Friesen
Fast vergessen-Serie

Fast vergessen: Schwerer Sturm ließ Marter einstürzen

Eigentlich wurde die Marter in der Winterleithe aber durch die zur Verbindung der Einzelteile eingesetzten Eisendübel zerstört. Sie hatten den Sandstein zersprengt.
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Hier Überreste der eingestürzten Sandsteinmarter, datiert aus dem Jahre 1973  Foto: Archiv Roland Graf
Hier Überreste der eingestürzten Sandsteinmarter, datiert aus dem Jahre 1973 Foto: Archiv Roland Graf
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Eines von vielen romantischen Tälern des Frankenwaldes erstreckt sich von Friesen ausgehend in Richtung Roßlach. Es ist das Remschlitztal, das von steilen Berghängen flankiert nach dem Ort Roßlach immer enger wird, bis schließlich die Straße endet und nur noch der Wanderer weiterziehen kann. Wer in dieses Tal von Friesen aus einfährt, der erreicht zwischen Friesen und Roßlach an der rechten Hangseite die Anwesen des Weilers Winterleithe. Die einstigen Bauernhöfe sind von alten Streuobstwiesen umgeben und als Besonderheit besitzen drei der Anwesen eine eigene Sandsteinmarter.


Neue Säule musste her

Heute stehen die Martern wieder alle drei intakt in der Flur, was nicht immer so war. Denn eine lag im Jahre 1973 eingestürzt und zertrümmert am Boden. Wie der Besitzer mitteilte, habe sie ein schwerer Sturm umgeworfen. Eigentliche Ursache waren die zur Verbindung der Einzelteile eingesetzten Eisendübel, die den Sandstein zersprengt und das Flurdenkmal in einen desolaten Zustand versetzt hatten. Der Säulenschaft war beim Einsturz in viele Kleinteile zersplittert und nicht mehr zur reparieren. Um der Marter wieder ihr ursprüngliches Aussehen zu geben, musste somit eine neue Säule geschaffen werden.

Um die Wiederherstellung des Flurdenkmales durchführen zu können, half diesmal eine glückliche Konstellation zwischen dem Besitzer Familie Förtsch, dem Kreisheimatpfleger und den ehrenamtlichen Mithelfern, denn sie alle waren aktive Mitglieder im Frankenwaldverein Ortsgruppe Roßlach-Friesen.

Einig war man sich darüber, dass die Marter wieder am alten Standort aufgestellt werden solle. So suchte man gemeinsam nach einer gangbaren Lösung. Nach reiflicher Überlegung erklärte sich der Obmann der Ortsgruppe, Baptist Geiger, dazu bereit, als "Winterarbeit" eine neue Säule aus heimischem Sandstein zu schaffen. Dies war mutig, denn schließlich war er kein gelernter Steinmetz oder Bildhauer. Mit seiner Zusage stand jedoch fest, dass einer Wiederherstellung nichts mehr im Wege stand.


Neues Fundament geschaffen

Am 22. Juni 1974 war der große Tag der Wiedererrichtung gekommen, an dem die drei Einzelteile der Marter zusammengebaut werden sollten, nachdem schon Wochen vorher der Besitzer Josef Förtsch ein neues Fundament geschaffen hatte. Um die zentnerschweren Einzelteile heben und positionieren zu können, bedienten sich die Mithelfer diesmal eines Frontladers, was dem Fahrer ein hohes Maß an Fingerspitzengefühl abverlangte. Als schließlich das letzte Teil, der Aufsatz, auf der neuen Säule aufgesetzt war, zeigte sich, welch anmutiges Flurdenkmal für unsere Heimat erhalten worden ist.

An den vier Seiten des Sockels befinden sich sogenannte Diamanten und datieren die Entstehungszeit der Marter ins 17./18. Jahrhundert. Aufgesetzt auf die glatt gearbeitete Säule erhebt sich ein quadratischer Aufsatz mit vier Giebelabschlüssen, was für unsere Gegend untypisch ist. Häufig zu finden sind solche viergiebligen Aufsätze in den Kreisen Rhön-Grabfeld.

In den eingetieften, rundbogigen Nischen der Marter befanden sich einst bemalte Blechtafeln mit den Darstellungen von Heiligen. An die abgegangenen Tafeln erinnerten die jeweiligen Dübellöcher, die zur Befestigung der Heiligenbilder dienten.


Dübellöcher mit Münzen belegt

Als letzte Arbeit und als Referenz an die Zeit der Restaurierung und Wiederaufstellung belegte man die Dübellöcher mit verschiedenen Münzen aus unserer Zeit.

Mit einer deftigen Brotzeit, zu welcher der Besitzer alle Mithelfer eingeladen hatte, fand die Wiedererrichtung der restaurierten Marter in der Winterleithe ihren Abschluss.

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