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LKR Kronach
Test

Gemeindecheck in Kronach: Wie willkommen sind Neubürger?

Unter erfundenem Namen haben wir alle 18 Kreiskommunen angeschrieben, auf dass sie uns den Umzug in ihre Gefilde schmackhaft machen. Einige haben blitzschnell reagiert, ein paar mussten nach zwei Wochen erneut angestoßen werden. Es gab auch welche, die haben gar nicht reagiert.
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Symbolbild: Archiv
Symbolbild: Archiv
Die Kommunen im Kreis Kronach wollen Neubürger gewinnen. Aber wie schnell und unbürokratisch reagieren sie, wenn jemand zuziehen will. Wir haben es ausprobiert. Unser Reporter gab sich dazu als Julian Schwarz aus.

Julian Schwarz ist 31 Jahre alt, wohnt in Bamberg und sucht eine neue Bleibe. Besonders wichtig sind ihm Kinderbetreuung und Deutschkurse, weil seine Frau Piritta fast nur Finnisch spricht. Per E-Mail (unten rechts) wendet er sich an die Kommunen.


Kronach

Die Information zur Wohn raum anfrage ist umfassend. Eine Mitarbeiterin verweist auf Objekte von Wohnungsbaugenossenschaften. "Bitte wenden Sie sich direkt an diese, um nach freien Wohnungen zu fragen." Die Adressen hat sie der Mail angehängt. Zusätzlich gebe es private Vermieter-Anzeigen auf der Homepage des Wochenblatts "Avp".

Auf die Frage nach Kinderbetreuung ist eine Liste der in Kronach vorhandenen Einrichtungen angehängt. Auch auf Deutschkurse für die finnische Ehefrau geht die Mitarbeiterin ein: Sie verweist an das Diakonische Werk, das für Migrations- und Flüchtlingsberatung zuständig ist, unter www.diakonie-kronach.de. Wartezeit bis zur Antwort: zwei Tage. Sehr guter Service.


Küps

Die Antwort kommt erst auf unsere Nachfrage, die zwei Wochen nach der ersten Mail rausgeht ("Tut uns leid, dass es so lange gedauert hat!"). Der Mitarbeiter weist darauf hin, dass Küps eine familienfreundliche Gemeinde sei, mit fünf Kindergärten und vier Kleinkindbe treuungseinrichtungen. Die Ansprechpartner seien auf der Küpser Verwaltungshomepage zu finden. Deutschkurse betreffend weist der Mann darauf hin, dass Küps eine Außenstelle der Volkshochschule habe. "Welches Programm hier angeboten wird, müssten Sie dem VHS-Programm entnehmen." Na gut. Es fehlen Wohnangebote. Vielleicht ist das der vagen Anfrage des Julian Schwarz geschuldet, ob überhaupt "eine Chance besteht", nach Küps zu ziehen.


Ludwigsstadt

Nach einem Tag kommt die Antwort. In Ludwigsstadt gebe es mehrere leer stehende Wohnungen, schreibt die Mitarbeiterin. Infos zu den Objekten schickt sie im Anhang der Mail mit. "Sollten Sie auch Interesse an Häusern haben, schicken wir Ihnen noch eine Liste mit Häusern , die zu vermieten oder auch zu verkaufen sind."

Betreuungsangebote seien auf der Seite www.ludwigsstadt.de zu finden. Das und wo Gebührenlisten zu finden sind, beschreibt sie so exakt, dass Julian Schwarz unmöglich vorbeiklickt.

Auch einen Deutschkurs gebe es derzeit in Ludwigsstadt. Primär sei der für Asylanten, aber jeder könne teilnehmen. Falls das eine Option wäre, sollten wir uns noch mal melden. Weitere Angebote könnten im Landratsamt Kronach erfragt werden. Hier fügt der Mitarbeiter die Nummern und Behördennamen an. Sehr guter Service.


Marktrodach

Keine Antwort. Natürlich kann nie ausgeschlossen werden, dass eine Mail nicht angekommen ist. Aber es ist unwahrscheinlich.


Mitwitz

Keine Antwort.


Nordhalben

Aus Nordhalben kommt erst Antwort auf die Nachfrage, die zwei Wochen nach der ersten Mail rausgeht. Eine Entschuldigung, wie sie die anderen "verzögert antwortenden" Kommunen formulierten, erfolgt nicht. "Hallo Herr Schwarz, erstmal vielen Dank für Ihr Interesse. Sie sind herzlich willkommen", schreibt der Bürgermeister. Informationen gibt's im Anhang in Form einer Image-Broschüre. Die enthält Hinweise auf die Kinderbetreuungs-Angebote, aber keine Ansprechpartner, die Wohnraum bieten könnten.

