Schmölz
Festival

In Schmölz regierte der Blues

Drei Tage lang stand der Küpser Ortsteil ganz im Zeichen der Musik. Die Bands waren top und die vielen Gäste erlebten ein gigantisches Wochenende.
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"The Mighty Relevators" aus Manchester eröffneten den Blues-Reigen. Foto: Heike Schülein
"The Mighty Relevators" aus Manchester eröffneten den Blues-Reigen. Foto: Heike Schülein
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Woher kommen solche Töne aus den Instrumenten? - Beim kleinen, aber feinen Blues-Festival - für viele Gäste das Musik-Ereignis im Landkreis schlechthin - meinte man bisweilen tatsächlich, die Musiker würden singen. Einzigartige und überraschende Musikerlebnisse schafften eine fantastische rhythmische Verbindung von Sprache und Musik - intensiv und gefühlvoll, von traurig bis fröhlich, außergewöhnlich, sondergleichen!

"100 Prozent Natural Blues" - Nichts anderes hatten die selbsternannten Schmölzer Blues-Jünger im Vorfeld der 22. Auflage des musikalischen Dauerbrenners versprochen - und gleich vornweg: Sie sollten recht behalten.
Erdiger Blues, authentische Klassiker, Gospels, Balladen, verschiedene Stilrichtungen - mal langsam-gefühlvoll, dann wieder fetzig und mit stampfendem Groove: Die angesichts der Programmzusammenstellung eh schon hohen Erwartungen der aus vielen Regionen in den kleinen Küpser Ortsteil strömenden Gäste wurden mehr als erfüllt. Fesselnde Bühnenpräsenz, ausdrucksstarke Stimmen und unglaubliche Töne, die es eben nur beim Blues gibt: Die charismatischen Bands von internationalen Status - jede mit einem unverwechselbaren, ganz eigenen Sound - boten eine große Stilbreite ab und ließen ihre Zuhörer in ein Gefühl innerer Zufriedenheit abtauchen. Da musste selbst der ruhigste Gast unwillkürlich mitwippen - Ein Stillstehen der Füße: es war schier unmöglich.


Keine Abnutzungserscheinungen

Viele Bluesanhänger genossen die unglaubliche Klangtiefe dann auch - den Musikern ganz nah - vor der Bühne tanzend, um nach jedem Stück in tosenden Applaus auszubrechen. Am Ende wollten sie die Bluesinterpreten gar nicht mehr gehen lassen. Mit großem Beifall und Standing Ovation "erbettelten" sie sich immer mehr Zugaben.
Keine Frage: Das, was bei der 22. Auflage der Schmölzer Blues tage geboten wurde, war taufrisch. Von "Abnutzerscheinungen" keine Spur. Es verwundert daher nicht, dass das kleine Blues-Festival für Musikliebhaber aus vielen Teilen Deutschlands längst weit mehr als ein "heißer Tipp" ist. "Ich bin ein Blueser" so dann auch die kurze und bündige Antwort von Gerald aus Nordthüringen, der sich heuer bereits im sechsten Jahr in Schmölz - natürlich an allen drei Tagen - die Ehre gab. Die Blues-Szene sei eine eingeschworene Gemeinschaft, bei der jeder jeden kenne. Mehrmals im Jahr komme man zu solchen Veranstaltungen wie eben die Schmölzer Blues-Tage zusammen. "Heute in Zeiten von facebook machen wir das natürlich schon vorher aus", schmunzelt er.

In den vergangenen sechs Jahren habe sich einiges verändert. "Früher saßen die Leute fast noch eher steif an den Tischen, jetzt wird getanzt", lacht er. Seiner Meinung nach könnte das Festival aber von den Einheimischen noch besser angenommen werden. Auch Claus aus Ludwigsstadt ist Stammgast. "Das ist meine Leidenschaft. Die Schmölzer Bluestage sind für mich eine der besten Veranstaltungen im ganzen Landkreis", sagt er. Er hatte einige Bekannte aus Thüringen dabei.


Auf Augenhöhe mit den Akteuren

Einzigartig ist auch die Atmosphäre in Schmölz. Im Live-Zelt mit dem Schloss als Hintergrundkulisse kommt man sich fast vor wie in einer Kneipe, oder gar in einem großen Wohnzimmer. Hier fühlt man sich wie zu Hause. Hier sind alle Generationen vertreten, hier ist man unter Freunden, sitzt eng beisammen und ist ganz auf Augenhöhe mit den Akteuren. Gemeinsam wird bis in die frühen Morgenstunden gelacht, gequatscht und getanzt - und natürlich vor allem die herrliche Musik genossen.

Opener am Freitag waren "The Mighty Relevators" aus Manchester. Die Bandmitglieder Rick Lucas, Mark Hopkins, Aaron Lloyd und Col Schofield hatten keinerlei Probleme, die Gäste auf Betriebstemperatur zu bringen. Der Funke flog sofort über und so blieb es auch im Anschluss bei Tim Mitchell. Der Amerikaner erlernte bereit im Alter von drei Jahren spielerisch die ersten Gitarrenakkorde, später kamen Keyboard, Bass und Schlagzeug hinzu. Zudem ist er ein brillanter Sänger, ein Alleskönner - ein Multitalent. Seine Band ist mit Michael Carey, Felix Dehmel und Spy Austin international besetzt.

Den samstäglichen Blues-Reigen eröffneten Karin Rudefelt & Dr. Blues aus Schweden mit innovativem Blues. Zum Quartett, das seit Beginn der Achtziger unterwegs ist, gehören Lennart Olofsson, Peter Borgström, Tobias Magnusson und natürlich die großartige Sängerin. Gemeinsam stehen sie für eine ganz neue Art Blues, lebendig und unkonventionell. Mit Nina Hill und Julian Vaughn aus Amerika featering by Marcos Coll Band präsentierte Schmölz zu vorgerückter Stunde eine außergewöhnliche Konstellation - ein Bluesfeuerwerk bester Güte.

Für alle, die vom einzigartigen Blues-Feeling nicht genug bekommen konnten - und das waren einen ganze Menge, gab es am Sonntag den "bluesikalischen" Frühshoppen mit der "Guten Morgen-Bluesband" Dobré Ráno Blues Band aus Prag. Zum Ausklang des wohl längsten Bluesfrühschoppen spielte "Schau Pau Acoustic Blues".
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