Kronach
Interview

Rosenberg-Festspiele Kronach: Heidemarie Wellmann hört auf

Trotz äußerst positiver Resonanz auf ihre Inszenierungen wirft die künstlerische Leiterin der Festspiele in Kronach das Handtuch.
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Nach Daniel Leistner (links), dessen Vertrag vor gut einem Jahr nicht mehr verlängert wurde, verlässt nun auch Heidemarie Wellmann (vorne) die Kronacher Festspiel-Bühne. Foto: Harald Lappe
Nach Daniel Leistner (links), dessen Vertrag vor gut einem Jahr nicht mehr verlängert wurde, verlässt nun auch Heidemarie Wellmann (vorne) die Kronacher Festspiel-Bühne. Foto: Harald Lappe
Die Nachricht kommt für viele sicher überraschend. Nachdem vor einem Jahr Daniel Leistners Vertrag nicht mehr verlängert wurde und Heidemarie Wellmann die künstlerische Leitung der Festspiele in Kronach übernahm, geht nun auch sie, wie sie im Gespräch verrät. Und das trotz positiver Resonanz auf ihre Inszenierungen.

Frau Wellmann, gute Kritiken in den Medien, positive Resonanz von sämtlichen Seiten - ihr erstes Jahr als künstlerische Leiterin der Rosenberg-Festspiele ließ sich ganz gut an, oder?
Ja, ich freue mich auch, dass die Stücke so super angekommen sind. Ich werde auch immer noch angesprochen, wenn ich durch die Stadt laufe, dass die Zuschauer ganz begeistert gewesen seien. Und was mich an den Rückmeldungen besonders freut, ist, dass vor allem die Dinge, an denen mir so viel lag, wie die jeweiligen Schlussmonologe, so gut angekommen sind.

Von der Stadt gab es bereits im August, nach Ende der Spielzeit, eine erste Bilanz zu der ersten Saison der Rosenberg-Festspiele, eine Stadtratssitzung dazu steht noch an. Sie haben sich bisher eher zurückgehalten. Wie geht es den nun für Sie weiter bei den Festspielen?
Ich stehe als künstlerische Leitung der Rosenberg-Festspiele nicht länger zur Verfügung. Das ist meine ganz persönliche Entscheidung, die ich unabhängig von der anstehenden Entscheidung des Stadtrates getroffen habe.

Das kommt nach der positiven Resonanz ehrlich gesagt überraschend. Warum stehen Sie denn nicht länger zur Verfügung?
Die positive Resonanz ist das eine. Das andere ist die Arbeit hinter den Kulissen. Mir geht es nicht darum, mich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, meine Person oder mein Ego zu inszenieren. Mir geht es um das Miteinander und da habe ich in der zurückliegenden Saison einfach das Vertrauen zu den Verantwortlichen der Stadt Kronach verloren. Vertrauen und Wertschätzung sind für mich die Basis für eine fruchtbare Zusammenarbeit. Ich habe allerdings jegliche Transparenz in der Kommunikation, einen offenen Austausch, Respekt gegenüber meiner Person und einen professionellen Umgang mit den täglichen Herausforderungen eines städtischen Theaterbetriebs vermisst. Bei mir ist der Eindruck entstanden, dass persönliche Befindlichkeiten meiner Ansprechpartner in der Stadt schwerer wiegen als der wirtschaftliche und künstlerische Erfolg des Projekts. Unter diesen Voraussetzungen sehe ich für mich einfach keine Möglichkeit mehr, mein Engagement fortzusetzen.
Und schließlich brauche ich auch Planungssicherheit, mein Vertrag läuft Ende September aus, ich musste wissen, wie es für mich weitergeht, ob ich andere Aufträge annehmen kann. Deshalb habe ich in den vergangenen Wochen mehrfach bei der Stadt nachgefragt, um Informationen gebeten, aber leider keine Antwort erhalten. Stattdessen habe ich mitbekommen, dass hinter meinem Rücken Gespräche geführt werden und sogar eine Sitzung mit den Fraktionsvorsitzenden abgehalten wurde, wovon ich nichts wusste.