Er meint, Deutschunterricht arrangieren zu können: "Wir haben ehrenamtliche Personen, die Deutschkurse halten können. Am besten vereinbaren Sie einen Termin mit uns." Michael Pöhnlein gibt für Nachfragen seine Handynummer an. Von Service im Sinne von mundgerecht angereicherten Informationen kann man nur teilweise sprechen. Die Image-Broschüre zeigt die Kommune allerdings von ihrer besten Seite.


Pressig

Der Mitarbeiter will es nach zwei Tagen Reaktionszeit etwas genauer wissen: "Was suchen Sie genau: Haus, Mietwohnung!? Gerne helfen wir Ihnen weiter. Sicherlich besteht hier eine Chance." Telefonisch könne man Genaueres klären. Schlecht für Julian Schwarz, der extra erwähnt hat, dass er nicht telefonieren will.

Pressig verfüge über zwei Kindergärten mit Kleinkindbetreuung ab dem ersten Lebensjahr. Beide Kindergärten seien frisch saniert. Für weitere Infos wird www.pressig.de. angegeben.

Deutsch-Kurse würden in der VHS in Kronach angeboten, die mit Bus und Bahn in 15 Minuten erreichbar sei. "Dort haben wir eine Haus- und Wohnungsbörse, in der alle Vermieter vermerkt sind." Der Service in Pressig ist ordentlich.


Reichenbach

Fünf Tage nach der Anfrage reagiert Reichenbachs Bürgermeisterin. Mietwohnungen seien im Ort recht rar gesät. "Wohneigentum dagegen kann relativ günstig erworben werden." Gern erzähle sie mehr im persönlichen Gespräch.

Reichenbach habe einen sehr guten, modernen Kindergarten mit einer "hervorragend gestalteten Außenfläche", welcher Kinder ab zwei Jahren aufnehme. Kleinkindbetreuung gebe es im "Lauenhainer Spatzennest" nahe Reichenbach. Für Deutschkurse fahre man am besten nach Kronach. Der Service könnte besser sein.


Schneckenlohe

Kronachs kleinste Kommune zeigt Einsatz. Zwar geht der (analoge) Brief erst fünf Tage nach Anfrage zur Post. Aber er enthält viel Information: Broschüre zu Kindergarten und Krippe (inklusive Beitragsliste), ein Informationsblatt zum Baugebiet "Hohe Straße" sowie ein Ortsplan und eine Image-Broschüre des Kreises Kronach. "Freier Mietraum ist sehr begrenzt", schreibt Bürgermeister Knut Morgenroth. Deutschkurse gebe es bei der VHS Kronach. Guter Service.


Steinbach am Wald

Steinbach schickt einen Tag nach unserer Anfrage ebenfalls einen Brief raus. Und liefert gleich mal einen finanziellen Anreiz: Die Gemeinde zahlt 500 Euro pro Kind (Geld und Gutscheine), wenn eine Familie mindestens drei Jahre in Steinbach wohnt und das betreffende Kind einen örtlichen Kindergarten besucht.

Neubürgerbroschüre, Gemeinde-Mitteilungsblatt und ein Flyer zu Betreuungsangeboten bieten einen guten Überblick. Der Wohnungsmarkt sei begrenzt, schreibt die Mitarbeiterin. Aber man helfe gern bei der Suche. Auf die Deutschkurse der VHS verweist sie mit Telefonnummer und dem Namen eines direkten Ansprechpartners. Guter Service.


Steinwiesen

Ebenfalls einen Tag nach unserer Anfrage antwortet ein Mitarbeiter aus Steinwiesen: Mietwohnungen seien meist in privater Hand. Eine Liste der gemeldeten Objekte hängt der Mail an. Weitere Wohnungen stünden in der "Avp".

Immobilien und Bauplätze seien unter www.steinwiesen.de zu finden. Hilfreich könne auch der Kontakt zum Stadtumbaumanagement sein.

Auf zwei Kindergärten mit Krippe und Schulen wird hingewiesen. Ebenfalls auf Deutschkurse bei der VHS, die per Bus zu erreichen seien. Zahlreiche weitere Informationen plus Broschüren per Post ergeben ein Vorzeige-Paket. "Für weitere Auskünfte stehe ich Ihnen jederzeit zur Verfügung." Sehr guter Service.


