Marktrodach
Landratswahl

Fotos mit Kronachs Bürgermeister lösen Diskussion aus

Wolfgang Beiergrößlein bezieht als Bürgermeister von Kronach Stellung im Landrats-Wahlkampf. Die SPD beäugt dieses Vorgehen mit kritischen Blicken. Fotos in den sozialen Medien haben die Diskussion entfacht.
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Bernd Liebhardt (CSU), Klaus Löffler (CSU) und Wolfgang Beiergrößlein (FW) trafen sich bei einer Veranstaltung in Marktrodach. Darauf machten Fotos im Netz die Runde und sorgten für Diskussionen. Foto: privat
Bernd Liebhardt (CSU), Klaus Löffler (CSU) und Wolfgang Beiergrößlein (FW) trafen sich bei einer Veranstaltung in Marktrodach. Darauf machten Fotos im Netz die Runde und sorgten für Diskussionen. Foto: privat
In Marktrodach herrscht Partystimmung. Mittendrin ist der CSU-Landratskandidat Klaus Löffler. Und Kronachs Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW). Auch Fotos werden gemacht. Sie erscheinen in den sozialen Netzwerken. Fotos, die von einigen Betrachtern als ein Signal für die Landratswahl gedeutet werden. Beziehen die Freien Wähler im Landkreis nun doch Stellung? Brechen sie mit ihrer eigenen Vorgabe, keine Wahlempfehlung abzugeben?

Der Vorsitzende der Freien Wähler auf Kreisebene, Tino Vetter, stellt klipp und klar fest: "Nein!" Sein Kreisverband werde sich in dieser Frage weiterhin zurückhalten. "Bei der Jahresversammlung haben wir deutlich gesagt, dass es keine Wahlempfehlung geben wird", unterstreicht er die Haltung seiner Gruppierung. Doch das beziehe sich eben auf den Kreisverband, nicht auf einzelne Mitglieder. "Wenn Wolfgang Beiergrößlein als Person zu dieser Veranstaltung hingeht, dann ist das sein gutes Recht."


Gräbner: "Es ist seine persönliche Meinung"

Das sieht auch der noch zu nominierende Gegenkandidat Löfflers, Norbert Gräbner (SPD), prinzipiell so. "Es ist seine persönliche Meinung, die kann er haben." Wie es zu dem engen Schulterschluss zwischen Beiergrößlein und Löffler kam, das will er hingegen "unkommentiert lassen".

Eine Antwort darauf gibt Beiergrößlein selbst: "Es war meine persönliche Entscheidung als Bürgermeister. Wir haben schon über Jahre eine gute Zusammenarbeit, deshalb stehe ich hinter Klaus Löffler." An dieser Stelle unterstreicht Beiergrößlein ausdrücklich, dass er auch Norbert Gräbner schon lange kennt und ihn menschlich wie auch in seinem Amt als Marktrodacher Bürgermeister schätzt. "Aber ich erwarte mir von Löffler mehr Synergien", unterstreicht er seine Entscheidung, klar für den CSU-Bewerber Position zu beziehen.


Kreisstadt stark halten

Der Kreisvorsitzende der CSU, Jürgen Baumgärtner, erachtet es als ein "großes Signal", wenn eines der "Flaggschiffe der Freien Wähler" den Unionskandidaten unterstützt. Wie Beiergrößlein, so weist auch er auf die jahrelange Zusammenarbeit der beiden Kommunalpolitiker hin. Dabei nennt er beispielhaft den Bau der neuen Atemschutz-Übungsanlage der Feuerwehr in Kronach; Löffler habe dieses Projekt bereits unterstützt, als er noch kein Kandidat gewesen sei. Gräbner habe hingegen nicht nur in dieser Frage eine Konkurrenzsituation zu Kronach heraufbeschworen. Deshalb sieht es Baumgärtner als legitim an, dass Beiergrößlein in Löffler den besseren Kandidaten aus der Sicht eines Kronacher Bürgermeisters erkennt. "Beide haben das Interesse, die Kreisstadt stark zu halten, während Marktrodach versucht hat, Einrichtungen aus Kronach abzuwerben."

Die SPD hält es hingegen für grenzwertig, dass Beiergrößlein nicht nur als Privatperson, sondern auch als Stadtoberhaupt Stellung für Löffler bezieht. "Ich hoffe, dass diese Position nicht von allen Freien Wählern im Kreis übernommen wird", sagt der Kreisvorsitzende der Sozialdemokraten, Ralf Pohl. Schließlich habe Beiergrößlein als Einzelperson und nicht im Namen der Freien Wähler Partei ergriffen.


Wirklich ein "Freier" Wähler?

Dass es dazu kam, macht Ralf Pohl am engen Miteinander von CSU und FW im Kronacher Stadtrat fest. Er denkt aber auch zurück an die Festlegung der Landratsstellvertreter, wo Beiergrößlein zum Zug gekommen ist. "Vielleicht war das jetzt eine Gegenleistung. Das würde mir plausibel erscheinen", spekuliert Pohl.
Genau hier hakt auch Sven Schuster ein. Der Fraktionsvorsitzende der SPD im Kronacher Stadtrat fragt sich angesichts der jüngsten Entwicklung zwischen Löffler und Beiergrößlein, "wie frei dieser Freie Wähler noch ist". Privat könne Beiergrößlein natürlich tun, was er für richtig halte. Da in diesem Fall aber das Amt des Stadtoberhaupts mit der Wahlempfehlung verknüpft wird, hält Schuster die Handlungsweise für "verwunderlich und fragwürdig". Er wird deutlich: "Beiergrößlein hat jährlich das Überparteiliche gepredigt - das war dann wohl doch mehr Wein als Wasser."

Schon angesichts der Ungewissheit, mit welchem Landrat man als Stadtoberhaupt künftig zusammenarbeiten muss, sieht Schuster keinen positiven Effekt für eine Kommune darin, wenn sich ihr Bürgermeister auf die Seite eines Kandidaten schlägt. Dieser müsse sich sonst schon fragen, ob er sich durch sein Verhalten nicht etwas verbaue.

Weiter befürchtet der Sozialdemokrat, dass die Freien Wähler durch diese Handlungsweise mit ins Boot gezogen werden. Beiergrößlein lasse sich als zentrale Figur der FW in dieser Hinsicht nicht von der Gruppierung trennen. Und er zweifelt an der Auslastung des Bürgermeisters: "Viele Projekte von 2015 sind noch nicht umgesetzt, der Haushalt 2016 ist noch nicht diskutiert - da hätte Beiergrößlein wohl Besseres zu tun, denn als Wahlhelfer aufzutreten."


Nicht zu viel hineininterpretieren

CSU-Kandidat Klaus Löffler möchte den "Ball flach halten". Er kenne Beiergrößlein seit ewigen Zeiten und pflege ein sehr freundschaftliches Verhältnis zu ihm. Auf dieser Basis sei auch das Zusammentreffen in Marktrodach zu Stande gekommen. Ob darin eine Wahlempfehlung zu erkennen sei, wolle er nicht beurteilen. Für ihn sei es in erster Linie ein Treffen mit einem Freund gewesen.





Kommentar von Alexander Löffler

Deutliches Signal

Während die CSU bereits im November ihren Landratskandidaten Klaus Löffler nominiert hat und sich aktuell voll im Wahlkampfbetrieb befindet, hat die SPD den Standby-Modus noch nicht ablegen können. Dass jetzt mit Wolfgang Beiergrößlein der führende Kopf der Freien Wähler so deutlich Stellung bezieht, mag auch daran liegen, dass die CSU bei der Bürgermeisterwahl in Kronach Beiergrößlein unterstützt hatte. Doch wie dem auch sei, gefallen wird es der SPD mit Blick auf die Landratswahl sicherlich nicht. Immerhin ist Beiergrößlein als Bürgermeister der Stadt Kronach und als weiterer Stellvertreter des Landrates das politische Schwergewicht der Freien Wähler. Und obwohl diese keine Wahlempfehlung sehen wollen, so ist es dennoch ein deutliches Statement mit Signalwirkung nach außen. Aber wo bleibt eigentlich die SPD? Will sie nicht vorzeitig den Anschluss verlieren, muss sie nun endlich in die Gänge kommen und Vollgas geben. Die Nominierung von Gräbner wäre nur ein Anfang.

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