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Kronach
Wassermangel

In Kronach ist es viel zu trocken

Das Wort Dürre mag noch übertrieben sein. Aber die anhaltende Regenflaute wird für Landwirte zunehmend ernst. Was für die "Normalbevölkerung" Schwimmbadwetter ist, bedroht die Existenz der Bauern.
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Bis jetzt haben sich die Erdbeeren auf Bayers Feld ordentlich entwickelt. Aber Regen wird dringend benötigt.  Foto: Hendrik Steffens
Bis jetzt haben sich die Erdbeeren auf Bayers Feld ordentlich entwickelt. Aber Regen wird dringend benötigt. Foto: Hendrik Steffens
Trockener Humor, passend zum Wetter: Auf Dauer müsse er dann wohl Kakteen anbauen, sagt Hermann Bayer. Im Landkreis hat es seit Wochen kaum geregnet. Die Lage der Wasserversorgung seiner Feldfrüchte beschreibt der Direktvermarkter von Erdbeeren, Himbeeren als ernst. "Noch halten sich die Schäden in Grenzen. Aber die Ernte liegt auf Messers Schneide."

Wenn es länger nicht regnet, zapft Bayer Flüsse an, um den Bedarf seiner Erdbeeren zu decken. Aber die Kronach und die Haßlach sind auf Tiefstand. Bei dem aktuellen Pegel darf kaum noch etwas zur Bewässerung entnommen werden. "Wir sind dringend auf Regen angewiesen."

Trend der Trockenheit?

Wenn Bayer sein Gefühl nicht trügt, wird es jährlich trockener im Kreis Kronach. Flüsse abzuschöpfen, deren Pegel stetig sinkt, könne auf Dauer keine Lösung sein - und Wasser fassweise zu kaufen unbezahlbar. Er spielt mit dem Gedanken, stillgelegte Brunnen von Kommunen zu erwerben.

Der Kreisobmann der Kronacher Landwirte, Erwin Schwarz, teilt Bayers Gefühl, dass es trockner wird. Die Hälfte der Niederschlagsmenge eines normalen Halbjahres, schätzt Schwarz, kam in 2015 bislang runter. Im Winter habe das begonnen und sich im Frühjahr bis jetzt fortgesetzt. Wenigstens sind für das Wochenende Schauer angekündigt. "Aber das wird wahrscheinlich nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein."

Schwarz erklärt, wie sich der Mangel bei Getreide auswirkt: Wenn einer Pflanze das Wasser fehlt, reagiert sie mit dünneren Beständen. Sie besteht aus einem Samenkorn und mehreren Nebentrieben. Im Falle von Stress - wegen fehlenden Wassers - verzichtet die Pflanze auf den schwächsten Trieb, um als Ganzes überleben zu können. "So kommt es, dass die Bestände dünner wachsen und der Ertrag geringer sein wird."

Noch gehe es den meisten Pflanzen gesundheitlich gut. Wenige Feldpflanzen sind verendet, wenn auch viele eher mager wachsen. Kritischer beurteilt Schwarz aber die Lage im Wald. Wenn man mit offenen Augen spazieren gehe, sehe man, dass viele Nadelbäume ihre Nadeln verlieren - was auf Stress und Unterversorgung hindeutet. Die Fichte etwa, die im nördlichen Landkreis verbreitet ist, braucht wegen ihrer kurzen Wurzeln viel Wasser im flachen Boden. Weil das fehlt, schwinden die Abwehrkräfte, so dass der Baum sich nicht mehr gegen Schädlinge wie Borkenkäfer schützen kann. Letzterer kann Bäume regelrecht verbluten lassen. "Trockenheit auf dem Feld ist ein Problem für ein Jahr. Aber wenn die Bäume sterben, sind sie auf lange Zeit weg." Schwarz glaubt, dass der Bestand im Frankenwald auf lange Sicht weg vom Nadel- hin zum Laubholz entwickelt werden sollte. Hin zu Bäumen mit tiefen Wurzeln.

Was tun im Getreidefeld?

Wenn die Trockenheit anhalte, müsste die Folge wasserschonende Bewirtschaftung sein, meint der Obmann. Eine Umstellung auf mehr Wintergetreide hält Schwarz für sinnvoll. Winterweizen zum Beispiel hat seinen größten Wasserbedarf bereits gedeckt, wenn mit nahendem Sommer die Trockenperioden kommen.

Noch ist aber Sommergerste nach Schwarz' Einschätzung die verbreitete Getreideart im nördlichen Landkreis. Und die habe - wie auch der Hafer - mit der Trockenheit zu kämpfen. Der als genügsam geltende Mais habe einen Wachstumsrückstand von acht bis zehn Tagen im Vergleich zu einem normalen Jahr. Schwarzmalen will er nicht und noch keine Prognosen treffen. Viel hänge von der Niederschlagsentwicklung ab. "Fakt ist - im Moment fehlt das Wasser immens."

Bis zu 70 Prozent weniger Regen

Die Einschätzungen der beiden Landwirte, dass es jährlich trockner wird, bestätigt der Deutsche Wetterdienst (DWD). Im Bereich Kronach hat die Niederschlagsdichte im Mai 2015 gegenüber einem 30-Jahres-Wert, gemessen 1961 bis 1990, um etwa 70 Prozent abgenommen. Einsehbar ist das im virtuellen Klima-Atlas des Dienstes unter www.dwd.de. Thomas Deutschländer, Leiter des Bereichs Klimaanalyse des DWD bestätigte, was die Karte für Kronach zeigt: "Der Mai war erheblich zu trocken."

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