Effelter
Neubau

In Effelter hält moderne Technik Einzug im Stall

In Effelter hat die Landwirtsfamilie Appel einen Laufstall mit Melkroboter und Biogasanlage gebaut. Die inFranken.de-Redaktion durfte sich vor Ort ein Bild von den Vorteilen der Technik für die Bauern und das Vieh machen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Marcus Appel präsentierte den neu gebauten Stall. Foto: Marco Meißner
Marcus Appel präsentierte den neu gebauten Stall. Foto: Marco Meißner
+22 Bilder
Eine braun gefleckte Kuh läuft behäbig in den Melkstand. Ein Arm aus Metall fährt eine elektronische Einheit vor ihr Euter. Das technische Gerät wandert unter dem Tier zentimeterweise vor und zurück. Wie eine Registrierkasse mit ihrem roten Laser die Codes der Waren einliest, sucht die Technik im Kuhstall mit den Lichtstrahlen die perfekte Position. Nach einigen Sekunden ist sie gefunden, und die Melkeinheit saugt sich an. Die Kuh lässt die Prozedur in aller Seelenruhe über sich ergehen und schmatzt genüsslich ihre "Leckerlis".

Was nach einer entspannten Situation für das Tier klingt, hat auch das Leben der Familie Appel positiv verändert. Seit Dezember stehen ihre Milchkühe im neuen Stall, in dem ein Roboter das Melken übernimmt. "Unseren alten Anbindestall hatten wir im Jahr 1979 gebaut", erinnert sich Landwirt Marcus Appel, der unsere Redaktion zum Ortstermin eingeladen hatte. Als Einkommensgrundlage für zwei Familien (seine und seine Eltern) sei der alte Stall nicht mehr ausreichend gewesen.


Investition in die Zukunft
"Er war technisch veraltet", fügt der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), Erwin Schwarz, hinzu. Der Laufstall mit Melkroboter weise hingegen in die Zukunft. Auch in die Arbeit des Bauern ziehe der Computer immer mehr ein. Und so sehr Außenstehende nostalgisch auf das Melken per Hand blicken, trauert Appel diesem Teil seiner Tätigkeit nicht sonderlich nach. "Es gibt keine Melkzeiten mehr, sondern Stallzeiten", sagt er. Dabei sei beispielsweise die Tierbeobachtung sehr wichtig. "Die körperliche Belastung ist weniger geworden. Und der Landwirt ist flexibler."

Mit einem Schmunzeln ergänzt Schwarz, dass sogar die Kühe von der Technik profitierten, denn ein Melkroboter sei in manchen Situationen geduldiger als ein Mensch. Selbst Marcus Appels Vater Ewald meint: "Es ist ein schönes Gefühl: Du kommst zum Stall, und die Maschine läuft. Es ist weniger Stress."



Dennoch wollte der Schritt zum automatisierten Stall mit Biogasanlage gut überlegt sein. Von rund 2,5 Millionen Euro Investitionskosten - ohne die Maschinen - spricht Marcus Appel. Niedrige Zinsen und die Förderung hätten den Ausschlag gegeben, das Projekt zu realisieren. 2013 habe man sich zu diesem Schritt entschieden. Dass es neben dem Stall auch eine Biogasanlage geben werde, habe nie zur Diskussion gestanden. Stellvertretender BBV-Kreisobmann Klaus Siegelin lobt gerade deshalb die Weitsicht der Appels: "Ihr habt Euer Hauptstandbein nicht für das zweite, das Biogas, vernachlässigt." Er kenne andere Fälle, in denen die zweite Einkommensquelle in den Fokus gerückt worden sei, die Landwirte damit aber gescheitert seien.

Schwarz betont, dass die Bauern bei solchen großen Baumaßnahmen, die der Zukunft der Region dienten, ihr Licht oft unter den Scheffel stellten. In der Industrie würden derartige Investitionen gefeiert.


Kapazität noch nicht ausgereizt
Ein Melkroboter schafft etwa 65 Kühe. Mit ihren derzeit 79 Milchkühen und zwei Robotern haben die Appels die Kapazität also noch nicht ausgereizt. Weitere Tiere sollen folgen. "Wenn es für die ganze Familie reichen soll, braucht man etwa 80 Kühe mit Nachzucht", erklärt Landwirtschaftsoberrat Klaus Schiffer-Weigand, dass sich eine Stallbaumaßnahme auch erst in einer solchen Dimension rechne. Bei Zuchtsauen geht er im Vergleich von mindestens 300 Tieren aus, bei Mastsauen von 1500 Plätzen. Marcus Appel pflichtet ihm bei und geht sogar noch einen Schritt weiter: "Unter 100 Kühen ist ein Neubau laut Bank heute nicht mehr darstellbar."

Dass gerade solche Projekte für die Region wichtig seien, unterstreicht Schwarz. "Jeder neue Stall, der gebaut wird, dient dem Erhalt unserer Kulturlandschaft." Wo keine Rinderherden mehr zu finden seien, da verbusche das Gelände, erklärt er mit einem Wink in Richtung Kronacher Kreuzberg. Wenn dann noch die Technik auf Höhe der Zeit sei, sei das nur gut. "Der Stall mit Melkroboter ist moderner - und warum sollen sich Landwirte dem Modernen verweigern?!", fragt er.
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren