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Stockheim
Bergbau

Eine einzigartige Attraktion in Bayern

290 Millionen Jahre Erdgeschichte werden sichtbar: Zurzeit läuft die "Geotopsicherung Stockheimer Kohle".
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Gut abgesichert ist nun das ausstreichende Kohlenflöz im Bereich der Stockheimer Katharinazeche, das zu den einhundert schönsten bayerischen Geotopen zählt. Mit im Bild die Bauhofmitarbeiter Alfons Kreul und Oliver Renk, die an einem Tribünenaufbau arbeiten.  Foto: Gerd Fleischmann
Gut abgesichert ist nun das ausstreichende Kohlenflöz im Bereich der Stockheimer Katharinazeche, das zu den einhundert schönsten bayerischen Geotopen zählt. Mit im Bild die Bauhofmitarbeiter Alfons Kreul und Oliver Renk, die an einem Tribünenaufbau arbeiten. Foto: Gerd Fleischmann
Das Stockheimer Steinkohlen-Geotop zählt zu den hundert schönsten von Bayern und gibt einen Blick frei in 290 Millionen Jahre Erdgeschichte.

Vor etwa 200 Millionen Jahren setzte mit der Kontinentalverschiebung ein gewaltiger Prozess ein: aus dem Superkontinent Pangaea entstanden Afrika, Amerika, Europa, Asien und Australien. Und dieser Prozess ist noch lange nicht abgeschlossen. Die Folgeerscheinungen der Plattentektonik: Erdbeben und Vulkanausbrüche.

Mit der Kontinentalverschiebung wanderte das Stockheimer Kohlevorkommen in die nördliche Halbkugel. Irgendwann drückten gewaltige tektonische Kräfte die Kohlenschichten aus dem Schoß der Erde nach oben. Damit war es überhaupt erst möglich geworden, in Stockheim, Reitsch und Neuhaus Kohle abzubauen.

Ein interessantes Überbleibsel aus der 400-jährigen Bergbaugeschichte ist nun das Steinkohlen-Geotop.
Das verwitterungsempfindliche Steinkohlenflöz und sein Nebengestein wurden mittlerweile großzügig freigelegt und mussten gegen Regen- und Oberflächenwasser geschützt werden. Letztendlich erforderte das instabile Gestein im Bereich der Adam-Friedrich-Tagstrecke eine zukunftsorientierte Lösung.

Geo-Gütesiegel

Als Träger der Maßnahme konnte der Geopark Schieferland Franken gewonnen werden. Projektinhaber sind die Gemeinde Stockheim sowie der Förderverein Bergbaugeschichte. Die Übergabe des Geo-Gütesiegels erfolgte 2008 durch den Vizepräsidenten des Bayerischen Landesamtes für Umwelt, Richard Fackler. Schließlich war in Stockheim Bayerns bedeutendster Steinkohlebergbau. Nur an wenigen Stellen wurde vor Jahrmillionen pflanzliches Material in Steinkohle umgewandelt, so auch in Erbendorf.

Der Geopark Schieferland hat als Ausbaumaßnahme der Geoparkeinrichtungen die Maßnahme "Geotopsicherung Stockheimer Kohle" über das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz EU-Fördermittel beantragt und entsprechende Fördermittel erhalten.

Das Ziel der Maßnahme ist, das auf dem Gelände der Katharinenzeche befindliche Geotop "Stockheimer Kohle" dauerhaft zu sichern und Besuchern zugänglich zu machen. Im Rahmen der Freilegungsarbeiten unter fachlicher Aufsicht durch Falk Seliger vom Bergamt Nordbayern wurde auch der sich in unmittelbarer Nachbarschaft befindliche Adam-Friedrich-Schleppschacht aufgegraben und der aktuelle Zustand des tonnlägigen Schachtes (Schrägschacht) dokumentiert.

Durch diese Maßnahme, so der Leiter des Schieferparks Geoland, Werner Badum, werde die Zugänglichkeit der Kohleschichten für Besucher verbessert und das Geotop "Stockheimer Kohle" in ein Gesamtkonzept zur Darstellung der in Stockheim vorhandenen Reste des ehemaligen Kohlebergbaues, zum Beispiel Bergbauerlebnispfad Dachsbau, eingebunden.

Gut vorangekommen sind mittlerweile die Sicherungsmaßnahmen. Das Geotop ist durch eine Überdachung vor Witterungseinflüssen geschützt. Ein Tribünenaufbau für Besucher wird derzeit von den Bauhofmitarbeitern Alfons Kreul und Oliver Renk verwirklicht.

Überraschung beim Baggern

Dies war dringend erforderlich, denn bei der Freilegung des bisher vorhandenen Geotops gab es eine Überraschung: Der Bagger legte ein sehr breites und etwa vier Meter dickes, ausstreichendes Kohlenflöz frei, das in dieser Stärke überhaupt nicht erwartet wurde. Dadurch nahm das Geotop schlagartig an Bedeutung zu.

"Unser Heimatraum ist ein Eldorado für Geowissenschaftler", so die Diplom-Geologen Werner Badum und Harald Tragelehn in Stockheim, die mit großer Begeisterung die aktuellen Ergebnisse zur Kenntnis nahmen. Mit dem Geotop biete sich für die Besucher eine echte Attraktion an, schwärmten beide.

Bürgermeister Rainer Detsch, der bei der Geotopsicherung die Unterstützung der Gemeinde zusichern konnte, zeigte sich ebenfalls von dem Ergebnis beeindruckt. Man könne stolz auf die lange Bergbauära blicken, die Tausenden von Männern Arbeit und Brot gab. Rainer Detsch: "Nur an wenigen Orten in der Welt ist es möglich, schon an der Erdoberfläche das Wissen über die Entstehung unserer Erde zu gewinnen."

Immerhin, so das Gemeindeoberhaupt, sei Stockheim eine Top-Adresse für Geologen mit seltenen Rotliegend- und Zechsteinvorkommen.





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