Kronach
Kirche

Ein Land voller Gegensätze

Die Philippinen sind das Land des Weltgebetstags, der am Freitag, 3. März, in über 170 Ländern gefeiert wird. Ein Vorbereitungsabend fand in Kronach statt.
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Anne-Kathrin Eisenbarth-Goletz, Referentin für Frauenpastoral im Erzbistum Bamberg, informierte über die Philippinen, Land des diesjährigen Weltgebetstags.  Foto: Heike Schülein
Anne-Kathrin Eisenbarth-Goletz, Referentin für Frauenpastoral im Erzbistum Bamberg, informierte über die Philippinen, Land des diesjährigen Weltgebetstags. Foto: Heike Schülein
KronachAuf dem Boden im Pfarrzentrum St. Johannes Kronach liegen tiefblaue und helle Tücher ausgebreitet. Dekoriert sind sie mit Orchideen, Ananas, Pomelos und anderen Zitrusfrüchten wie auch philippinischen Waren aus fairem Handel. Zu sehen ist auch ein Aufsteller einer Frau in einer weißen Bluse und rotem Rock, einem weißen Tuch vor einem Auge und der Waage in der Hand - Justitia!

Das farbenfrohe Bild der philippinischen Künstlerin Rowena Laxamana-Sta.Rosa, genannt Apol, illustriert den Weltgebetstag (WGT) 2017. Jedes Jahr am ersten Freitag im März richtet er den Blick auf ein anderes Land. Gläubige auf der ganzen Welt feiern wieder am 3. März ökumenische Gottesdienste nach einer - heuer von Christinnen der Philippinen - festgelegten Ordnung, dieses Mal unter dem Titel "Was ist denn fair?"


Thema Gerechtigkeit

Die Frauen rücken dabei das Thema "Gerechtigkeit" ins Zentrum ihrer Liturgie - ebenso wie auch Apol in ihrer Illustration. Darauf reißt sich Justitia die Augenbinde von den Augen. Sie sieht die Ungerechtigkeit, dass die von Frauen getragene Bananen-Blatt-Tafel auf der rechten Seite reichlich gedeckt ist, aber die Armen nur mit etwas Reis und Fischgerippe abgespeist werden. Auch arbeiten in der Tageshitze Menschen am Bau, auf dem Wasser und auf den Reisterrassen: Bekommen sie, was ihnen zusteht? Statt des Schwertes überragt eine Waage und will unser Gewissen mahnen, Ungerechtigkeit zu sehen und dagegen zu kämpfen: Die Philippinen sind reich an Ressourcen. Aber wie viele Menschen haben etwas davon?

Auf den Philippinen begrüßen sich die Menschen mit "Mabuhay!", was in der Nationalsprache Tagalog "Willkommen", "Hab ein langes Leben", "Zum Wohl" oder "Hurra" heißt. "Mabuhay" sagten auch Anne-Kathrin Eisenbarth-Goletz von der Frauenpastoral des Erzbistums und Pastoralreferentin Birgitta Staufer-Neubauer beim Vorbereitungstreffen der Frauen, die die WGT in ihren Gemeinden verantwortlich gestalten. Das Treffen fand in Kooperation mit dem katholischen und dem evangelischen Dekanat Kronach-Ludwigsstadt sowie dem Fachbereich Frauenpastoral statt.

Der Gottesdienst legt heuer seine Konzentration auf die provokative Bibelstelle "Der Arbeiter im Weinberg" (Mt 20, 1 - 16) und dessen zentrale Aussage. Auch die Referentin für Frauenpastoral konfrontierte die Frauen mit dem Thema "Was ist denn fair?" Wenn alle denselben Lohn erhalten, unabhängig von ihrer Leistung - ist das gerecht? "Wir lernen von Jesus, dass Gerechtigkeit in Gottes Reich anders aussieht", meinte sie.
Tiefgrüne Urwälder, tropische Riffe und die berühmten Reisterrassen auf der einen, zerstörerische Naturgewalten wie Vulkane und Taifune auf der anderen Seite. Die Philippinen sind mit mehr als 7000 Inseln ein Land voller Schönheiten und Gegensätze in Südostasien.


Es hapert in der Praxis

In ihrer Einführung informierte Eisenbarth-Goletz über die soziale und wirtschaftliche Situation auf den Philippinen sowie insbesondere über die Lage der Frauen. Es gibt gute Gesetze, die Frauen gegen Gewalt und Diskriminierung schützen sollen. "Doch hapert es wie so oft in der Praxis", bedauerte sie. Vor allem Frauen und Mädchen seien von Armut, prekären Arbeitsbedingungen, Rechtlosigkeit und Zerstörung der Natur betroffen. Traditionelle Rollenbilder ließen wenig Spielraum für eine gerechte Aufgabenverteilung in Familie und Arbeitsleben. Sonnen- und Schattenseiten ihrer Heimat - beides greifen die Frauen in ihrem Gottesdienst zum Weltgebetstag 2017 auf.


Philippinische Spezialitäten

Im Einführungsabend konnten die Teilnehmerinnen tiefer in das Thema einsteigen, sich die Schriftworte erschließen, in die Musik hineinhören und die Liturgie kennenlernen. Hierzu gab es Arbeitskreise zur Musik, Bibelarbeit sowie zur Gottesdienstgestaltung. Nach den Workshops war Zeit für einen Gedankenaustausch bei landestypischen Spezialitäten, die Frauen aus Küps und Kronach zubereitet hatten: "Mungo Ginesa" Linsensuppe, Hühnersuppe oder auch "Lumpia" (Frühlingsrollen) mit Fleisch. Dazu gab es Reis, verschiedene Saucen und Dips, als Nachtisch philippinischen Obstsalat sowie den Cocktail Pina Colada.
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