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Ludwigsstadt
Verkehr

Hungriges Wild streift umher: Polizei rät Autofahrern im Frankenwald zur Vorsicht

Aufgrund der steigenden Temperaturen sind Rehe und Wildschwein wieder mehr in den Fluren Frankens unterwegs.
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Kein Einzelfall: Häufig kommt es auf den Straßen zu gefährlichen Unfällen mit Wild. Symbolfoto: Archiv
Kein Einzelfall: Häufig kommt es auf den Straßen zu gefährlichen Unfällen mit Wild. Symbolfoto: Archiv
Wochenlang hatte die strenge Winterkälte Franken im Griff. Doch jetzt steigt das Thermometer und damit auch das Risiko von Wildunfällen, warnen Experten. Grund: Ist es zu frostig, dann bleiben Rehe und Wildschweine still in ihren Revieren. "Wenn es schneit gibt es weniger Wildunfälle", stellt Albert Büttner von der Polizeiinspektion Ludwigsstadt fest. Denn bei höheren Temperaturen ziehen die Tiere mehr umher - auf der Suche nach Nahrung.

Generell nahm die Anzahl der Unfälle mit Wild in den vergangenen Jahren stark zu. Laut Polizei Oberfranken gab es im Jahr 2015 eine Steigerung um 24,52 Prozent. Während sich im Jahr 2014 oberfrankenweit noch 5550 Wildunfälle ereigneten, stieg deren Anzahl im Jahr 2015 auf 6911 Verkehrsunfälle an.

Dabei sei zwar kein Mensch ums Leben gekommen, aber dennoch hätten 65 Personen Verletzungen erlitten, heißt es in der Verkehrstatistik der Polizei.

Allein in Unterfranken bei Bad Brückenau kam es während des letzten Januarwochenendes zu insgesamt acht Wildunfällen mit mehreren Tausend Euro Sachschaden an den beteiligten Fahrzeugen. Ähnliches gilt für Teile Ober- und Mittelfrankens.

Im Zuständigkeitsbereich der Inspektion Ludwigsstadt seien die Unfallzahlen fast gleich geblieben. Bis jetzt hat man dort drei Wildunfälle mehr als letztes Jahr registriert. "Die größte Gefahr für Wildunfälle ist dort, wo Wald und Wiesen sind. Und der Frankenwald ist sehr wald- und wiesenreich", sagt Büttner und rät, auf solchen Straßen sollten die Autofahrer besonders aufpassen und mit angepasster Geschwindigkeit fahren. Erhöhte Vorsicht ist zudem auf neuen Straßen durch den Wald geboten, denn das Wild verändert seine vertrauten Wege kaum.
Wenn eine Kollision unvermeidbar ist, gilt: Lenkrad im Ernstfall festhalten, geradeaus fahren und dabei bremsen. Laut Polizei sei ein kontrollierter Aufprall besser als ein unkontrolliertes Ausweichen. "Nach einem Wildunfall sollte man kontrolliert anhalten, die Unfallstelle sichern und wenn nötig Hilfsmaßnahmen für verletzte Personen einleiten sowie Polizei oder Jäger benachrichtigen", rät Alexandra Oberhuber vom Polizeipräsidium Mittelfranken.


Alle zwei Minuten ein Wildunfall

Etwa alle zwei Minuten kommt es in Deutschland rein rechnerisch zu einem Unfall mit einem Wildtier. Das geht aus der aktuellen Statistik des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft hervor. Danach gab es 2015 rund 263 000 Kollisionen mit Rehen, Wildschweinen oder anderen Wildtieren. Das war eine Zunahme von rund zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Schnitt zahlten die Versicherer pro Wildunfall 2485 Euro. Insgesamt stieg der Schaden im Vergleich zu 2014 um fast 15 Prozent auf 653 Millionen Euro an.

Mehr als zwei Drittel der Wildunfälle im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Ludwigsstadt werden von Reh-, Rot- und Damwild verursacht. Danach folgen Unfälle mit Wildschweinen und dann Hasen, Vögel und andere Tiere. Statistisch steigen die Unfallzahlen während der Dämmerung, dann nochmal ab circa 23 Uhr und wieder zwischen 5 und 7 Uhr am Morgen, sagt Büttner.

Vorsicht bei Wildwechsel ist übrigens das ganze Jahr geboten, nicht nur im Frühling und Herbst. Beim Vergleich der Zahlen ergab sich kein signifikanter Unterschied zwischen den Jahreszeiten. Polizeisprecherin Oberhuber dazu: "Bei näherer Betrachtung der polizeilich bekannt gewordenen Wildunfälle, am Beispiel der Monate Juni und Dezember der Jahre 2015 und 2016, wird dies deutlich. Wir registrierten 2015 in der Zeit vom 1. bis 30. Juni insgesamt 655 Wildunfälle und zwischen 1. und 31. Dezember einen Anstieg auf 731. Im darauf folgenden Jahr war es dann genau umgekehrt. So kam es im Juni zu 664 Wildunfällen, während im Dezember des gleichen Jahres nur 526 gemeldet wurden."


Wild leckt Salz von Straßen

Der Winterdienst mit Salzstreuen sorgt übrigens für ein ganz besonderes Phänomen: Rehe etwa suchen oft Straßen auf, um dort das Salz von der Fahrbahn zu lecken. Bei Wildunfällen sollte man sich übrigens von verletzten Tieren fernhalten. Blut- und Haarspuren am Fahrzeug dürfen nicht beseitigt werden, bevor die Versicherung den Schaden begutachtet hat.

Albert Büttner hat noch einen Tipp für alle Autofahrer im Frankenwald: Er empfiehlt die Handy-App "Wuidi", die Warnhinweise bei Wildwechsel-Gefahr verschickt. Die App, die man online unter www.wuidi.de herunterladen kann, hilft außerdem bei der Abwicklung von Wildunfällen.

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