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Kronach
Urteil

Gericht sieht einen Tötungsvorsatz

Ein 23-Jähriger muss für fünf Jahre hinter Gitter. Er hatte bei einer Verfolgungsjagd durch Kronach das Leben einer Polizistin gefährdet.
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Das Gericht in Coburg hat entschieden: Der 23-jährige Angeklagte wurde für seine lebensgefährliche Flucht zu fünf Jahren Haft verurteilt. Symbolbild: David Ebener/dpa
Das Gericht in Coburg hat entschieden: Der 23-jährige Angeklagte wurde für seine lebensgefährliche Flucht zu fünf Jahren Haft verurteilt. Symbolbild: David Ebener/dpa
Fünf Jahre Haft wegen versuchten Mordes. So lautete das Urteil für einen 23 Jahre alten Thüringer. Die Erste Große Strafkammer am Landgericht Coburg sah es als erwiesen, dass der junge Mann just genau vor einem Jahr nach einer wilden Verfolgungsfahrt, die sich durch ganz Kronach gezogen hatte, eine Polizeibeamtin mit bedingtem Tötungsvorsatz verletzt hatte. Die Polizistin hatte sein Fahrzeug stoppen wollen und sich darum vor das Auto gestellt.

Der Prozess hatte sich über fünf Verhandlungstage und über zwei Monate hingezogen. Ein Ortstermin mit Augenscheinnahme der Fluchtstrecke und des Tatortes sowie etliche Sachverständigen-Gutachten, die von den Verteidigern gefordert worden waren, waren notwendig, um eine objektive Urteilsfindung zu gewährleisten. Geprägt war der Prozess zudem von extremen rechtlichen Auslegungen der Sachlage seitens der Staatsanwaltschaft und der beiden Verteidiger.
Jeweils fast zwei Stunden dauerten dann auch die Plädoyers, welche die rechtlichen Sichtweisen der beiden Parteien aufzeigten.

Staatsanwältin Ursula Haderlein hielt sich streng an die rein sachlichen Fakten. "Ich habe selten erlebt, dass versucht wurde, eine Hauptverhandlung so ins Lächerliche abgleiten zu lassen", erklärte sie und meinte damit einige Bemerkungen des Verteidigers Weitzdörfer. "Das wird der Schwere der Anklage nicht gerecht!"

Motiv für Tat gefunden

Akribisch führte sie dann auch auf, dass am Anfang eine Trunkenheitsfahrt ohne Fahrerlaubnis gestanden habe, die dann, nach etlichen Vergehen gegen die Straßenverkehrsordnung, Sachbeschädigung und Unfallflucht, in einer gefährlichen Körperverletzung und einem versuchten Mord gegipfelt sei.

Das Motiv für den versuchten Mord sah sie darin, dass der Thüringer seine verhältnismäßig harmlose Straftat, nämlich die Trunkenheitsfahrt ohne Fahrerlaubnis, auf alle Fälle habe verdecken wollen. Deshalb habe er in Kauf genommen, die Polizeibeamtin zu verletzen oder sogar zu töten, indem er mit seinem Wagen direkt auf sie zugefahren sei. Alle Vergehen, die dem jungen Mann in der Anklageschrift vorgeworfen wurden, und zwei weitere Vergehen aus einer anderen Anklage fasste sie zusammen und forderte eine Gesamtstrafe von sechs Jahren Haft.

Anwalt sieht nur Vollrausch vorliegen

Verteidiger Peter Weitzdörfer hingegen sah nur ein einziges Vergehen, das sein Mandant begangen habe, nämlich das des fahrlässigen Vollrausches. Alles andere, was an diesem Abend passiert sei, sei eine Folge dessen gewesen. Der 23-jährige Angeklagte habe nicht verletzen oder töten wollen. Große Teile des Plädoyers handelten davon, dass die Polizeibeamten eigentlich sogar die Auslöser dieser schicksalhaften Unglückskette gewesen seien. Hätten sie vorschriftsmäßig gehandelt und den Mann nicht gejagt, wäre das alles nicht so passiert, meinte der Verteidiger. "In der Dienstvorschrift steht auch nicht, dass sich die Beamtin wie Jeanne d'Arc als lebendes Bollwerk vor das flüchtende Fahrzeug wirft!", erklärte er.

Weitzdörfer bemühte etliche Urteile des Bundesgerichtshofes und des Bundesverfassungsgerichtes, um seine Auslegungen zu bestärken. Zudem warf er der Staatsanwaltschaft vor, nur durch die Polizeibrille ermittelt zu haben, weil es hier um eine Beamtin gegangen sei, und nur belastende Umstände gesammelt zu haben. "Hier ist die Verhältnismäßigkeit verletzt worden", erklärte er. "Es hat nicht die Veranlassung bestanden, dies hier in einer solch akzentuierten Sichtweise zu behandeln." Man habe mit Kanonen auf Spatzen geschossen.

"Irrational gehandelt"

Sein Mandant habe in einer Panikfahrt irrational gehandelt und nicht vorsätzlich. Daran seien eben auch die Beamten schuld. Der Verteidiger forderte ein Jahr und sechs Monate wegen Vollrausches und erkannte eine Schmerzensgeldforderung von 800 Euro an. Für den Fall, dass das Gericht zu einem anderen Schluss käme, stellte er in seinem Plädoyer gleich noch einen Hilfsbeweisantrag. Ein Sachverständiger solle dann nämlich ermitteln, ob sein Mandant an jenem Abend einen Vollrausch gehabt habe, das bedeute mehr als drei Promille.

"Unerträglicher Vorwurf"

Richter Gerhard Amend stellte seinem Urteil eine Bemerkung voran: "Ich halte es für unerträglich, dass uns vorgeworfen wird, das Verfahren nur durch die Brille der Polizeibeamten geführt zu haben." Das Gericht sei allen Beweisanträgen gefolgt und habe alle geforderten Gutachter herangezogen. Gerade deswegen sei eine objektive Würdigung der Beweismittel ja möglich. Souverän widerlegte er - ebenfalls mit Referenzurteilen - die vorher angeführten Urteile des Verteidigers.

Knapp ging er auf die einzelnen Sachverhalte ein und folgte der Staatsanwältin. Die Kammer sah es ebenfalls als erwiesen an, dass der Thüringer mit einem bedingten Tötungsvorsatz gehandelt habe: "Die Voraussetzungen für einen Verdeckungsmord liegen vor."

Die Kammer fasste alle Delikte zu einer Einheit zusammen. Fünf Jahre Haft und drei Jahre Fahrerlaubnisentzug sowie Zahlung von 800 Euro Schmerzensgeld an die Polizeibeamtin lautete die Strafe.
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