Steinwiesen
Wanderausstellung

Fit bleiben trotz Einschränkung ist gar nicht so schwer

Selbsthilfegruppen machen mit einer Exposition auf ihre Arbeit aufmerksam. Bei der Eröffnung der letzten Station in Steinwiesen sprach Christine Fuchs darüber, wie wichtig Bewegung für Körper und Geist ist.
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Christine Fuchs stellte Übungen mit einem Theraband vor.  Foto: Heike Schülein
Christine Fuchs stellte Übungen mit einem Theraband vor. Foto: Heike Schülein
"Ich habe einen Rest vom Körper. Der ist gesund, den muss ich fordern", sagt Christine Fuchs. Die 31-Jährige, die aus Zeyern kommt, ist seit einem schweren Verkehrsunfall im März vergangenen Jahres, bei dem ihr linker Unterarm zertrümmert wurde, gehandicapt. Vor dem Unfall hatte sie intensiv Sport betrieben, mit dem Mountainbike fuhr sie sogar bei europaweiten Radrennen mit. Von einem Augenblick auf den anderen änderte sich ihr Leben vollkommen.


Boden weggezogen


"Der Unfall zog mir den Boden unter den Füßen weg - beruflich, sportlich und privat", gesteht Christine Fuchs bei der Eröffnung der Wanderausstellung "Selbsthilfe (m)eine Chance" in Steinweisen. Auch ihren erlernten Beruf als Bürokauffrau könne sie seitdem nicht mehr ausüben. Dass sie sich wieder "aufraffen" konnte, verdanke sie insbesondere dem Sport.


"Man kann immer etwas machen, auch wenn man körperlich eingeschränkt ist. Es ist sehr wichtig, Sport zu treiben und sich trotz Einschränkungen zu bewegen. Man darf den Rest des Körpers nicht vergessen", appelliert Fuchs, die sich in diesem Bereich auch beruflich neu orientieren möchte. Das Wichtigste sei die Erkenntnis, dass man etwas machen müsse. Danach gelte es nur noch durchzuhalten.

In ihrem sehr interessanten Power-Point-Vortrag im katholischen Pfarrheim gibt sie einen Überblick über Muskulatur, Knochenbau und daus Herz-Kreislauf-System, zeigt eindrucksvoll die Wirkung körperlicher Aktivitäten auf das Gehirn und das Selbstvertrauen. Schließlich gibt sie Tipps für ein sinnvolles Training.

"Wenn wir unseren Körper nicht gebrauchen und fordern, verkümmert er - ähnlich wie bei einem Auto, das ein Jahr nicht genutzt wird, ein Standschaden entsteht", so Christine Fuchs. Zu einem gesunden Körper gehöre ein gesunder Geist. Wenn man seinem Körper Gutes tue, wirkt sich das auch auf den geistigen Zustand und das Gehirn aus", appelliert sie.


Gehirn ist wie ein Computer


Das menschliche Gehirn verhalte sich ähnlich wie ein Computer, der bei Überlastung irgendwann abstürze. "Je mehr Gedanken man sich macht und je mehr das Gehirn verarbeiten muss, desto langsamer arbeitet es, bis es schließlich überfordert ist", sagt sie. Sportliche Betätigungen sorgten dafür, den Kopf freizubekommen. Dies sei wissenschaftlich bewiesen. Durch Sport werde das Gehirn stärker durchblutet, also mit Sauerstoff und Energie versorgt. Überschüssige, überflüssige Gedanken würden ebenso abgebaut wie Stresshormone. Man habe andere Gedankengänge. Zudem helfe es gegen Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Schlafstörungen. So sei Sport bei depressiven Erkrankungen und psychosomatischen Krankheiten ein wichtiges Thema. Regelmäßiges Training stärke auch das Selbstvertrauen. Man werde stolz, wenn man das, was man sich vorgenommen habe, auch durchhalte. Man wirke selbstbewusster und offener auf andere Menschen. Nicht zuletzt lenke der Sport auch von Schmerzen ab. "Nach dem Unfall musste ich neun Monate lang jeden Tag 13 Tabletten nehmen. Ich weiß, was Schmerzen sind", verhehlt sie nicht. Die Bewegung habe sie von ihren Schmerzen abgelenkt.

Optimal sei eine regelmäßige körperliche Betätigung von täglich 30 Minuten. Auch körperlich eingeschränkte Menschen könnten gut mit einen Theraband, Hanteln oder Gymnastikbällen Sport treiben. Geeignete Sportarten für Ausdauertraining und Muskelaufbau seien Radfahren, Wandern, Joggen, Schwimmen, Walking oder Skilanglauf. Für einen gesunden Körper müsse man nicht unbedingt gezielt Sport machen oder ins Fitness-Studio gehen. Vielmehr gelte es, den "inneren Schweinehund" zu überwinden. Die Tagesschau abends könne man ebenso auf einer Gymnastikmatte schauen und dabei Übungen machen. Beim Einkaufen brauche man nicht den Parkplatz direkt vor der Eingangstüre zu wählen, sondern den etwas weiter entfernten. Fahre man zum Essen, könne man einen Kilometer vom Gasthaus entfernt parken.


In der Gruppe macht es Spaß


"Es geht um ein aktives Leben im allgemeinen", ermuntert sie. Man müsse es wollen, nicht um abzunehmen oder um schöner zu werden, sondern aus gesundheitlicher Sicht. Gut sei es, mit dem Partner oder in der Gruppe zu trainieren - beispielsweise in der VHS, wo es tolle Angebote gebe, die teilweise sogar von der Krankenkasse bezahlt würden.

Mit dem Stadtumbaumanagement wurde vereinbart, dass die Räumlichkeiten im Gerberhaus Steinwiesen am 17. November von 14 Uhr bis 16 Uhr geöffnet sind. Ansonsten können die Rollups bis zum 20. November größtenteils nur von außen durch die Scheiben angeschaut werden. Sie zeigt Menschen, die von einer Krankheit, Sucht oder Lebenskrise betroffen sind. Betroffene, die erkannt haben, dass Resignation, Trauer und Rückzug zu überwinden sind, die Gleichgesinnte in Selbsthilfegruppen gefunden haben.



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