Kronach
Theater

Frankenwald-Gymnasium bringt Kästner auf die Bühne

Mit über 100 Mitwirkenden auf und neben der kleinen Studiobühne des Frankenwald-Gymnasiums Kronach verzauberten die Unterstufenschüler in zwei unterschiedlichen Besetzungen und unter der Regie von Stefanie Huber an vier Abenden die Theaterbesucher.
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Herrn Ulrich (Timo Dütsch, rechts) fällt es spätestens beim Fotografieren auf: Die Ähnlichkeit zwischen Lotte (Chiara Mitter, links) und Luise (Lara Stägemeier) kann kein Zufall sein.  Foto: Matthias Schneider
Herrn Ulrich (Timo Dütsch, rechts) fällt es spätestens beim Fotografieren auf: Die Ähnlichkeit zwischen Lotte (Chiara Mitter, links) und Luise (Lara Stägemeier) kann kein Zufall sein. Foto: Matthias Schneider
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Gewisse Veränderungen sind ihnen durchaus aufgefallen, doch eine Erklärung dafür haben sie zunächst alle nicht. Weder die übereifrigen Pädagogen, noch die besten Freundinnen - und selbst die Eltern können sich nicht erklären, warum die sonst so brave Lotte plötzlich kräftig austeilen kann und die draufgängerische Luise zu Hause mit anpackt und in der Schule mit einer tollen Handschrift punktet. Nach und nach lüftet sich das Geheimnis. Am Ende schaffen es Lotte und Luise sogar, ihre Familie wieder zu vereinen.

Seit 1949 begeistert Erich Kästner mit seinem Roman "Das doppelte Lottchen" Jung und Alt. In der vergangenen Woche war das am Frankenwald-Gymnasium nicht anders.
Da präsentierte die Theatergruppe der Unterstufe an insgesamt vier Abenden die bekannte Erzählung in der Bühnenfassung von Henning Bock Popig und entführte somit die zahlreichen Besucher in das bunte Leben im Ferienheim in Seebühl und in die nur scheinbar heile Welt der Erwachsenen.


Aufwand hat sich gelohnt

Die junge Schauspielgruppe meisterte so manches logistische Problem. "In diesem Jahr hatten sich noch mehr Schauspieltalente der 5. bis 7. Klassen als im Vorjahr gemeldet", berichtete Regisseurin Stefanie Huber. Die Lösung lag auf der Hand: Kästners modernes Abenteuermärchen wurde am FWG in zwei komplett unterschiedlichen Besetzungen aufgeführt. Die Folge: An allen vier Abenden begeisterten die jungen Schauspiel-Talente ihr Publikum. "Der damit verbundene Mehraufwand an Probenarbeiten hat sich auf alle Fälle gelohnt. Ich bin hochzufrieden", stellte die strahlende Stefanie Huber nach den Aufführungen fest.

Unterstützung erhielt die Studienrätin wieder von der "Bühnenbild AG" unter der Leitung von Kunstlehrerin Alexandra Reiter. Mit eindrucksvollen Kulissen sowie liebevollen Requisiten und Kostümen entführte man die Zuschauer an die unterschiedlichsten Schauplätze, angefangen mit dem Ferienheim für Kinder in Seebühl am Bühlsee. Da standen sich plötzlich zwei Mädchen gegenüber, die sich zum Verwechseln ähnlich sehen. Nach anfänglichen Zickereien wurde Luise und Lotte klar: Sie sind Zwillinge, die als Kleinkinder nach der Scheidung der Eltern getrennt wurden. Lotte wuchs bei der Mutter in München auf und Luise beim Vater in Wien. Doch warum haben ihre Eltern sie einander verschwiegen? Um alle Rätsel ihrer Verwandtschaft zu lösen, beschlossen Lotte und Luise, die Rollen zu tauschen und so ihre zerrissene Familie wieder zusammenzuführen.

Die draufgängerische Luise fuhr zur unbekannten Mutter nach München, die brave Lotte zum Vater nach Wien. Kein Elternteil bemerkte den Rollentausch. So stellte das Verwechslungsspiel die wohlgeordnete Welt der Mutter ebenso auf den Kopf wie das chaotische Künstlerleben des Vaters, dessen sich anbahnende Ehe mit der kaltherzigen und kinderfeindlichen Irene Gerlach die beiden Zwillinge gerade noch verhindern konnten.

Doch neben dieser unterhaltsamen Seite präsentierte das Unterstufen-Theater auch die kritischen Töne von Kästners Roman. "Schöne Eltern haben wir da!", resümierten Luisa und Lotte, als sie sich über ihre Biografie im Klaren sind. Später, als sie in Wien beziehungsweise München ihre Eltern aufsuchten, bemerkten sie schnell: "Der Vater will nicht und die Mutter kann nicht zu Hause arbeiten." Das Ergebnis ist dasselbe: Die Eltern waren viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als dass sie noch Zeit für den Nachwuchs gehabt hätten.

Ein Blick in das Ferienheim machte deutlich: Mit ihrem Schicksal als Scheidungskinder standen Lotte und Luise nicht alleine da. Da half es, wenn man sich gegenseitig Trost spendete. Von den Eltern fehlte hingegen jede Spur. Und auch die Pädagogen bekamen ihr Fett weg: Die machten sich eher Gedanken über den Zusammenhang von Handschrift und Seelenzustand der Kinder, als sich um die Kinder selbst zu kümmern.

Am Ende feierten Luisa und Lotte ihren Geburtstag zusammen mit Vater und Mutter. Nebenbuhlerin Irene Gerlach hatte die Flucht ergriffen. Auch wenn die Wirklichkeit nicht immer ein derart harmonisches Ende parat hat, machte die Aufführung Mut und Freude zugleich. Das verdeutlichte auch der Applaus an allen vier Abenden, mit dem sich das Publikum bei den Schauspielern und dem großen Team im Hintergrund bedankte.


Die Hauptrollen

Lotte: Luisa Wicklein/Chiara Mitter; Luise: Katharina Schuster/Lara Stägemeier; Vater: Jule Ditsche/Salome Tautorat; Mutter: Julia Franke/Alicia Krause; Frau Muthesius: Anne Schelhorn/Carina Rädisch; Herr Ulrich: Hannah Jakob/Timo Dütsch; Irene Ger lach: Arta Sopjani/Lea Sophie Thüroff; Resi: Lara Panzer/Inga-Carina Zänker; Anni Habersetzer: Maren Haderlein/Kristina Gremer.
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