Kronach
Kultur

Kronacher Rosenberg-Festspiele: Stadt zieht Bilanz

Am Sonntag endete die diesjährige Festspielsaison und mit Spannung wird ein Fazit erwartet.
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Petruchio (Hardy Kistner) und Katharina (Heidemarie Wellmann) zeigten in "Der Widerspenstigen Zähmung", ihre Spiellaune. Foto: Matthias Hoch
Petruchio (Hardy Kistner) und Katharina (Heidemarie Wellmann) zeigten in "Der Widerspenstigen Zähmung", ihre Spiellaune. Foto: Matthias Hoch
Es war doch eine ganze Menge, was auf die Verantwortlichen der Rosenberg-Festspiele in kurzer Zeit zukam: Neuer Name, neues Konzept, neue Intendantin. "Ich hatte schon die Luft angehalten", sagt Kronachs Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein rückblickend. "Nicht, weil ich gezweifelt hatte, sondern wegen der Sorge, die Stücke könnten nicht angenommen werden." Daher sei er nach den Gala-Premieren und den Reaktionen des Publikums auch äußerst erleichtert gewesen.

Die Stadt hatte sich im vergangenen Herbst von ihrem langjährigen Intendanten Daniel Leistner und gleichzeitig vom Namen Faust-Festspiele getrennt. Für die neu geschaffenen Rosenberg-Festspiele sollten im Freilichttheater auf der Kronacher Festung nun auch professionelle Schauspieler eingesetzt werden. Alles unter der Aufsicht von Heidemarie Wellmann - die nicht nur zwei große Rollen spielte, sondern auch die Regie aller drei Stücke übernahm. Einem mehr als vorgesehen. Denn der für das heuer erstmals eingeplante Kinderstück "Die kleine Hexe" vorgesehene Regisseur Ulrich Allroggen sagte aus privaten Gründen in letzter Minute ab. Kein Wunder, dass der Bürgermeister kurz nach Luft schnappte. "Jetzt kann ich die Luft aber wieder rauslassen", sagt Beiergrößlein erleichtert.


Vertrag wird verlängert

Was Wellmann "in der Kürze zusammengestrickt" hat, habe ihn begeistert. "Es kam kein Bruch, sondern Stabilität rein", so 61-Jährige. Obwohl er für inhaltliche Aspekte wohl der falsche Ansprechpartner sei, ziehe er ein zufriedenes Fazit: "Da orientiere ich mich an meiner Frau, die hat da deutlich mehr Ahnung von."

Persönlich sei er jedenfalls sehr zufrieden. Die Folge: Der Vertrag mit Heidemarie Wellmann soll - wie es bei den Festspielen üblich ist - um ein Jahr verlängert werden. Das habe er der neuen Intendantin bereits in einem Vier-Augen-Gespräch mitgeteilt. "Aber in der Entscheidung möchte ich den Stadtrat mitnehmen", erklärt der Bürgermeister mit Blick auf die kommende Sitzung am 26. September. Dort sollen auch Regie, Stücke und der Spielplan für das kommende Jahr beschlossen werden.

Nun müsse Wellmann erklären, ob sie dazu bereit sei, die künstlerische Verantwortung erneut zu übernehmen sowie festzulegen, wer in den kommenden Stücken Regie führen und welche Schauspieler erneut gebucht werden sollen. Das genaue Vertragswerk möchte Beiergrößlein mit Wellmann dann nach seinem dreiwöchigen Urlaub durchgehen, in den er heute startet.

Doch die Frage nach den Schauspielern sei erst der dritte Punkt, der angegangen werden müsse, erklärt Tourismus-Chefin Kerstin Löw, die vor allem für die kaufmännische Seite der Festspiele verantwortlich ist. Welche Schauspieler im kommenden Jahr wieder mit dabei seien, hänge auch davon ab, welche Stücke gespielt werden. "Das muss unser erster Schritt sein", sagt Löw. "Wichtig sind auch die Vermarktung und der Spielplan, denn wir wollen in die Kataloge der Reiseunternehmen reinkommen."

Sieben Reiseveranstalter seien daher zuletzt zu Gast gewesen und haben sich neben der Stadt auch die Festspiele zeigen lassen. "Es gibt so viele Laien-Freilichttheater, da wollen wir uns neben den Luisenburg-Festspielen in Wunsiedel als zweiter Standort etablieren." Ziel sei es, die Auslastung weiter zu steigern. Der Sprung von 60 auf bis 67 Prozent könne nur der Anfang sein.

"Wir wollen weiter wachsen. Da ist auf jeden Fall noch Luft nach oben", sagt die Tourismus-Chefin. 9800 Tickets seien es letztlich gewesen, die für die 22 regulären Veranstaltungen über den Ladentisch gingen. Inklusive der öffentlichen Generalproben und zweier Exklusivveranstaltungen für Radiosender sahen 12 600 Zuschauer Friedrich Dürrenmatts "Der Besuch der alten Dame", William Shakespeares "Der Widerspenstigen Zähmung" sowie Otfried Preußlers Kinderstück "Die kleine Hexe".


30 000 Euro Defizit

2015 waren es in sieben Vorstellungen mehr als heuer 12 340 zahlende Gäste, die den Weg auf die Festung fanden. "Wir hatten die Spielzeit ja extra verkürzt, um mehr Zuschauer in die Aufführungen zu bringen", so Löw. Ihr Budget habe sie eingehalten. Ohne Verwaltungs- und Personalkosten betrage das Defizit rund 30 000 Euro: "Das war so auch im Wirtschaftsplan des Tourismusbetriebs eingeplant."

Genauere Zahlen könne sie aber nicht nennen, da die Buchhaltung sechs Wochen verzögert arbeite. "Ich habe jetzt erst die genauen Auswertungen vom Juni auf meinem Schreibtisch", erklärt Löw, die ebenso wie der Bürgermeister zufrieden ist. "Es war ein anstrengendes Jahr, aber das viele Lob war für mich eine Art persönliche Befriedigung."
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