Friesen
100. Geburtstag

Hundertjährige aus Friesen spricht mehrere Sprachen

Anna Fößel feierte ihren Ehrentag am Montag in Friesen mit zahlreichen Verwandten. Die rüstige Jubilarin spricht mehrere Sprachen und hat sich ihr Leben lang für ihren Heimatort engagiert. Dafür wurde ihr nun herzlich gedankt. In einer Bilderstrecke zeigen wir, wie hoch es im Hause Fößel herging.
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Auch an ihrem 100. Geburtstag fischt sich Anna Fößel ein knuspriges Gebäckstück vom Kuchenteller und beißt herzhaft ab. Mit auf dem Bild ihre beiden Kinder, Sohn Gerfried und Tochter Hildegund. Foto: Friedwald Schedel
Auch an ihrem 100. Geburtstag fischt sich Anna Fößel ein knuspriges Gebäckstück vom Kuchenteller und beißt herzhaft ab. Mit auf dem Bild ihre beiden Kinder, Sohn Gerfried und Tochter Hildegund. Foto: Friedwald Schedel
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Ihren Vater hat Anna Fößel leider nicht mehr kennen gelernt. Der starb wenige Monate nach ihrer Geburt an einer Kriegsverletzung. Dieser herbe Schicksalsschlag war für sie, ihre Mutter und ihre drei Geschwister schwer zu verkraften.

Der frühe Tod des Vaters und dessen Anerkennung als Gefallener führten jedoch dazu, dass Anna Fößel die Kronacher Oberrealschule besuchen durfte. Und die hochintelligente junge Frau hatte hervorragende Noten. Sie dürfte die älteste noch lebende Absolventin der Oberrealschule, jetzt Kaspar-Zeuß-Gymnasium, sein. Sie sprach Englisch und Französisch fließend, agierte nach dem Zweiten Weltkrieg als Dolmetscherin für die US-Armee und überprüfte auch noch im hohen Alter die Französisch-Kenntnisse ihrer beiden Enkel.


Mit 90 noch auf dem Fahrrad

Ihr ganzes Leben stand im Dienst der Nächstenliebe. Sie engagierte sich in ihrem Heimatort Friesen, wo sie nur konnte, unterstützte Bedürftige, pflegte Kranke. Nun wird sie von ihrer Tochter Hildegund gepflegt. Das war vor wenigen Jahren noch anderes. Im Alter von 90 Jahren führte die "Maia-Tour" von Anna Fößel mit dem Fahrrad von Friesen nach Fröschbrunn. Als sie ihre Schwiegertochter Barbara mit dem Auto zurückbringen wollte, wehrte die damals 90-Jährige energisch ab: "Bin iech runte kumma, kumm iech aa haam!"

Zur Welt kam Anna Fößel in ihrem Elternhaus im Flößerweg in Friesen. Das wurde im Lauf der Jahrzehnte an- und ausgebaut, immer mit der tatkräftigen Unterstützung der Jubilarin. Dabei hatte es die Familie nicht leicht, musste sich viele Jahre lang hauptsächlich von Kartoffeln, die hinter dem Haus auf einem Acker angebaut wurden, ernähren.


Ehemann starb schon 1963

Eigentlich sollte die für die damalige Zeit hoch gebildete Jubilarin Handarbeitslehrerin werden, doch dann kam der Zweite Weltkrieg. Sie wurde Haushälterin und ihre Kochkünste weit und breit geschätzt. Dann half sie in der Wirtschaft ihrer Schwester in Kronach aus und war bei den Amerikanern nicht nur wegen des Essens beliebt, sondern weil sie bei ihr auch auf Englisch bestellen konnten.

Anna Fößel heiratete ihren Mann Alfons, der aus Rennesberg stammte, im Jahr 1940. Leider verstarb ihr Mann bereits 1963. Wieder musste sie sich mit ihrer Familie durchkämpfen. Dabei vergaß sie auch die vielen Bedürftigen nicht, nahm Flüchtlinge in ihr Haus auf, pflegte ihren kriegsversehrten Bruder, kümmerte sich um die Mutter. Sie war im Frauenkreis aktiv, schmückte mit den "Weinbergschnecken" die gleichnamige Kapelle bei Friesen. Überhaupt war die fleißige Kirchgängerin im kirchlichen Bereich sehr aktiv. Die Liste ließe sich noch weiter fortsetzen.

Dieses großartige Engagement für die Allgemeinheit würdigten am Montag auch Landrat Oswald Marr (SPD), Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW) und Pfarrer Michael Dotzauer.
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