Neufang
Diskussion

In Neufang wird dem Nationalpark die rote Karte gezeigt

Der Protest gegen den möglichen Nationalpark Frankenwald formiert sich: Mehr als 700 Interessierte kamen zu einer Podiumsdiskussion nach Neufang.
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Mehr als 700 Menschen sind zur Podiumsdiskussion in den Feststoudl Neufang bei Steinwiesen gekommen, alle zeigten den Nationalpark-Plänen die rote Karte. Foto: Sonny Adam
Mehr als 700 Menschen sind zur Podiumsdiskussion in den Feststoudl Neufang bei Steinwiesen gekommen, alle zeigten den Nationalpark-Plänen die rote Karte. Foto: Sonny Adam
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Im Frankenwald werden die Stimmen lauter, die sich gegen einen möglichen Nationalpark wehren. Vor einer Woche wurde der Verein "Unser Frankenwald" von Kritikern des Projekts gegründet. Der Heinersreuther CSU-Landtagsabgeordnete Ludwig Freiherr von Lerchenfeld übernahm den Vorsitz. Inzwischen hat der Verein schon fast 500 Mitglieder. "Ich habe so etwas noch nie erlebt. Aber es geht um unseren Frankenwald. Er soll so bleiben wie er ist - auch wenn er sich natürlich weiterentwickeln soll", sagte Lerchenfeld.

Am Montagabend kamen nun mehr als 700 Menschen in den Neufanger Feststoudl, um bei einer Podiumsdiskussion mit Experten live dabei zu sein. Viele trugen grüne T-Shirts mit der Aufschrift "Nationalpark Frankenwald - nein, danke". Rund um Steinwiesen sind Protestschilder aufgestellt. Teilweise gehen die Gegner mit dem CSU-Landtagsabgeordneten Jürgen Baumgärtner, Initiator der Nationalpark-Diskussion, hart ins Gericht; "Baumgärtner verkauft unseren Frankenwald" prangt als Aufschrift auf Silageballen.


Falsche Vorstellung vom Frankenwald

Der Protest gegen die Nationalparkpläne solle auch beim "Tag der Franken" in Kitzingen gezeigt werden, forderte BBV-Kreisobmann Erwin Schwarz. "Ministerpräsident Seehofer hat gedacht, dass das Waldgebiet nicht bewohnt ist", meinte er. Das Problem an einem Nationalpark Frankenwald wäre, dass die Fläche aus viel zu vielen Teilflächen bestünde, stellten die Kritiker fest. Der Frankenwald werde von Straßen und Siedlungsgebieten durchschnitten. "Wir wollen den Frankenwald positiv und ganzheitlich weiterentwickeln", forderte von Lerchenfeld.

Bei der Podiumsdiskussion in Neufang mit neun fachkundigen Referenten sprach sich niemand für einen Nationalpark aus. Sogar der Vorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz, Norbert Schäfer, erteilte der Idee eine klare Absage. "Ein Nationalpark hätte negative Auswirkungen auf den Schwarzstorch-Bestand. Aber wir brauchen im Frankenwald den Schwarzstorch gar nicht als Kronzeugen, die Grundvoraussetzungen für einen Nationalpark stimmen nicht", so Schäfer. Als einziger auf dem Podium konnte er sich generell mit der Ausweisung von Nationalparks anfreunden. Solche Gebiete, in denen Ruhezonen geschaffen würden, dienten der Forschung und förderten die Artenvielfalt. Doch der Frankenwald sei der falsche Ort dafür.


Naturverträgliches Vorgehen

Der Sprecher des Clusters Forst und Holz, Hubert Röder, beleuchtete in einem Fachvortrag die Nationalparkpläne. Sein Fazit: Nicht aus ökologischen und schon gar nicht aus ökonomischen Gründen könne ein Nationalpark befürwortet werden. Im Gegenteil: Schon jetzt werde eine naturverträgliche Waldbewirtschaftung praktiziert und weiter ausgebaut. In den Gebieten der Bayerischen Staatsforsten beträgt der Totholzanteil seiner Aussage nach 35 Kubikmeter pro Hektar, in anderen Wäldern liegt der Anteil bei 23 Kubikmetern pro Hektar. Außerdem würde ein Nationalpark bewirken, dass die Holzwirtschaft Rohstoffe importieren müsste, meinte Röder. Und die Umweltstandards andernorts seien wesentlich schlechter.

Röder gab zu bedenken, dass der Nationalpark elf Prozent der gesamten Waldfläche in den Landkreisen Kulmbach, Kronach und Hof ausmachen würde. Fast 5000 Arbeitsplätze wären betroffen. Und diese Arbeitskraft sei auch nicht mit der Schaffung einer Nationalparkverwaltung zu kompensieren. Röder forderte stattdessen, Holz als Baustoff zu fördern.

Bei der Podiumsdiskussion beleuchteten Sägewerksbesitzer Reinhard Müller-Gei, der Wallenfelser Bürgermeister Jens Korn, private Waldbesitzer und Vertreter der Bayerischen Staatsforsten, Forstunternehmer und Vertreter der verarbeitenden Industrie die Nationalparkpläne. Auch Oskar Ebert, Nationalparkgegner aus dem Steigerwald, ist nach Neufang gekommen, um seine Vorbehalte gegenüber den Nationalparkplänen darzulegen. Am Ende zeigten alle, die in den Feststoudl gekommen waren, den Nationalparkplänen die Rote Karte.


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