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Marktrodach
Abschied

"Ein Schatz verlässt unsere Schule"

Am Freitag wurde Lehrer Reinhard Engelhardt von der Grundschule Rodachtal in den Ruhestand verabschiedet. 40 Jahre war er im Schuldienst tätig.
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Den Schülerinnen und Schülern fiel der Abschied von ihrem Lehrer schwer. Foto: Heike Schülein
Den Schülerinnen und Schülern fiel der Abschied von ihrem Lehrer schwer. Foto: Heike Schülein
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Da flossen die Tränen: Drücken, Umarmungen, Worte des Abschieds. Viele Schüler und Schülerinnen konnten ihre Tränen nicht zurückhalten, als sie - nach der offiziellen Verabschiedung - einzeln ihrem scheidenden Lehrer Auf Wiedersehen sagten. Viel Wehmut und jede Menge Emotionen gab es am Freitag bei der Verabschiedung von Reinhard Engelhardt, mit dem die Grundschule Rodachtal ein Stück Herzblut verliert.
"Ein kostbarer Schatz verlässt unsere Schule", bedauerte dann auch Rektorin Annegret Hümmrich, die die vielen Gäste in der Rodachtalhalle willkommen hieß. Unter ihnen sah man - neben der kompletten Schulfamilie - Repräsentanten aus Politik und Kirche, Freunde, Weggefährten sowie auch Inge Engelhardt, Ehefrau des scheidenden Lehrers. In seiner sehr persönlichen Laudatio würdigte Schulamtsdirektor Uwe Dörfer das berufliche Wirken seines Freundes und "alten" Fußballkameradens. Seinen Anfang fand dieses 1977 an der Volksschule Untersteinach-Kupferberg sowie von 1978 bis 1980 an der Volksschule Helmbrechts, wo er seine Lehramtsprüfung ablegte. Es folgte ein Jahr an der Volksschule Sonnefeld und zwei Jahre an der damaligen Lucas-Cranach-Volksschule Kronach. 1983 wurde er verbeamtet.
Zum 1. August 1983 wurde Engelhardt an die Volksschule Rodachtal versetzt. "Sie wurde zu deiner Schule und du hast sie bis zuletzt nicht mehr verlassen", so Dörfer. Als einer der ersten Lehrkräfte überhaupt wurde Engelhardt 2009 erstmals befördert - und nunmehr - zu Engelhardts Überraschung - zum zweiten Mal mit Beginn 31. Juli 2017 zum Studienrat im Grundschuldienst. Während seiner Dienstzeit habe er viele Neuerungen, Schulreformen und die unterschiedlichsten Lehrpläne erlebt. Beherzten Schrittes habe er sie angenommen und sie aktiv mitgestaltet.
"40 Jahre sind eine lange Zeit. Das schaffen nur die wenigsten. Das verdient Hochachtung und Respekt", verdeutlichte Dörfer. Du hat ein Stück bayerische Schulgeschichte mit erlebt und mit gestaltet und auch ein großes Stück Kronacher Lehrerfußballgeschichte mit geschrieben. Als Fußballer sei er ein exzellenter Teamplayer gewesen - und so auch als Lehrer. Für seinen Unruhestand wünschte er ihm viel Muse, als schönste Gabe von allem. Unter großem Applaus überreichte er ihm die beiden Urkunden des Freistaates Bayern - für den Ruhestand sowie für seine Beförderung zum Studienrat.
Herzliche Worte des Abschieds fanden auch stellvertretender BLLV-Kreisvorsitzender Jens Schmidt, Elternbeirats-Vorsitzende Susann Bergmann sowie Marktrodachs Bürgermeister Norbert Gräbner. Schmidt bedauerte, dass man eine Schulhausvertrauensperson des Verbandes verliere. Er habe ihn als sympathischen, zuverlässigen und engagierten Kollegen kennen- und schätzen gelernt. "Unzählige Schüler sind durch ihre Hände gegangen", würdigte Bergmann, die Engelhardt für seine Mühe und Geduld, Freude und Herzblut bei der Vermittlung von Wissen und ethischer Werte dankte. Dem schloss sich der Bürgermeister an. Der Lehrer habe Erstaunliches geleistet und sich in besonderem Maße um Marktrodachs Kinder verdient gemacht. Ganze Generationen von Schülern hätten ihn zu ihrem Lieblingslehrer auserkoren - auch weil sie gespürt hätten, wie sehr er Kinder mag. Der sehr gute Ruf der Schule sei auch maßgeblich ihm mit zu verdanken.
So fröhlich, lustig und humorvoll wie der Lehrer selbst war auch die von der Schule ausgerichtete Feier, die fast schon einer Party glich. So durfte sich der Lehrer an seinem letzten Schultag nicht nur über viele warme Worte und originelle Geschenke von der großen Schulfamilie, sondern auch über tolle - auf ihn zugeschnittene - Musik- und Tanzeinlagen, Gedichte und sogar über ein kleines Schauspiel freuen, bei dem die vierte Klasse einen Einblick in "Unterricht bei Herrn Engelhardt" gab.
Annegret Hümmrich, Karin Hader, Irene Hartmann und Helmut Zuber zeigten schöne Bilder aus den vergangen Jahren. Engelhardt stehe für sie für Werte und Kompetenzen wie Energie, Neugierde, Empathie, Ruhe, Humor und Leidenschaft. "Lehrer ist ein Beruf, den man nur angemessen ausüben kann, wenn es einem eine Berufung ist", zeigte sich die Rektorin sicher. Sie alle würden ihren Kollegen im Unterrichtsalltag schmerzlich vermissen. Umso mehr freuten sie sich, dass ihnen dieser als "Tüv-geprüfter VW" (Vergnügungswart) - unter anderem zuständig für Lehrerausflüge - erhalten bleibe.
Sichtlich gerührt bedankte sich der Lehrer für die herzlichen Worte und der Wertschätzung an seinem wunderschönen letzten Schultag. "Ich bin sehr froh, dass ich ein solch außerordentlich engagiertes Team an der Seite hatte", so der Lehrer. Die große harmonische Schulfamilie sei der beste Garant für eine gedeihliche Zusammenarbeit, um die Schüler auf ihrem Weg zu selbstbewussten und selbstverantwortlichen Menschen zu begleiten. Den Schülern habe er immer das Gefühl vermitteln wollen, angstfrei zur Schule gehen zu können. "Heute geht ein herausragender Lebensabschnitt zu Ende. Ich bin glücklich und dem Gott im Himmel dankbar, dass er mich und die mir anvertrauten Kinder beschützt hat und dass er mir Gesundheit in den Ruhestand mitgibt", meinte Engelhardt. Glücklich sei er auch, diesen Beruf gewählt haben, in dem er sich so "sauwohl" an der Schule gefühlt habe. Am glücklichsten aber sei er, seine Ehefrau Inge als wunderbaren Menschen an der Seite zu haben. Mit diesen Worten griff er zur Schiedsrichter-Pfeife und pfiff seine Verabschiedung selbst ab.

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