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Kronach
Rosenberg Festspiele

Gelungene Festspiel-Galapremiere in Kronach

Nach dem Schlussapplaus des "Besuchs der alten Dame" übergab Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein an die Schauspieler Blumen.
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Kronachs Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein verteilte nach dem Schlussapplaus Rosen an die Schauspieler und Statisten.  Foto: Friedwald Schedel
Kronachs Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein verteilte nach dem Schlussapplaus Rosen an die Schauspieler und Statisten. Foto: Friedwald Schedel
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Wie bestechlich sind Menschen? Lassen sie sich für eine hohe Geldsumme dazu verleiten, einen ihrer Mitbürger umzubringen? Das ist die Frage in Friedrich Dürrenmatts "Der Besuch der alten Dame". Um es kurz zu machen: Sie tun's! Auch ehrenwerte Bürger tragen ihre Prinzipien zu Grabe, wenn's ums Geld geht.

Da kommt eine betagte Frau zurück in ihre Heimatstadt Güllen, aus der sie in ihrer Jugend zu Unrecht mit Schimpf und Schande davongejagt worden war. Sie schwört Rache, bietet drei Milliarden für alle Bürger, fast 200 000 für jeden einzelnen, wenn der Unhold, der ihr das vor 45 Jahren angetan hat, tot ist. Zuerst wehren alle brüsk ab. So was tut man doch nicht. Nicht für alles Geld der Welt! Doch, man tut es. Die Verlockungen des schnöden Mammons verfehlen ihre Wirkung nicht. Schließlich sind alle Bürger Güllens bereit, ihren geachteten Mitbürger, der die Dame in jungen Jahren entehrt hat, um die Ecke zu bringen. Doch die alte Dame redet ihnen ins Gewissen, weil sie den Kerl, der ihr das angetan hatte, immer noch liebt.


Güllen und Kronach

Regisseurin Heidemarie Wellmann, die die Tochter des Unholds spielte, hatte einige Parallelen zwischen Güllen und Kronach eingearbeitet: Beide Städte über 1000 Jahre alt, Heimat eines berühmten Malers, mit einer mächtigen Burg über den Dächern, mit Goethe als Gast. Doch es gibt auch gewaltige Unterschiede. Güllen ist heruntergekommen und verwahrlost, Kronach nicht. Güllen hat einen schmierigen und aalglatten Bürgermeister, Kronach nicht. Das Kronacher Stadtoberhaupt Wolfgang Beiergrößlein war nach der Galapremiere am Mittwochabend denn auch voll des Lobes und verteilte auf dem Rosenberg Blumen gleichen Namens an die Akteure. Er freute sich: "Das war die zweite gelungene Galapremiere unserer Rosenberg Festspiele." Dass den Zuschauern vor ausverkauftem Haus das Dürrenmatt-Stück gefallen habe, habe er am Applaus gehört. Sein aufrichtiger Dank galt allen Schauspielern und Statisten sowie den gesamten Team. Auch den Sponsoren der Festspiele - dankte er für teilweise jahrzehntelange Unterstützung. Einen erwähnte er besonders: Hans Rebhan von Bonnfinanz. Von dem habe sich die "alte Dame" sicher beraten lassen, weil sie so wohlhabend geworden sei, scherzte der Bürgermeister. Er lud dazu ein, den Abend bei einem Glas Wein und schönen Gesprächen ausklingen zu lassen. Das taten denn auch viele, obwohl es heftig zu regnen anfing. Während der Vorstellung konnten die Schauspieler noch im Trockenen agieren.

Hans Rebhan bezeichnete das Dürrenmatt-Stück als aktuell und nachdenklich. "Es ist schön, dass eine tragische Komödie gebracht wird, die zum Nachdenken anregt und von den Schauspielern professionell präsentiert wird." Das neue Konzept habe sich bestätigt. Heidemarie Wellmann habe das Stück sehr gut inszeniert, die schauspielerische Leistung sei klasse. Zwischen den Schauspielern und Statisten gebe es eine hervorragende Zusammenarbeit.

Eine der Statistinnen, Bärbel Drexel, steht schon seit dem zweiten Jahr der Festspiele auf der Freilichtbühne. Sie ist mit Leib und Seele dabei, "denn sonst fehlte was, wenn ich diesen Sommer nicht hätte".


Textpassagen noch im Kopf

Der ehemalige Forstdirektor Werner Hannig war mit seinen ehemaligen Klassenkameraden bei der Galapremiere dabei und feierte mit ihnen das vor 50 Jahren abgelegte Abitur. Damals wollte der Abijahrgang Dürrenmatts "Besuch der alten Dame" aufführen, doch die jungen Leute scheiterten an den schauspielerischen Anforderungen. Jetzt sah man, wie schwierig das Stück umzusetzen ist. "Wir hatten manche Textpassagen noch im Kopf. Es ist erschütternd, zu sehen, wie böse die Menschen sein können. Uns allen wurde der Spiegel vorgehalten", sagte Hannig. Die Gefährdung des Menschen durch das Geld sei brutal dargestellt worden, die schauspielerische Leistung hervorragend.


Starke Leistung

Auch Tourismus-Chefin Kerstin Löw attestierte eine starke darstellerische Leistung der Truppe und eine sehr gute Regiearbeit von Heidemarie Wellmann, die selbst mitgespielt hatte. Im Schlussmonolog der Hauptdarstellerin werde das Thema aus Shakespeares "Der Widerspenstigen Zähmung" noch einmal aufgegriffen und der Appell an die Menschlichkeit herausgestellt. Man solle auf das Herz hören. "Das Stück ist auch nach Jahrzehnten so was von modern. Jeder kann sich in den Güllener Bürgern wiederfinden. Es war eine wunderbare Galapremiere", sagte Kerstin Löw strahlend.

Steffen Potstada von der Sparkasse Kulmbach-Kronach bezeichnete die Mischung aus Profis und lokalen Akteuren als ideal. Die Auswahl der Stoffe und die Umsetzung seien gelungen. Deshalb unterstütze die Sparkasse auch die Festspiele. Dürrenmatts Stück sei ein Klassiker mit zeitlosem Inhalt.

IHK-Präsident Heribert Trunk ist ein regelmäßiger Festspiel-Besucher und war wieder schwer beeindruckt. Die Location auf der Festung sei halt einzigartig. Er bemerkte eine Steigerung zu den Vorjahren, eine Weiterentwicklung. Dass der Weg der richtige sei, habe der Applaus gezeigt. Von den Akteuren sei das gigantisch rübergebracht worden. Und er war hin- und hergerissen von der Aktualität angesichts der aktuellen Ereignisse in Bayreuth.


Weitere Aufführungen

"Der Besuch der alten Dame" steht noch an folgenden Tagen um 20.30 Uhr auf dem Spielplan: Freitag, 15. Juli, Samstag, 16. Juli, Samstag, 23. Juli, Samstag, 6. August, Sonntag, 7. August und Freitag, 12. August.

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