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Neukenroth
Geschichte

Flammen bedrohten Gotteshaus

1906 wurden in Neukenroth Schule, Theaterhaus sowie sieben Scheunen mit Nebengebäuden eingeäschert. Am kommenden Samstag jährt sich das Unglück.
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Die verheerende Feuersbrunst im Jahre 1906 hatte in Neukenroth ein Bild des Schreckens hinterlassen. Links zu erkennen sind Reste des abgebrannten Schulhauses, dahinter die örtliche Kirche St. Katharina sowie das Pfarrhaus. Rechts sind ein Teil der niedergebrannten Scheunen und Nebengebäude zu sehen.  Repro Gerd Fleischmann
Die verheerende Feuersbrunst im Jahre 1906 hatte in Neukenroth ein Bild des Schreckens hinterlassen. Links zu erkennen sind Reste des abgebrannten Schulhauses, dahinter die örtliche Kirche St. Katharina sowie das Pfarrhaus. Rechts sind ein Teil der niedergebrannten Scheunen und Nebengebäude zu sehen. Repro Gerd Fleischmann
Am 3. Dezember 1906 äscherte ein Großfeuer in der damals 900 Einwohner zählenden Gemeinde Neukenroth das Schulhaus, das Theaterhaus sowie sieben Scheunen mit Nebengebäuden ein. Die verheerende Feuersbrunst bedrohte sogar das Gotteshaus St. Katharina. Nur durch das schnelle und beherzte Eingreifen der Freiwilligen Feuerwehr Neukenroth mit Kommandant Johann Porzelt konnte damals an der Kirche größerer Schaden vermieden werden.
Die 1873 gegründete örtliche Freiwillige Feuerwehr hatte vor 110 Jahren ihre erste große Bewährungsprobe zu bestehen. Die Wehrmänner waren lediglich mit drei Handspritzen ausgerüstet. Chancenlos standen sie dem Inferno gegenüber. Lediglich der Objektschutz machte Sinn. Denn innerhalb weniger Minuten brannten Scheunen und Nebengebäude lichterloh - sie waren mit Heu und Stroh bis obenhin gefüllt. Ein starker Wind begünstigte noch die Katastrophe. Dadurch hatte der "Rote Hahn" leichte Arbeit.


Zifferblatt rußgeschwärzt

Neben den Nachbarwehren zeichneten sich auch die Kronacher durch einen tatkräftigen Einsatz aus. Schließlich konnte mit vereinten Kräften der stattliche Kirchenbau vor den Flammen gerettet werden. Dass große Gefahr drohte, geht schon alleine aus der Tatsache hervor, dass das Zifferblatt der Kirchenuhr rußgeschwärzt war.
Relativ schnell konnte die Ursache der Feuersbrunst aufgeklärt werden. Der Grund war Brandstiftung. Zwei Neukenrother Burschen, die sich rächen wollten, weil man ihnen keinen kostenlosen Eintritt in das seinerzeitige Dorftheater gewähren wollte, legten das Feuer. Der Ausruf "Die 30 Pfennige werden dem "Kratzn-Gilling" noch teuer zu stehen kommen" wurde den Brandstiftern zum Verhängnis. Sie wanderten vier beziehungsweise fünf Jahre ins Gefängnis. Ebenfalls wurde ihnen Ehrverlust zudiktiert. Nach Abbüßung der Strafe wanderten die Übeltäter aus, denn die Neukenrother waren aus verständlichen Gründen ziemlich sauer auf ihre "schwarzen Schafe".
Für die Kommune bedeutete die Katastrophe einen überaus harten Schlag, wurde doch das 1847 für 5020 Gulden erbaute Schulhaus total vernichtet. Zuletzt beherbergte die Bildungsstätte 131 Schüler. Allerdings hatte bereits am 27. Mai 1905 das damalige königliche Bezirksamt Kronach den Bau eines neuen Schulhauses angeregt. Die Gemeindeväter erklärten das Vorhaben für nicht notwendig und verlangten Nachsicht, bis sich der Schülerstand herabgemindert habe. Ein hoher Schuldenberg war seinerzeit alles andere als populär. Mit dem Unglück ergab sich nun über Nacht eine völlig neue Situation. Ein Neubau war nun nicht mehr zu umgehen.


30 400 Reichsmark

Bis zur Fertigstellung musste der Neukenrother Nachwuchs vorerst mit der Gastwirtschaft Eidloth (kleine Schule) und mit der Gastwirtschaft Fillweber (große Schule) vorlieb nehmen. Mit einem Kostenaufwand von 30 400 Reichsmark wurde die neue Schule am 2. Januar 1908 ihrer Bestimmung übergeben.
Auch für Pfarrer Kaspar Koch, der von 1896 bis 1911 im Neukenrother Pfarrsprengel segensreich gewirkt hatte, bedeutete der Brand ebenfalls eine herbe Enttäuschung. Für die Kirchenrenovierung um die Jahrhundertwende musste nämlich viel Geld aufgebracht werden. Alle möglichen Finanzierungsquellen galt es zu erschließen.
Das künstlerische Theaterspiel bot sich dafür förmlich an. Schließlich wurde diese kulturelle Einrichtung von der Bevölkerung gerne angenommen, denn das damalige Freizeitangebot war mehr als bescheiden. Mit dem Theater hatte es sehr gut geklappt bis zum 3. Dezember 1906, dem besagten Unglückstag. Danach war die Welt in Neukenroth nicht mehr in Ordnung. Mit dem gewaltigen Großfeuer kehrten viel Kummer und Sorgen ein. Betroffen waren insbesondere die Anwesen Georg Lieb, Fritz Hofmann, Johann Daum, Carl Heubach, Wagner und Kunzelmann.


Steine fürs Leichenhaus

Die Überreste des abgebrannten Schulhauses, und zwar die großen Sandsteine, fanden Verwendung für den späteren Leichenhausbau. Dem seinerzeitigen Lehrer Johann Ochs - er unterrichtete von 1900 bis 1919 den Nachwuchs - ist es zu verdanken, dass die Stätte des Schreckens fotografisch festgehalten wurde.

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