Küps
Konzert

Große Musik im Kopf-Kino

Das Jahreskonzert des Symphonischen Blasorchesters in Küps war eine emotionale Reise durch die Weltgeschichte.
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Dem Schüler- und Jugendorchester Küps unter Leitung von Anna Ringlstetter oblag der Auftakt des Galakonzerts.  Fotos: Heike Schülein
Dem Schüler- und Jugendorchester Küps unter Leitung von Anna Ringlstetter oblag der Auftakt des Galakonzerts. Fotos: Heike Schülein
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Das Symphonische Blasorchester sowie das Schüler- und Jugendorchester Küps luden am Samstag und Sonntag zum traditionellen Jahreskonzert. Die Mitwirkenden unternahmen mit ihren begeisterten Gästen eine emotionale Reise durch die Geschichte der Menschheit.
Als die letzten Töne der Filmmusik aus "Schindlers Liste" in der Festhalle am Küpser Schulzentrum verhallen, dauert es einen Moment, bis der donnernde Applaus einsetzt: Momente andächtiger Stille! Man ist noch zu aufgewühlt, zu schmerzvoll berührt und zu sehr in der Handlung, um sofort wieder im Jetzt ankommen zu können.


Historisch und brandaktuell

Mitwirkende wie auch Zuhörer verarbeiten das gerade Gehörte - ein untrügliches Zeichen der Aussagekraft dieses großen Stücks Musikgeschichte, dem viele mit Tränen in den Augen gefolgt waren.
Insbesondere der Solist Johannes Enders braucht einige Augenblicke, bis er den Beifall genießen kann - so intensiv war das betörend schöne Violinen-Spiel des in Küps geborenen und aufgewachsenen Vollblutmusikers.
Mit dem Stück - wie auch der zuvor gespielten "Story of Anne Frank" wurde aller auch heute noch von Verfolgung und Krieg bedrohten Menschen gedacht. Den Mitwirkenden war es wichtig, gerade in dieser jetzigen Zeit, in der -ihrer Meinung nach Rassismus wieder auf dem Vormarsch sei, diese Stücke zu spielen - als ein Plädoyer gegen das Vergessen und für ein Miteinander der Menschen in Frieden.


Vielschichtiges Thema

Mit den beiden Stücken voller emotionaler Intensität entließ das Symphonische Blasorchester seine Gäste in die Pause des Galakonzerts, das heuer unter dem Motto "Historia - Meilensteine der Menschheitsgeschichte" stand. Ein großes, vielschichtiges Thema, für das der Dirigent Wolfgang Riedel, wie er ausführte, viele Highlights für Orchester gefunden habe. Dementsprechend schwer sei ihm die Auswahl gefallen.
Doch gleich vornweg: Sie war ausgezeichnet gewählt. Unter seiner präzisen Leitung bekamen die Besucher ein harmonisch abgestimmtes facettenreiches Programm auf höchstem Niveau zu hören. Man sah die eng mit wichtigen Ereignissen, Erfindungen oder Erkenntnissen der Menschheitsgeschichte verbundenen Werke förmlich als Kopf-Kino vor sich.


Dreieinhalb kurze Stunden

So entstand Musik voller Emotionen, untermalt durch eine ausgefeilte Licht- und Bühnentechnik sowie viele zauberhafte Einfälle des Kreativteams unter Leitung von Lisa Gratzke.
Dreieinhalb kurze Stunden lang schien an diesem Abend alles andere vergessen. Die Musik zog die Menschen im Saal in den Bann und ließ sie nicht mehr los. Die Hektik und die Last des Alltags - sie waren weit weg. Die Musikerinnen und Musiker präsentierten sich einmal mehr als homogenes Orchester, das spielfreudig, wach und gutgelaunt musizierte und von dessen famosen und glänzend beherrschten Spiel sich die Gäste gerne verzaubern ließen. Ihr Können und ihre ansteckende Musizierfreude ließen die Stücke zum Erlebnis werden - ein tief berührendes, hinreißendes Erlebnis!


Biblische Geschichte

Im ersten Programmteil wurden die biblische Geschichte um den Fall der Mauern vorn Jericho "Trumpets of Jericho" sowie Ausschnitte aus dem Rock-Musical "Jesus Christ Superstar" über die letzten sieben Tage im Leben von Jesu Christi in musikalische Bilder gesetzt. Weiter erklang das gewaltige Werk "Bonaparte" über den französischen General, revolutionären Diktator und Kaiser, bevor es mit dem hochaktuellen Rückblick auf die unselige deutsche Vergangenheit in die Pause ging.
Rasant begann der zweite Teil mit "The man in the iron Mask", das die Mitwirkenden in entsprechenden Masken darboten. Galaktisch gut war die "Star Wars Saga" mit einer grandiosen Sternen-Lichtshow, bei der man sich tatsächlich wie auf Raumschiffreise in fremde Welten und ferne Galaxien vorkam. Wieder auf der Erde, unternahm das Orchester mit ihrem Publikum eine schneidige Spritztour mit dem Ford 1926, dem VW 1946, dem Chevy 1952 sowie dem Ferrari 2000 in "Car".


Grandioses Finale

Zum grandiosen Finale ging es schließlich mit dem irrwitzigen Stück "Godzilla eats las Vegas!" über - mit Bildern und Tönen, die man bei einem Konzert auch nicht alle Tag hört. Dabei mussten die Mitwirkenden in panischer Angst schreien und kreischen, wie ein Hund bellen, mit Sekt anstoßen - dies übernahm der Dirigent selbst!" - sowie zig verschiedene Musikstile spielen: ein Riesenspaß!
Der Leiter der Musikschule, Holger Pohl, sowie Wolfgang Riedel hatten die Besucher, darunter viele Ehrengäste aus dem Bereich der Politik, des gesellschaftlichen Lebens und natürlich der Musik in der Region, willkommen geheißen.


Dank für Unterstützung

Sie dankten auch den freundschaftlich verbundenen "Hinterviertlern" Küps, die anlässlich ihres 110. Jubiläum eine große Tombola veranstalten, für die im Foyer des Schulzentrums Lose erworben werden konnten. Die Erlöse kommen jeweils zu einem Drittel der Musik, der Schule sowie dem Kindergarten in Küps zugute. Als Hauptpreise locken drei Fernreisen.
Die künstlerischen Leistungen auf der Bühne wären nicht möglich gewesen ohne die vielen Helfer im Hintergrund. Ihnen, allen Mitwirkenden sowie Verantwortlichen galt der Dank von Bürgermeister Herbert Schneider, der sich begeistert vom Können und von der bildhaften Darstellung der Stücke zeigte.
Der Auftakt des Programms oblag den Nachwuchstalenten des Schüler- und Jugendorchesters Küps, die mit den wunderschönen Stücken "Imagine", "The man in the Moon" sowie "Over the rainbow" beeindruckende Einblicke in ihr tolles Können gaben - eine helle Freude, ihnen zuzuhören!


Zugaben heftig gefordert

Sie kamen ebenso wenig um eine heftig eingefordert Zugabe herum wie das Symphonische Blasorchester, das die Gäste mit Standing Ovation bedachten. Das hinreißend zum Klingen gebrachte Schlaflied "Guten Abend, gute Nacht" von Johannes Brahms, das natürlich nur symbolisch zu verstehen war, bildete den stimmungsvollen Abschluss eines Konzertabends, bei dem man weinen und lachen konnte und das zeigte, was echte Musik ist: ein Juwel, kostbar und ungemein wertvoll.

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