargestellt, wie viele Arbeitnehmer von der energieintensiven Branche abhängig sind: 50 bis 60 Prozent. "Wenn man da nicht aufpasst, kann das extreme Auswirkungen haben", erklärte der IHK-Präsident.

In seinem Rückblick zeigte sich Trunk erfreut darüber, dass im vergangenen Jahr in Oberfranken 24 Prozent mehr Auszubildende verzeichnet werden konnten als noch 2005. Als eine "Bringerregion" bezeichnete er den Landkreis Kronach, der im gleichen Zeitraum gar 50,8 Prozent mehr Auszubildende verzeichnen konnte. "Das ist eine brutal positive Entwicklung und in erster Linie natürlich auf die örtliche Wirtschaft zurückzuführen. Wenn Fachkräfte knapper werden, muss man entsprechend investieren. Das hat man hier getan, und das finde ich beeindruckend", erklärte Trunk.

Verwandte Artikel

Kommentare (2)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren