Ludwigsstadt
Danke-Abend

"Ich bin stolz auf das, was ihr leistet"

Im Ludwigsstadter Café Esprit fand ein Abend für die ehrenamtlichen Helfer in der Neubürgerarbeit statt. Auch Bürgermeister Timo Ehrhardt war voll des Lobes.
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Karina Rau, Christina Brandl und Hedwig Jaros wurden mit dem Ehrenamtsnachweis ausgezeichnet. Hier von links Christina Brandl, Hedwig Jaros, Flüchtlingsbeauftragte Karin Weber, Migrations- und Flüchtlingsberater Elmar Jonas, Pfarrer Albrecht Bischoff mit Willy Brandl, Karina Rau sowie Bürgermeister Ehrhardt  Foto: Heike Schülein
Karina Rau, Christina Brandl und Hedwig Jaros wurden mit dem Ehrenamtsnachweis ausgezeichnet. Hier von links Christina Brandl, Hedwig Jaros, Flüchtlingsbeauftragte Karin Weber, Migrations- und Flüchtlingsberater Elmar Jonas, Pfarrer Albrecht Bischoff mit Willy Brandl, Karina Rau sowie Bürgermeister Ehrhardt Foto: Heike Schülein
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"Wenn ich an Ludwigsstadt denke, bin ich begeistert", zeigte sich Elmar Jonas vom Fachdienst für Migration und Integration des Diakonischen Werks Kronach sehr dankbar angesichts der hier beispielhaft gelebten Willkommenskultur. Für die vielen Ehrenamtlichen der Neubürgerhilfe initiierte die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Ludwigsstadt eine kleine Dankeschön-Feier im Café Esprit, dessen Tische von den diesjährigen Konfirmanden stimmungsvoll gedeckt und geschmückt worden waren.
Zugleich stellte die Zusammenkunft auch den Abschluss des ehramtlichen Sprachkurs-Projektes dar, das in den Räumen des Gemeindezentrums seit September 2015 jeden Dienstag- und Donnerstagvormittag erfolgt war. Nun wird hier ein hauptamtlicher Sprachkurs abgehalten, der von der VHS Kronach durchgeführt und von der Agentur für Arbeit finanziert wird.

In herzlichen Worten dankte stellvertretender Dekan Albrecht Bischoff dem "Triumvirat" des Sprachkurses - sprich den drei Frauen, die den Kurs geleitet hatten, für ihr großartiges Engagement: Karina Rau aus Lauenhain sowie Christina Brandl und Hedwig Jaros aus Neukenroth, die zweimal wöchentlich die nicht unerhebliche Wegstrecke auf sich genommen hätten. Der bis 17. Dezember angedachte Kurs war aufgrund des folgenden hauptamtlichen Sprachkurses vorzeitig beendet worden. "15 Flüchtlinge werden dabei nun bis Ostern jeden Vormittag - von Montag bis Freitag - vier Stunden Deutschunterricht erhalten", informierte Bischoff. Sicher zeigte er sich, dass in den vergangenen Wochen - über den Sprachunterricht hinaus - die Beziehungen untereinander gewachsen seien. Dies bestätigten auch die drei Leiterinnen, denen der Kurs viel Freude bereite und ihnen persönlich sehr viel gegeben habe. Karina Rau und Christina Brandl werden ihre Arbeit im neuen hauptamtlichen Kurs fortführen; Hedwig Jaros wird sich weiter ehrenamtlich einbringen.
Seit Frühjahr läuft der "Café-Treff International" in Zusammenarbeit mit der Stadt Ludwigsstadt und der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde. Alle zwei Wochen treffen sich im Café Esprit im Gemeindezen trum St. Michael Einheimische und Flüchtlinge, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Die Aktion wurde von Karin Weber - mittlerweile Flüchtlingsbeauftragte der Stadt Ludwigsstadt - ins Leben gerufen. "Für eine Willkommenskultur dürfen wir nicht darauf warten, bis uns jemand seine Hilfe anbietet, sondern wir müssen die Menschen konkret ansprechen", appellierte Bischoff. Und eine solche Hilfe habe man in vielfältigster Form erfahren. Viele dieser Ehrenamtlichen konnte man zu der kleinen Feierstunde begrüßen; sie alle bringen sich - ihren Fähigkeiten und Neigungen entsprechend - in vielerlei Bereichen ein. Sie wurden von Karin Weber einzeln vorgestellt. Ihr Einsatz könne nicht hoch genug gewürdigt werden. Ein Riesendankeschön gehöre insbesondere Peter Kratkai, der bereits unzählige Möbel für die Flüchtlinge zusammengebaut und aufgestellt habe.
"Ich bin stolz auf das, was ihr leistet. Als Stadt kann einem nichts Besseres passieren, als Leute wie euch zu finden, die sich so kümmern", würdigte sie Ludwigsstadts Bürgermeister Timo Ehrhardt (SPD). Viele Ehrenamtliche sorgten dafür, dass sich die Flüchtlinge in Ludwigsstadt wohlfühlten. Ihre geleistete Arbeit werde von der Bevölkerung in ihrer Intensivität sicherlich nicht so wahrgenommen. Die Ausrichtung des Café-Treffs sei mit viel Arbeit verbunden, erfolge jedoch in einem festen, überschaubaren Rahmen. Dies gelte jedoch nicht für andere Hilfsangebote wie Unterstützung bei Behördengängen, Begleitung zu Ärzten oder Fahrdienste. "Die Leute leisten sehr viel", lobte er. Die Zukunft könne niemand voraussehen. Es sei erschreckend, dass es die Weltgemeinschaft der Staaten nicht schaffe, den Entwicklungen entgegenzutreten. 50 bis 60 Neuankömmlinge könne man in Ludwigsstadt sicherlich über das Ehrenamt begleiten. Man dürfe aber das Ehrenamt nicht überfordern. Zugleich müsse man auch weiterhin Sorge tragen für andere bedürftige Menschen.
Das zunächst wichtigste Element, um Barrieren zu überwinden, sei die Sprache und später die Arbeit. "Integration kann gelingen, wenn die Mensch ihr tägliches Einkommen selbst erwirtschaften können", zeigte er sich sicher. Das Interesse der Arbeitgeber sei vorhanden. Dankbar zeigte er sich gegenüber Karin Weber sowie dem stellvertretenden Dekan. Dass die Kirchengemeinde und auch der "Chef" dabei seien, sei nicht selbstverständlich.
Dem schloss sich Jonas an. Der Café-Treff sei der einzige im Landkreis, der in dieser Form funktioniere. Es sei aber kein Selbstläufer, sondern mit viel Arbeit verbunden. Trotz der neuen Sprachkurse werde man weiterhin die Ehrenamtlichen brauchen, zumal nicht alle Flüchtlinge ihn besuchen dürften. "Wir haben in Ludwigsstadt eine tolle Mannschaft", meinte er dankbar. Dieser legte er ans Herz, sich selbst nicht zu überfordern. Erfreulicherweise gebe es im Landkreis mehrere Hundert solcher Ehrenamtlicher. Sie seien der "Schatz des Landkreises". Allein der Steuerkreis Asyl verfüge über 200 E-Mail-Adressen. Die tatsächliche Anzahl der Helfer sei aber viel höher. Um in Ludwigsstadt präsent zu sein, werde Jonas hier in Zukunft einmal pro Woche im Rathaus eine Sprechstunde für Flüchtlinge abhalten. Auch sein Team werde personell verstärkt. Laut Bischoff funktioniere die Integration am besten, wenn die Flüchtlinge dezentral untergebracht seien, in Wohnungen als Familien zusammenlebten und sie von Paten begleitet würden. Die Feier klang mit einem reichhaltigen Essen aus, das von syrischen Familien in zwei Tagen liebevoll zubereitet worden war.
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