Kronach
Interview

Elektromobilität in Kronach: Das Problem mit der Steckdose

Mit Strom statt Benzin fahren ist, die Vision von Politik. Wie Staat und Kommunen dabei zusammenarbeiten müssen und für wen sich ein Elektroauto lohnt.
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Öffentliche Ladesäulen für Elektroautos sind gerade in Kronach schwer zu finden. Foto: Jutrczenka, dpa
Öffentliche Ladesäulen für Elektroautos sind gerade in Kronach schwer zu finden. Foto: Jutrczenka, dpa
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Ab 2030 sollen keine Benzinautos mehr zugelassen werden. Das forderten zumindest die Grünen. Zur gleichen Zeit sollen auch sechs Millionen Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen fahren, schlug die Kanzlerin einst vor. Bislang läuft der Verkauf von Elektroautos in Deutschland aber schleppend. Nur knapp 10 000 Neuzulassungen gab es im vergangenen Jahr bis Ende November, bei insgesamt 3,1 Millionen Neuwagen. Frank Lechner, Leiter des Umwelt- und Energiereferats der IHK Oberfranken hält nicht viel von solchen Forderungen. Im Interview spricht er auch über kommunale Aufgaben und das Zögern der Autoindustrie.

Herr Lechner, welches Auto fahren Sie privat?
Frank Lechner: Ich fahre einen Toyota Aygo.

Und warum kein Elektroauto?
Weil die Rahmenbedingungen bei uns nicht passen. Die Elektroautos sind zu breit für unsere Auffahrt. Und jene, die passen würden, sind vom Innenraum zu klein und daher für eine Familie ungeeignet.

Was sind die Vorteile von Elektroautos?
Sie werden immer wirtschaftlicher. Man kann selbsterzeugten Strom verbrauchen. Der kostet acht Cent, während der Liter Benzin etwa 1,40 Euro kostet. Jeder meiner Kollegen, der ein Elektroauto fährt, ist davon überzeugt. Man muss nur die entsprechende Erwartungshaltung haben und mit den Einschränkungen zufrieden sein.

Und Sie sind noch nicht so überzeugt?
Die Batterietechnologie wird große Fortschritte machen. Deswegen wird der Nachfolger sicher ein Elektroauto sein.

Ich nutze mein Auto hauptsächlich, um zur Arbeit zu fahren. Täglich rund 120 Kilometer. Wie würden Sie mich überzeugen, ein Elektroauto zu kaufen?
Sind Sie Mieter oder Hausbesitzer?

Mieter.
Im eigenen Haus kann man ganz andere Rahmenbedingungen schaffen. Etwa mit einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach oder man baut seine eigene Ladestation. Wenn man aber zur Miete wohnt, wo soll man das Auto denn da anstecken?

Das heißt, ich habe schlechte Karten?
Ja.

Man bräuchte also erst ein eigenes Haus, um dann ein Elektroauto zu kaufen?
Man braucht zumindest einen Vermieter, der diese Rahmenbedingungen schafft. Der Gesetzgeber ist auch dabei, im Neubaubereich gewisse Vorschriften aufzusetzen, damit man gleich solche Ladestationen mit vorsieht. Aber in Ihrem Fall ist das, denke ich, nicht zu empfehlen.

Für wen könnte sich ein Elektroauto heute schon lohnen?
Das hängt natürlich vom Fahrverhalten ab. Wenn die Pendelstrecken immer größer werden - gerade vom ländlichen Raum in die Ballungszentren - dann ist das mit Elektroautos nicht möglich. Da müssen auch die Unternehmen mitspielen und etwa Ladestationen anbieten. Nur in diesem Kontext wird man eine gewisse Elektromobilität im ländlichen Raum verbreiten können. In der Stadt müsste es bei den Kurzstrecken und der Ladeinfrastruktur kein Problem mehr sein. Das Elektroauto kann aber den Benziner in den Städten in diesem Umfang nicht ersetzen. Die Frage ist aber auch, ob man in großen Städten überhaupt noch ein eigenes Auto braucht.

Im Landkreis Kronach gibt es wenige öffentliche Ladestation. Im Kreisausschuss wurde kürzlich die Meinung geäußert, Elektromobilität sei eine Aufgabe des Staates und der Wirtschaft - keine kommunale. Sind Sie damit einverstanden?
Es kommt auf einen gesunden Mix an. Der Staat schafft die Vorgaben, zum Beispiel bevorzugte Parkplätze in der Innenstadt nur für Elektroautos. Oder die Prämie für den Kauf von Elektroautos - diese hilft leider nicht viel, aber es ist schon ein Ansatz.

Sollten sich die Kommunen also beteiligen?
Die Kommunen müssten im Rahmen der Städtebauförderung schon Impulse geben, indem man etwa im ländlichen Bereich die Ladesäulen installiert.

Welche Impulse könnten die Kommunen geben?
In Oberfranken gibt es schon gute Beispiele, wie die Elektromobilität nach vorne gebracht werden kann. Insbesondere in Bamberg geht das schon ganz gut. Es gibt fast überall Ladesäulen und das E-Car-Sharing. Damit regt man auch den Bürger zum Nachdenken an.

Was könnte speziell der Landkreis Kronach noch verbessern?
Eine vergleichbare Anlaufstelle für Kronach wäre von Vorteil. Oder das Regionalmanagement Kronach könnte das Thema mit aufnehmen.

Angela Merkel hat ein Ziel ausgegeben: Bis 2020 sollen eine Million Elektroautos in Deutschland fahren. Außerdem forderten die Grünen, ab 2030 keine Benzinautos mehr zuzulassen. Ist das realistisch?
Ich nehme an, damit kommt man nicht zum Ziel. Die Rahmenbedingungen müssen so gesetzt werden, dass es zwangsläufig in diese Richtung laufen wird. Da sind mir noch zu wenige Impulse da. Möglicherweise traut sich keiner an die Benzinfahrzeuge heran, weil so viel Arbeitsplätze damit zusammenhängen. Man muss ganz klar sagen, dass man diese Arbeitsplätze nicht eins zu eins auf den Bau von Elektroautos ummünzen können wird. Da wird vermutlich die Hälfte auf der Strecke bleiben.

Wehrt sich die Automobilindustrie also dagegen?
Ja, es sieht so aus.

Wäre es eine Überlegung, Elektroautos als Dienstwagen zu nutzen?
Das ist mit Sicherheit eine Überlegung. Aber das wird bei uns im Haus kontrovers diskutiert. Die IHK ist schließlich dazu verpflichtet, sehr effizient mit den Mitgliedsbeiträgen umzugehen. Die hohen Investitionskosten schrecken ab - andererseits haben wir eine gewisse Pionier- und Vorbildfunktion. Für Außendienstler, die täglich 200 Kilometer unterwegs sind, wäre ein Elektroauto allerdings schwierig.

Plant die IHK in Kronach spezielle Veranstaltungen zu diesem Thema, um die Bürger mehr auf Elektromobilität aufmerksam zu machen?
Im Fokus unserer Aktivitäten stehen unsere Mitgliedsunternehmen. Deswegen führen wir keine Veranstaltungen für die Bürger als Zielgruppe durch. Die nordbayerischen Kammern bündeln Ihre Aktivitäten im IHK-Innovations- & AnwenderClub Elektromobilität. Die Veranstaltungsorte wechseln und so wäre auch im Landkreis Kronach eine Veranstaltung möglich.

Die Fragen stellten Dominic Buckreus und Pia Schmitt.

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