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Eine zweite "älteste Semmel Bayerns" in Kronach aufgetaucht

Die Semmel von Robert Wachter ist 200 Jahre alt und nur wenige Zentimeter klein. Nur ein uraltes Schriftstück gibt Hinweise auf ihre Herkunft.
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Gerade mal sieben Zentimeter klein ist die 200 Jahre alte Semmel von Robert Wachter. Foto: Dominic Buckreus
Gerade mal sieben Zentimeter klein ist die 200 Jahre alte Semmel von Robert Wachter. Foto: Dominic Buckreus
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Kreisheimatpfleger Robert Wachter hat gestern aufmerksam diese Zeitung gelesen und ist auf einen Artikel über die wohl älteste Semmel Bayerns aus Fürstenfeldbruck gestoßen. Sofort viel ihm ein, dass er ein ähnliches Stück Historie bei sich aufbewahrt.

Seine älteste Semmel Bayerns ist 200 Jahre alt. Genauso wie das Gegenstück aus Oberbayern, das wohl aus dem Jahr 1817 stammt. Aber sein Fund kann sogar etwas genauer datiert werden. Auf dem steinharten Brötchen klebt ein kleiner handgeschriebener Zettel. In Sütterlin steht dort: "Größe des Brod. den 30. Juni 1817...". Darunter eine Gewichtsangabe und eine Art Unterschrift ("Hol"), die wohl auf den Hersteller des Backwerks deutet, meint Wachter.


Spur nach Kronach

Diesen konnte er allerdings noch nicht ausfindig machen. Die Spur der Semmel könne er nur bis zu seinen Ururgroßeltern Johann und Margareta Wachter zurückverfolgen. Johann stammte aus Lahm und hatte zusammen mit seiner Frau eine Bäckerei am Ziegelanger in Kronach.

Sie kommen für den Kreisheimatpfleger aber nicht als Schöpfer der historischen Semmel infrage. Denn ihre Bäckerei existierte erst ab dem späten 19. Jahrhundert: "Das passt zeitlich natürlich nicht zusammen." Der Sohn der Bäckersfamilie zog dann eines Tages nach Bamberg. Dessen Nachfahren entdeckten vor drei Jahren die Semmel in einem Schrank auf dem Dachboden, erzählt Wachter. "Sie meinten, dass ich das bestimmt gut gebrauchen könnte, also haben sie mir die Semmel geschenkt", erklärt Wachter, wie die Semmel wieder den Weg zurück nach Kronach gefunden hat.


Vulkanausbruch verursacht Hungersnot

Die Gewichtsangabe, die unter dem Datum geschrieben steht, hat Wachter mit "...wiegt 3 quint..." entziffert. Eine alte Maßeinheit von der auch das sogenannte "Quentchen" komme, erklärt Wachter. Das sind in etwa elf Gram, verteilt auf die rund sieben Zentimeter lange Semmel.

Warum das Backwerk so winzig geraten ist, kann Wachter nur vermuten. Er führt das auf die "Hungerjahre" Anfang des 19. Jahrhunderts zurück, die wohl ein Vulkansausbruch ausgelöst hatte. Aufgrund des Mangels an Nahrungsmitteln mussten die Menschen damals wohl kleinere Brötchen backen.

Im Gegensatz zu dem Semmelbesitzer aus Fürstenfeldbruck, könnte sich Wachter hingegen vorstellen, das Fundstück ausstellen zu lassen.
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