Rudi Fiedler steht vor dem wunderschönen Hochaltar der Pfarrkirche St. Ägidius Lahm. In der Hand hält er einen Zettel mit Notizen. "Der Kirchenpatron der Lahmer Kirche ist in Bischofskleidung mit Stab und Hirschkuh in der Mitte der Figurenreihe dargestellt. Ihn umgeben links Johannes der Täufer und rechts Sebastian als Heiligenfiguren", erzählt der Lahmer und zeigt auf den barockisierten Holzaufbau des späten 19. Jahrhunderts. Aufmerksam lauschen die Kirchenbesucher, die in den vorderen Bänken des Gotteshauses Platz genommen haben, den Ausführungen des "frischgebackenen" Kirchenführers Fiedler. Gespannt verfolgen sie jede seiner Bewegungen. Sie kommen gerade in den Genuss einer Premiere, denn dies ist die erste Kirchenführung des ehemaligen Lehrers.
Der Pensionär hatte als einziger Teilnehmer aus dem Landkreis Kronach im vergangenen Jahr am vierteiligen Kirchenführerausbildungsseminar unter dem Titel "Wenn Steine sprechen - Kirchen als Erfahrungsraum des Glaubens" teilgenommen. Einige der gut 20 Kursteilnehmer sind an diesem Nachmittag in Lahm zu Gast, um sich von ihrem "Kollegen" seine Heimatkirche vorstellen und die bewegte Geschichte des ehrwürdigen Bauwerks erklären zu lassen. Aber auch die Verantwortlichen seitens der Pfarrei - Pfarrer Michael Dotzauer, Kirchenpfleger Gerhard Eidelloth und Pfarrgemeinderatsvorsitzender Gerhard Beitzinger - können sich von der Qualität der umfassenden Weiterbildung überzeugen.
"Vom Seminar erfuhr ich aus dem Heinrichsblatt", erzählt Rudi Fiedler und ergänzt: "Ich interessierte mich schon immer sehr für Kirchengeschichte und christliche Symbolik. Daher habe ich zum Einen aus Eigeninteresse mitgemacht und zum Anderen aber natürlich auch, damit wir interessierten Gruppen fachkundige Kirchenführungen in unserer heimatlichen Pfarrkirche anbieten können."
Der ehrenamtlich engagierte Rudi Fiedler setzt sich in vielerlei Bereichen für seine Heimatpfarrei ein. "Ich helfe halt dort, wo ich gebraucht werde - beispielsweise als Lektor oder auch mal als Kinderbetreuer und bei körperlichen Arbeiten", meint der ehemalige Lehrer, für den die Tätigkeit als Kirchenführer nach seiner Pensionierung nahe lag.