Stockheim

Ebenfalls mit einem Tag Verzögerung bedankt sich der Mitarbeiter aus Stockheim für die Anfrage: Eine gemeindliche Wohnung würde vielleicht in vier bis sechs Wochen frei. "Ansonsten können wir Sie leider nur auf den Immobilienmarkt verweisen." Er nennt die örtlichen Banken, "Avp" und die lokalen Tageszeitungen als Anlaufstellen.

Drei Kindergärten mit Krippen seien vorhanden. Einzelheiten finde man unter www.stockheim-online.de. Deutschkurse gebe es bei der VHS. Ordentlicher Service.


Tettau

Die Verwaltung antwortet per Brief. Im Anschreiben weist der Mitarbeiter auf den Kindergarten mit Krippe hin und gibt an, wo im Internet Genaueres zu erfahren sei. Deutschkurse? "VHS Kronach." Ein Link zu den Angeboten ist angefügt. Vorbildlich ist die Unterstützung bei der Wohnraumsuche: Eine ausführliche Liste mit Miet- und Kaufwohnungen plus Eigentümerkontakten liegt im Umschlag bei. Ebenso eine Mappe mit Informationen zur Marktgemeinde. Sehr guter Service.


Teuschnitz

Teuschnitz antwortet als letzte Kommune - ebenfalls erst auf Nachfrage. Gern könne man ein Haus kaufen, so die Mitarbeiterin. Die Zahl der Mietwohnungen halte sich in Grenzen. Potenzielle Vermieter werden angegeben, Verkäufer nicht.

Die Informationen zum Kindergarten sind ausführlich, eine Ansprechpartnerin und Homepage werden genannt. Sprachkurse betreffend wird wieder an die Kronacher VHS verwiesen. Insgesamt ist die Beratung solide, kommt aber spät.


Tschirn

Tschirn scheint es nicht sehr nötig zu haben, eine junge Familie anzulocken. Auf die Erinnerungsmail kommt nur wenig Information vom Bürgermeister: "Mein Vorschlag wäre, wir reden über all Ihre Fragen am Telefon. Sie können mich gerne in der Bürgersprechstunde anrufen." Schlechter Service.


Wallenfels

Diese Verwaltung hat am schnellsten von allen geantwortet. Bezüglich einer Wohnung empfiehlt die Mitarbeiterin, sich an das Stadtumbaumanagement zu wenden, die Telefonnummer steht dabei. Ausführlich informiert sie über die Kinderbetreuung in Wallenfels, die frisch modernisiert und "vom ersten Lebensjahr an gesichert" sei. Einen Flyer inklusive einer Übersicht der anfallenden Gebühren hängt der Mail an. Deutschkurs? VHS! Schneller, ordentlicher Service.


Weißenbrunn

Keine Antwort.


Wilhelmsthal

Nach einem Tag kommt die Antwort. Es wird mitgeteilt, dass es in der Gemeinde zwei Kindergärten mit Krippen gibt: Diese werden mit Adresse erwähnt - die Beiträge solle man bitte selbst erfragen. Auf die Frage nach Deutschkursen wird wieder auf die VHS verwiesen.

Und die Wohnungssuche? "Da müssten Sie sich halt auf dem Wohnungsmarkt umtun und eine Anzeige in einer Zeitung aufgeben. Die Gemeinde kann Ihnen in dieser Beziehung leider nicht weiterhelfen", heißt es. Der Service ist ausbaufähig.


So sah das Anschreiben an die Kommunen aus

Sehr geehrte Damen und Herren in der Verwaltung,
mein Name ist Julian Schwarz. Ich wohne derzeit in Bamberg und möchte gerne nach XY umziehen. Können Sie mir bitte mitteilen, ob dazu in XY überhaupt eine Chance besteht? Ich bin frisch verheiratet und habe ein sechs Monate altes Baby. Daher interessiert mich auch, welche Betreuungseinrichtungen es bei Ihnen gibt und welche finanziellen Belastungen auf mich zukommen. Mich interessieren sowohl die Kleinkindbetreuung als auch der Kindergarten.
Eine letzte Frage bezieht sich auf meine Frau, Piritta Schwarz. Gibt es die Möglichkeiten von Deutsch-Kursen in XY oder muss sie diese weiter in Bamberg absolvieren?
Ich danke Ihnen herzlich für Ihre Antworten, würde mich über Informationsmaterial freuen und verbleibe mit gespannten Grüßen. Sie erreichen mich über meine postalische Adresse (Musterstraße 10; Bamberg) oder die Ihnen angezeigte Mail. Telefonisch ist schwierig, da ich im Krankenhaus-Schichtdienst arbeite und meine Frau eher schlecht zu verstehen ist. julianschwarz84@gmx.de
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