Kronach
Prozess

Einige Zweifel und ein Teilgeständnis

Ein 40-jähriger Angeklagter räumte vor dem Landgericht Coburg ein, seine minderjährige Cousine unsittlich berührt zu haben. Alle anderen Vorwürfe stritt er ab. Ein psychologisches Gutachten nährt die Skepsis am Wahrheitsgehalt der Aussagen des Mädchens.
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Im Strafverfahren gegen einen 40-Jährigen aus dem nördlichen Landkreis Kronach, dem vorgeworfen wird, seine damals erst 13 Jahre alte Cousine mehrfach sexuell missbraucht zu haben, wurde auch am dritten Verhandlungstag noch kein Urteil gefällt. Allerdings meldete sich der Angeklagte nun erstmals selbst zu Wort und legte ein Teilgeständnis ab. Gleichzeitig wuchsen jedoch auch die Zweifel am Wahrheitsgehalt der Aussagen des Mädchens, die als Nebenklägerin auftritt.

Der 40-Jährige räumte ein, das Mädchen einmal unsittlich berührt zu haben. Sie habe dabei seine Hand geführt und sich nicht dagegen gewehrt, von ihm auch im Intimbereich gestreichelt zu werden. Zum Sex sei es aber entgegen der Anklage zu keinem Zeitpunkt gekommen, auch habe es sonst keine erneuten Berührungen oder andere sexuelle Handlungen gegeben. Das Mädchen sagte aus, insgesamt sechs Mal an zwei verschiedenen Wochenenden vom Angeklagten in dessen Wohnung missbraucht worden zu sein, fünf Mal soll es dabei zum Sex gekommen sein. Die Ehefrau des Angeklagten soll von all dem nichts mitbekommen haben, obwohl sie sich zu den jeweiligen Zeiträumen im Herbst 2010 stets in der gemeinsamen Wohnung aufgehalten hatte.

Internet-Chat


Polizeibeamte beschafften mittlerweile den Verlauf eines Internet-Chats zwischen dem Angeklagten und dem Mädchen, der dem Gericht bis dahin noch nicht vorgelegen hatte.
Darin schrieben die beiden größtenteils über Belangloses, allerdings entschuldigte sich der Angeklagte für sein Handeln. Allerdings ist in dem Chat nichts von einer Drohung des Angeklagten an seine Cousine zu finden, wie auf Grund einer Zeugenaussage vermutet werden konnte. Das Mädchen wurde daraufhin erneut vom Gericht befragt, diesmal jedoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Schließlich wurde am dritten Verhandlungstag auch das psychologische Gutachten verlesen, das auf die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Mädchens abzielt. Die sachverständige Psychologin Christa Lang äußerte darin Zweifel an den Aussagen der heute 15-Jährigen und offenbarte einige Widersprüchlichkeiten. Es gebe daher keine Möglichkeit, die "Erlebnisbezogenheit der Aussagen psychologisch nachzuweisen", sagte Lang. Die unzureichende Qualität der Aussagen sei nicht mit intellektuellen Defiziten zu erklären. Auch die Feststellung selbstverletzender Handlungen bereits vor den Vorfällen im Herbst 2010 deutet wohl darauf hin, dass das Mädchen bereits zuvor psychische Probleme hatte. Sie hatte sich wiederholt an den Armen geritzt.

Familiäre Probleme


Dies bekräftigte auch eine Psychotherapeutin, bei der das Mädchen in Behandlung war. Sie habe dort häufig von familiären Problemen mit ihrem Bruder, ihrer Mutter und deren Lebensgefährten berichtet, über die Vergewaltigung hingegen habe sie sich kaum im Detail geäußert.

Psychologisch sei auch unerklärbar, dass das Mädchen den Ärzten im Krankenhaus nach den Vorfällen nichts erzählt habe, aber andererseits ihrem Freund, den sie damals noch kaum und nur über das Internet kannte, und später auch in der Schule von einer Vergewaltigung erzählte. Möglicherweise sei dies ein Indiz dafür, dass es ihr um Aufmerksamkeit gegangen sein könnte. Alles in allem seien die Aussagen "zu defizitär", sagte Christa Lang, vor allem auch weil sie kaum Details einer Vergewaltigung enthielten.

Der Prozess bleibt noch immer kompliziert, da es keine Beweise und keine direkten Zeugen zu den Vorfällen gibt. Dass der Angeklagte jetzt eingeräumt hat, seine Cousine einmal berührt zu haben, bringt zwar etwas Bewegung in die Verhandlung. Die restlichen Umstände bleiben aber völlig unklar und somit ist auch weiterhin offen, welches Urteil das Landgericht unter Vorsitz von Richter Gerhard Amend fällen wird.

Fortgesetzt wird die Verhandlung am Mittwoch, 17. Oktober, um 14.30 Uhr in Coburg.
Florian Hecky
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