Stockheim
Fronteinsatz

Frankenwälder flochten für den Krieg

Geschosskörbe aus dem Frankenwald kamen im Ersten Weltkrieg zur Verwendung. Zu Hause wurde der Nachwuchs in Jugendwehren auf den Militärdienst vorbereitet.
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Eine Geschosskorbfabrikation gab es auch in Stockheim in der Puppenfabrik A. Och. Repros: Gerd Fleischmann
Eine Geschosskorbfabrikation gab es auch in Stockheim in der Puppenfabrik A. Och. Repros: Gerd Fleischmann
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Der Erste Weltkrieg mit millionenfachem Leid hatte natürlich auch Auswirkungen auf die Menschen im Frankenwald, die nicht unmittelbar im Fronteinsatz standen. Eiligst wurden Jugendwehren zusammengestellt, so auch in Stockheim, teilweise mit vormilitärischer Ausbildung. Es wurde sogar ein Reichsjugendwehrgesetz geplant, das allerdings nicht verwirklicht werden konnte.

Bereits am 30. Januar 1915 informierte das Königliche Bezirksamt Kronach wie folgt: "Die militärische Ausbildung der Jugend ist jetzt seit zwei bis drei Monaten in den meisten Gemeinden des Bezirks in Betrieb. Gegen 1000 junge Leute sind in 37 Jugendwehren unter 70 Führern tätig. Schöne Erfolge sind schon erzielt worden. Die Opferwilligkeit der Führer und der Eifer der Jungmannschaften verdienen volle Anerkennung. Aber immer noch stehen manche junge Leute abseits.
Auch diese sollten sich beteiligen, im Interesse des Vaterlandes und zu ihrem eigenen Vorteil."

Klar wurde auch genannt, aus welchen Kräften sich die Jugendwehr rekrutieren sollte: "Es gehören in die Jugendwehr alle tauglichen Jungmannschaften der Jahrgänge 1896 bis 1899, ferner die noch nicht Eingezogenen der Jahrgänge 1895 und weiter zurück, endlich die kräftigeren Jungen des Jahrgangs 1900. Für neue Zugänge wird bei jeder Wehr eine Ersatzgruppe oder Ersatzabteilung eingerichtet, die unter einem eigenen Abrichter zunächst gesondert ausgebildet wird, bis sie dann (nach einigen Wochen) in die Gesamtwehr eingestellt werden kann."

Nach den ersten Begeisterungsstürmen - es war damals eine Ehre, für das Vaterland zu kämpfen - machte sich nach den ersten Todesnachrichten Ernüchterung breit. Und die millionenfache Feldpost mit oft schockierendem Inhalt tat ihr Übriges.

Interessant ist eine Meldung vom 14. April 1915 in der Tageszeitung "Fränkischer Wald": "Fünf Söhne des Flößers Andreas Schmidt von Neuses stehen zur Zeit bei den Bayerischen Pionieren; vier davon sind schon am dritten Mobilmachungstag eingerückt und der letzte am 7. des Monats als Landsturmmann. Mögen die fünf wackeren Verteidiger, auf die die Gemeinde Neuses stolz sein kann, gesund wiederkehren." Noch am 13. Juli 1915 ist nachlesbar: "Die glückliche Geburt eines kräftigen Kriegsjungen zeigen hocherfreut an Willy St., Kgl. Gymnasiallehrer, Kgl. Leutnant d. R. und Frau Anny."

15 Millionen Tote

Allerdings blieb es bei solchen frommen Wünschen, denn die Realität war eine andere. Die Totengedenksteine im Landkreis Kronach weisen auf die vielen Opfer - weltweit waren es 15 Millionen - in dieser sinnlosen Völkerschlacht mit neu entwickelten Massentötungsmaschinen hin. Das militärische Geschehen erstarrte vielfach zum sinnlosen Grabenkrieg. Durch Artilleriefeuer starb rund die Hälfte aller Gefallenen im ersten Weltkrieg. Alleine zwei Millionen Deutsche verbluteten an den Fronten, darunter viele Männer aus dem Frankenwald.

Eiligst wurden in Kronach im Hotel "Goldener Wagen", im Katholischen Arbeitervereinshaus sowie im Distriktkrankenhaus Lazarette eingerichtet, in denen verwundete Soldaten behandelt wurden. Alljährlich rief das Königliche Bezirksamt Kronach zu Opfertagen auf, insbesondere für die Kriegsgefangenenfürsorge. Bereits 1916 appellierten die Behörden an die Bevölkerung, insbesondere mit Mehl, vor allem zur Kommunion oder zur Konfirmation, sparsam umzugehen.

Brotkarten und Mahlscheine

"Es wird bestimmt erwartet, dass das Backwerk für den Weißen Sonntag in den engsten Grenzen gehalten wird. Wo das nicht geschieht, werden die nötigen Folgerungen bei der Bemessung der Brotkarten und der Mahlscheine gezogen werden. Das Verschenken von Backwerk an andere Familien außer dem Hause und die Herstellung von Backwerk in dem hierfür bemessenen Umfang ist verboten, Kronach, den 7. April 1916."

Am 28. Juli 1916 war im "Fränkischen Wald" ein Aufruf "Vaterlandsdank", verfasst vom Frauenverein des Roten Kreuzes, Zweigverein Kronach, unterzeichnet von Ida Degen, nachlesbar. Dabei ging es um die Sammlung von entbehrlichen Gold- und Silbergegenständen. "Den tapferen Kriegern zu danken, die unter Aufopferung ihres Lebens unsere Heimat vor den Feinden beschützt haben, ist Ehrenpflicht eines jeden Deutschen. Jeder trage mit dazu bei, das harte Los der Witwen und Waisen jener wackeren Männer zu erleichtern. Die Sammlung Vaterlandsdank nimmt entbehrliche Gold- und Silbergegenstände jeder Art, wie Schmuck, Ringe, Uhr, Tischgerät, Bruchstück von Gold und Silbersachen entgegen. Auch Geldspenden sind erwünscht!"

Zu den kriegswichtigen Erzeugnissen zählten Transportkörbe für Munition. Das Weidengeflecht diente dem Schutz beim Transport der Granaten. Die Geschosskörbe hielten Einzug in den heimischen Dörfern, so unter anderem in Stockheim, Haig, Haßlach bei Kronach und Gundesdorf. Jung und Alt, vor allem Frauen, fanden meistens in den Sälen von Wirtshäusern Beschäftigung. Und vielfach wurden sie fotografisch abgelichtet.

In Stockheim wurde im ehemaligen "Gasthaus zur Post" mit dem Puppenfabrikanten A. Och produziert. Vorübergehende Beschäftigung fanden die Gundelsdorfer in der Ziegelei Marie Gundelsdorf unter der Leitung von Julius Obermeier.

Ausnahmslos Frauen und Kinder mussten in dieser Gemeinde die Flechtarbeiten bewerkstelligen. In Haßlach bei Kronach ließ Adam Reif im Saal des Heinrich Fugmann Geschosskörbe herstellen, wo auch etliche Männer dabei waren.

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