Tettau
Verkehrssicherheit

Hans Kaufmann aus Tettau erinnert sich an seinen schweren Radunfall

Die Sonnenstrahlen und steigende Temperaturen locken die Radfahrer im Frankenwald wieder auf die Straßen. Doch Vorsicht und Rücksichtnahme sind seitens der Radler wie auch der Kraftfahrer nötig. Das weiß der Tettauer Hans Kaufmann aus eigener Erfahrung.
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Der Reifen von Hans Kaufmanns Rad war nach dem Unfall entzwei und völlig verbogen. Foto: Hans Kaufmann
Der Reifen von Hans Kaufmanns Rad war nach dem Unfall entzwei und völlig verbogen. Foto: Hans Kaufmann
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Die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren. Die Räder waren schon in Schuss gebracht. Von seiner Heimatgemeinde bis nach Florenz sollte der besondere Ausflug des früheren Tettauer Bürgermeisters Hans Kaufmann führen. Doch genau heute vor einem Jahr machte ein Sekundenbruchteil alle Planungen zunichte. Nur dank seines Helms und vieler engagierter Helfer kann er - inzwischen wieder weitgehend genesen - auf seinen Radunfall am 11. März 2014 zurückblicken.


Verhängnisvolle 800 Meter auf der Straße
Um 12.22 Uhr hat es ihn erwischt. 800 Meter musste er auf dem Weg nach Kronach abseits der Radwege zurücklegen, auf der Kreisstraße KC 25 bei Birkach. Ein Auto hat sein Rad von hinten angefahren. "Es tat einen Riesenschlag. Später weiß man gar nicht mehr, wie lange man da gelegen hat", erinnert er sich an die Minuten nach dem Zusammenstoß. Mehr will er sich mit dem Unfallgeschehen heute aber auch gar nicht mehr befassen. Viel wichtiger ist für ihn, was danach geschehen ist.

"Die Mitarbeiter des Asphaltmischwerks waren gleich da", ist Kaufmann froh über die schnelle Erste Hilfe. Notarzt und Rettungsdienst seien in wenigen Minuten an der Unfallstelle eingetroffen, lobt der Tettauer seine Retter. Und in der Kronacher Klinik sowie später in Sonneberg sei ebenfalls hervorragende Arbeit geleistet worden.

"Die rechte Lunge war verletzt", erklärt Kaufmann, warum er auf die Lungen-Intensivstation in Sonneberg gekommen ist. Mehrere Rippenbrüche, Abschürfungen und Prellungen waren die weiteren Folgen seines Sturzes. Nach zwei Wochen in Sonneberg ging es weiter zur Heilbehandlung nach Bad Salzungen. Noch immer bereiten dem sportlichen Ex-Bürgermeister die Nachwirkungen des Sturzes Probleme. Dennoch will er von seiner Leidenschaft, dem Fahrradfahren, nicht ablassen - auch wenn es nicht mehr so ist wie früher.


Mehr Rücksichtnahme
"Die Angst fährt jetzt mit, schon wenn ich etwas hinter mir höre", sagt er. "Ich drehe mich jetzt viel öfter um."
Nach seiner Erfahrung bei Birkach bittet er beide Seiten um mehr Rücksichtnahme, die motorisierten Verkehrsteilnehmer wie auch die Radler. Erschreckend sei es für ihn, wie dicht die Autofahrer teilweise - selbst bei freier Strecke - an den Radfahrern vorbeiziehen. "Das ist Horror", stellt er fest. "Und dann noch die Geschwindigkeit!"

Aber auch die Radfahrer können seiner Ansicht nach viel tun, um Risiken zu vermeiden und mit heiler Haut nach Hause zu kommen: "Man kann schon im Vorfeld versuchen, Strecken auszuwählen, an denen es Radwege gibt." Allerdings erschließe sich damit gleich ein weiteres Problem; stellenweise sei es vor allem bei den Querverbindungen im Landkreis schwierig, Radwege zu finden, die ans ausgewählte Ziel führen.

Sicherheit wichtiger als Schönheit
"Früher habe ich die Radler belächelt, die wie die Papageien in bunten Trikots herumgefahren sind", sagt Kaufmann. Er schmunzelt, weil er sich mit seinen 63 Jahren auch heute kein "Profitrikot" überstreifen will. Aber er trägt jetzt eine reflektierende Warnweste, selbst wenn der eine oder andere ihn dafür belächeln dürfte. "Mir ist egal wie das ausschaut, Hauptsache die Weste leuchtet" , kontert er.

Eine Sache ist für ihn absolute Pflicht. "Das ist eine ganz klare Aussage von mir: Ohne Helm geht es nicht!" Jeden Kilometer setze er den Kopfschutz auf, denn ein Sturz sei auch auf kurzen Strecken nicht planbar. Und beim Unfall hat ihn diese Vorsicht vor Schlimmerem bewahrt. "Die Delle ist jetzt im Helm", betont Kaufmann, dass ihm schwere Kopfverletzungen erspart geblieben sind.

Dieser Tatsache verdankt es der 63-Jährige auch, dass er heute mit einer großen Prise Humor auf den 11. März 2014 zurückblicken kann. "In so einem Moment brauchst du Schutzengel und gute Helfer. Ich scherze immer: Ich habe oben schon angeklopft, aber die haben gesagt, nicht schon wieder ein Politiker."


Das sagt die Polizei
Wenn die Radsaison beginnt, sollen die Kraftfahrer besonders aufpassen. Polizeihauptkommissar Georg Pabstmann sieht aber auch die Radler in der Pflicht, sich vernünftig zu verhalten. "Das Rad muss vor der ersten Fahrt richtig gecheckt werden", steht für ihn fest. Beleuchtung, Reflektoren, Rückstrahler und ähnliches müssten auf den Prüfstand. Was für Motorradfahrer eine Selbstverständlichkeit sei, sollten auch die Radfahrer beherzigen: Helm auf und feste Kleidung angelegt!

Die Polizisten stellen immer wieder Unsitten bei Radfahrern fest. Dazu zählt das Fahren auf dem Gehsteig oder entgegen der Einbahnstraße. "Bis sieben Jahre müssen sie, bis neun Jahre dürfen sie auf den Gehsteig", sagt Pabstmann über den Rad fahrenden Nachwuchs. "Sonst hat dort keiner was auf dem Rad verloren." Und Einbahnstraßen seien nur bei entsprechender Kennzeichnung von Radfahrern entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung zu nutzen.


Kein Alkohol, kein Handy
Der Polizist rät auch davon ab, nebeneinander zu radeln, die Vorfahrt zu erzwingen ("Fahrräder haben keine Knautschzone"), beim Fahren zu telefonieren (25 Euro Bußgeld) oder sich alkoholisiert auf den Sattel zu schwingen. Ab 1,6 Promille drohten die MPU (Medizinisch-Psychologische Untersuchung) und auf diesem Weg sogar ein Führerscheinentzug.

Was die Unfallstrecke von Hans Kaufmann betrifft, so hält Pabstmann diese generell für einen problematischen Bereich. Der Radweg verlaufe dort weit abgesetzt, und die Straße "ist mittlerweile die meistbefahrene Kreisstraße im Landkreis". Hier würde er sich einen anderen Verlauf des Radwegs sehr wünschen.

2014 und auch schon 2015 gab es je einen Fahrradunfall mit einem Todesopfer. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 40 Unfälle mit Beteiligung von Radfahrern erfasst. 16-mal gab es dabei Schwerverletzte (die also mehr als 24 Stunden in der Klinik waren).
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