Das ist ein ziemlich radikaler Schritt, den Sie da gehen. Immerhin gehören Sie seit über 20 Jahren zum zunächst Faust-, seit vergangenem Jahr Rosenberg-Festspielensemble, und hatten in Ihrem ersten Jahr als künstlerische Leitung doch viel gute Kritik bekommen.
Ja, leicht ist mir die Entscheidung auch nicht gefallen. Als ich zum ersten Mal nach Kronach gekommen bin, war ich 22 Jahre jung. Jetzt bin ich 44. Ich habe also gewissermaßen mein halbes Leben hier verbracht. Die Festspiele waren - wie das Theater generell - eine Herzensangelegenheit von mir. Ich habe mich immer - ob als Schauspielerin, Regisseurin oder zuletzt künstlerische Leiterin - mit all meiner Energie und Leidenschaft in sie hineingeworfen. Allen, die mich auf diesem Weg mit Integrität begleitet haben und allen Kronachern, deren Inneres ich auf der Bühne erreichen konnte, möchte ich auch von ganzem Herzen danken.

Wie geht es nun für Sie weiter?
Ich werde mich neuen Projekten widmen. Ich arbeite ja schon seit einigen Jahren unter anderem als Präsentationscoach für Unternehmen in der Region sowie als Rhetoriktrainerin an Schulen. Das möchte ich weiter ausbauen und stehe für Anfragen in diesem Bereich gerne zur Verfügung. Vielleicht sieht man ja den einen oder anderen Geschäftspartner der Festspiele wieder. Das würde mich natürlich freuen. Meine Leidenschaften und Interessen sind breit gefächert. Von daher kann ich mir eine ganze Bandbreite an Möglichkeiten vorstellen.

Über 20 Jahre haben Sie mit dem vorherigen Intendanten der Festspiele, Daniel Leistner, zusammengearbeitet, auch in der Zeit schon Regie bei verschiedenen Stücken geführt. Vor einigen Monaten wurde ja bekannt, dass er die Faust-Festspiele nun in Pegnitz fortführt. Ist da eine Zusammenarbeit geplant?
Nein, nein. Ich habe noch freundschaftlichen Kontakt zu Daniel. Aber mit dem Theater soll es jetzt erst einmal gut sein. Die Geschichte ist zu Ende oder man könnte auch sagen dieser Besuch ist zu Ende. Dass wir heuer "Der Besuch der alten Dame" gespielt haben, war, im Nachhinein gesehen, doch sehr passend. Die Ereignisse aus dem Stück passen ganz gut auf meine gemachte Erfahrung.




Kommentar dazu von Corinna Igler

Manchmal ist das wahre Leben der beste Stoff für ein Theaterstück. Zumindest könnte man diesen Eindruck in Kronach gewinnen. Denn innerhalb von nur einem Jahr heißt es nun schon zum zweiten Mal: "Der nächste bitte!"

Nachdem der Intendanten-Vertrag mit Daniel Leistner vor gut einem Jahr nicht verlängert worden war, versuchte sich Heidemarie Wellmann an den Festspielen. Und das hat sie durchaus erfolgreich getan.

Die Kritiken in den Medien waren so positiv wie lange nicht mehr, und der Großteil der Zuschauer war ergriffen und beeindruckt zugleich, was man auf die Beine gestellt hat. Allen Zweiflern hatte man es gezeigt. Ein gelungener Neuanfang. Das war die Chance für die Festspiele.

Und wie es im Theater, zumindest bei Tragödien, dann der Fall ist, kommt nun der Wendepunkt. Denn was der Zuschauer bisher nicht gesehen hat: Hinter den Kulissen scheint es gewaltig gebrodelt zu haben. Anders ist das Auseinandergehen von Heidemarie Wellmann und der Stadt Kronach nicht zu erklären.

Wellmann wirft also das Handtuch. Und die Stadt ist dem Vernehmen nach schon in Verhandlungen mit Nachfolgern - und das scheinbar schon länger, als Wellmanns Entscheidung bekannt wurde. Was für ein Theater!

Doch egal, wer nun zuerst da war - die Henne oder das Ei. Wirklich positiv können diese Wechselspielchen für den Bestand der Festspiele nicht sein. Nach 20 Jahren Faust-Festspiele und Leistner wäre es nun wichtig gewesen, sich mit den Rosenberg-Festspielen einen Ruf zu erarbeiten. Der Anfang war gemacht, nicht zuletzt durch eine hervorragende künstlerische Leistung Wellmanns.

Gefehlt hat es scheinbar noch an Teamgeist. Und hier wird sich auch die Stadt hinterfragen müssen, wenn es zum zweiten Mal in kürzester Zeit zu einem Wechsel in der künstlerischen Leitung kommt...
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