Kronach
Gaudi

Haxen, Bier und Schenkelklopfer beim Kronacher Derbleck'n

Volle Hütte, volles Fass, voller Jux und Tollerei - das erste Kronacher "Derbleck'n" in der Rosenbergalm am Freitagabend war ein voller Erfolg.
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Die prominenten Besucher Strauß, Beckenbauer und Stoiber gaben beim Gastspiel in Kronach ihren Senf zur Weltmeisterschaft ab. Foto: Mariell Dörrschmidt
Die prominenten Besucher Strauß, Beckenbauer und Stoiber gaben beim Gastspiel in Kronach ihren Senf zur Weltmeisterschaft ab. Foto: Mariell Dörrschmidt
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Die Fußball-Weltmeisterschaft soll von Katar nach Kronach verlegt werden. Die erste Halbzeit findet in Seelach, die zweite in Gehülz statt. Der Bürgermeister wird den Anstoß vornehmen, während Angela Hofmann das Flößerlied singt. Nur sechs Jahre bleiben, um Kronach auf Vordermann zu bringen. Gerade noch war der Bürgermeister auf Kur - beste Gelegenheit also, um alles Wichtige zu organisieren. Beim ersten "Derbleck'n" am Freitag in der Kreisstadt wurden die Weichen gestellt.

Es konnte sich nur um einen besonderen Anlass handeln, wenn sich Edmund Stoiber alias Martin Panzer, Franz Beckenbauer alias Philipp Mahr und der auferstandene Franz Josef Strauß alias Nicolas Roth in der Kronacher Rosenbergalm zu einer hitzigen Diskussion trafen.
Die Lage ist ernst: Die WM soll also tatsächlich zwischen Glühweinbuden stattfinden, nur weil die Lichtgestalt des deutschen Fußballs mal wieder was unterschrieben, aber nicht durchgelesen hat.

Während Franz Josef Strauß seine Empörung über die politischen Verhältnisse verkündete und erklärte, wie oft er sich im Grab umdrehen müsse, diskutierten Edmund Stoiber und Franz Beckenbauer über alle weiteren Vorgehensweisen. Dabei übertrafen sich die beiden selbst und wuchsen über sich und über ihre Rollen hinaus. Vor allem Martin Panzer war als Edmund Stoiber nicht mehr zu bremsen. Strapazierte Lachmuskeln, erkenntnisreiche Witze und stimmungsgeladene Passagen waren das Ergebnis des "Derbleck'n".


Ein besonderer Abend

"Sie können auf einen Abend gespannt sein, der so in Kronach noch nicht stattgefunden hat", versprach Moderator Thomas Auer dem Publikum schon zu Beginn des ausverkauften Programms. Doch bevor es den örtlichen Politikern mit derben Witzen und so manch ironischen Kommentaren zwei Stunden lang an den Kragen ging, stand der traditionelle Bockbieranstich des Kronators auf dem Programm. Und so kam es, dass schon vor Beginn des eigentlichen "Derbleck'n" das Publikum in bester Laune war und sich an deftiger Brotzeit und dem Kronacher Starkbier erfreute.

Mit halbvollen Backen wurden oberfränkische Lieder mitgesungen; auf den Bierbänken wurde dabei herzlich geschunkelt. "Unser Orchester besteht aus Platzgründen nur aus Ed an der Ziehkatz'", scherzte Auer und übergab das Wort an den Musiker, der von da an mit Witzen, kleinen Anekdoten und Liedern die Gäste in Fahrt brachte.

Weil das erste Kronacher "Derbleck'n" vom traditionellen Bockbieranstich gekürt werden sollte, wurde das erste Fass nach 100-tägiger Reifung des Bieres am Freitagabend angezapft. Und da der Bürgermeister selbst - wie im späteren Programm oftmals wiederholt - dem Anstich eine Kur vorgezogen hat, geschah dies von durch Zweite Bürgermeisterin Angela Hofmann. Die Gäste in den ersten Reihen gingen in Deckung, Angela Hoffmann setze an, das Bier spritzte und nach zwei Schlägen und nassen Füßen war das Bockbier angestochen: "Ein perfekter Anstich", lobte Thomas Kaiser, Braumeister der Brauerei Kaiserhof in Kronach.


Mönch mit spitzer Zunge

"Liebe Gemeinschaft, es betritt ein Geistlicher diese Räume. Ich dachte Ihr kommt alleine drauf. Erhebet Euch", mit diesen Worten betrat der Faschingspräsident des TVE Gehülz, Martin Bittruf, als singender Mönch den Raum. Nachdem er seinen Durst mit einem kräftigen Schluck gestillt und die Bierpfütze auf der Bühne beäugt hatte, begann er mit seiner Rede.

Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein stand zuerst auf seiner Liste. "Euer Oberster ist auf Kur?", fragte er belustigt die Fraktion der Freien Wähler und verkündete gleichzeitig seine Theorie, dass Beiergrößlein sicher gerne Landratskandidat wäre: "Wenn meine Theorie stimmt, liebe Angela, hast Du die Bürgermeisterkrone und viele Baustellen sicher." Dabei erinnerte er an träge Vorgehensweisen im Stadtrat, an den neuen Kreisel, die neue Rewe, die umstrukturierten Rosenberg-Festspiele und den Bau des Feuerwehrhauses. "2013 haben Bagger alles breit gemacht, 2015 haben sie den Bauzaun aufgestellt", stellte Martin Bittruf in amüsant fränkischem Tonfall fest und brachte noch ein alljährliches Problem zur Sprache.

"Liebe Angela, das Ponykarussell auf dem Schützenfest kommt als Bürgermeisterin dann auch auf Dich zu", lachte der Faschingspräsident und verkündete nach einem weiteren kräftigen Schluck Starkbier seine grandiose Idee: "Wenn die Ponys nicht mehr rennen dürfen, nimm doch einfach Deine Stadträte." Immer wieder mit Trinkspruch und einem kräftigen Schluck Bier bekamen so Kronachs Politiker nach und nach ihr Fett weg. Das Publikum war begeistert und folgte aufmerksam den Theorien und Weisheiten des Mönchs, die er mit seinen zahlreichen Trinksprüchen unterstrich: "Trink ich Wasser werd' ich faul. Trink ich Dünnbier zieh sich's Maul. Trink ich Bockbier werd' ich voll, drum weiß ich, was ich trinken soll."

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