Kronach
Serie

Geschichten von Kronachs Frauen

Urlaub und Sie fahren nicht weg? Dann machen Sie doch eine Stadtführung mit. Wir stellen Ihnen die einzelnen Angebote in einer Serie vor. Heute: die Hexen- und Heldinnen-Führung. Und mit ein bisschen Glück gewinnen Sie eine solche Führung.
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Christa Franz (links) hat Schmankerl in ihrem Körbchen. Sie erklärt ihren Gästen, welche Kräuter der Hexenabwehr dienen. Foto: Mariell Dörrschmidt
Christa Franz (links) hat Schmankerl in ihrem Körbchen. Sie erklärt ihren Gästen, welche Kräuter der Hexenabwehr dienen. Foto: Mariell Dörrschmidt
Ín wohl keiner anderen Stadt sind Frauengeschichten so spannend wie in Kronach. Bekannt sind die Frauen nämlich vor allem durch den Schwedenkrieg im 16. Jahrhundert geworden. Mit einfachen Mitteln verteidigten sie vehement ihre Stadtmauer und konnten dadurch feindliche Angriffe abwehren. Doch das ist keineswegs Geschichte, denn auch noch heute gebührt den Kronacherinnen ein besonderer Status: Sie dürfen jedes Jahr an der Schwedenprozession stolz vorneweg laufen.


Kein Märchen

Und genau mit dieser Geschichte beginnt Christa Franz ihre historische Stadtführung "Hexen-und Heldinnen", um besonders auf die tapferen Frauen Kronachs aufmerksam zu machen. Schließlich trugen sie dazu bei, dass die Stadt nie eingenommen wurde.

Im historischen Gewand, in den Farben der Stadt, empfängt sie jeden ersten Samstag im Monat ihre Gäste auf dem Marktplatz. Vor Ort erzählt Christa Franz zunächst interessante Details zur Stadtgeschichte, um sich dann gemeinsam mit ihren neugierigen Besuchern auf die Spuren der Hexenverfolgung zu begeben.

Angekommen im Hexenturm wird dann schnell deutlich, dass es sich dabei keineswegs um ein Märchen handelt. Versammelt vor der Öffnung, die in das tiefe Verließ hinabführt, schlägt Christa Franz ein dunkles Kapitel der Kirchengeschichte auf und verrät welche Bischöfe in die Hexenverfolgung verwickelt waren und wie viele Frauen für vermeintliche Hexen gehalten wurden.


Auch Irrtümer gab's

Aus Hexenprozessakten und Malefizbüchern weiß die Expertin, dass in Kronach 15 Frauen festgenommen worden und sechs zu Tode gekommen sind.

Außerdem weist sie auf viele banale Irrtümer dieser Zeit hin, die dazu führten, dass Frauen leichtfertig zur Hexe erklärt wurden. Konkret erzählt sie die Leidensgeschichte einer Kronacherin, die unter Haft und Folter sterben musste. Für besonders Interessierte hat Christa Franz an dieser Stelle, neben einer Buchempfehlung, auch noch ein kleines Körbchen mit Frauenmantel, Gundelrebe und Beifuß parat: "Früher gab es den Aberglauben, dass diese verschiedenen Kräuter der Hexenabwehr dienen", weiß Christa Franz und erzählt zu jedem Kraut eine kleine Geschichte.


Spöttische Hintergedanken

Weiter geht es dann, den Wehrgang aus dem Hexenturm Richtung Michaelsbrunnen entlang. Hier wird am Brunnen sowie am Historischen Rathaus der Blick fürs Detail geschult.

"Die angebrachten Gesichter oder Figuren beachtet man oft nicht, dabei steckt so viel dahinter", macht die Gästeführerin aufmerksam und beschreibt deren Entstehungsgeschichten und teilweise spöttischen Hintergedanken.
Im Zusammenhang mit Bier geht es dann auch schon wieder mit Frauengeschichten weiter. Mit den kräftigen und wilden Damen Kronachs, auch genannt "Wierzweiber".

Nach einer kurzen Namenserklärung kommt die Frauenspezialistin zu deren Beruf und Sonderstellung in der Stadt- nicht nur weil sie des Öfteren in der Ausnüchterungszelle landeten. Sie hatten das Privileg in der Nacht, wenn das Stadttor verschlossen war, in die Stadt zu kommen.

Nach den ungestümen Biergeschichten schlägt Christa Franz schließlich auf dem Melchior-Otto-Platz ein scheinbar ruhigeres Kapitel auf.


Spannende Erzählweise

Unter dem Thema "Kirchenzucht und Sittlichkeit", wird den Teilnehmern der Führung jedoch auch schnell klar, dass es hier ebenso wild umherging. Von Konkubinen, über uneheliche Schwangerschaften, Kirchenstrafen bis zur ersten Kronacher Lehrerin beweist Christa Franz auch in diesem Gebiet ihr umfangreiches Wissen und unterhält in angeregter und spannender Erzählweise.


Führung selbst geschrieben

Christa Franz ist seit zehn Jahren Gästeführerin der Stadt. Seitdem sie vor über 20 Jahren nach Kronach gezogen ist, hat die gebürtige Kölnerin eine große Leidenschaft: "Ich bin verrückt auf Kronacher Geschichten", erklärt sie und freut sich im Umgang mit Menschen ihr Wissen weiterzugeben.

In ihrer Freizeit liest sie viel und erkundigt sich neugierig über frühere Begebenheiten. So entstand auch die aktuelle "Hexen und Heldinnen"-Führung, die sie vor acht Jahren selbst schrieb.

Weitere Termine: Samstag, 6. Juni; Samstag, 4. Juli; Samstag, 1. August; Samstag, 5.September; Samstag, 3. Oktober.Treffpunkt ist jeweils am Lucas-Cranach-Denkmal, Obere Stadt, um 15 Uhr. Der Preis für Erwachsene beträgt jeweils vier Euro, für Schüler und Studenten zwei Euro.

Sie interessieren sich für die Hexen- und Heldinnen-Führung? Dann nehmen Sie an unserer Verlosung teil. Wir verlosen nämlich zwei Karten für die Teilnahme an einer dieser Führungen.

Was Sie dazu tun müssen? Schicken Sie uns bis Dienstag, 9. Juni, eine E-Mail an redaktion.kronach@infranken.de. Und beantworten Sie uns folgende Frage: Wieviele Frauen wurden in Kronach festgenommen?

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