Kronach
Denkanstoß

Ein Frankenwaldzentrum soll Impulse setzen

Der Wallenfelser Bürgermeister Jens Korn (CSU) stellte ein Konzept vor, das in der Nationalpark-Diskussion gereift ist.
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Jens Korn. Foto: Archiv/Hendrik Steffens
Jens Korn. Foto: Archiv/Hendrik Steffens
Der Wallenfelser Bürgermeister Jens Korn (CSU) ist eigenem Bekunden nach kein großer Fan des Nationalpark-Gedankens. Doch zunächst beim CSU-Kreistag und dann auch bei der Podiumsdiskussion in Neufang stellte er ein Konzept vor, das auch seine Parteikollegen Gerhard Wunder und Hans Rebhan mittragen - und zu dem MdL Jürgen Baumgärtner ebenfalls steht.

Eine "nie dagewesene Freisetzung von Energie für unsere Heimat" erkennt Korn - trotz der teilweise belastenden Diskussionen zum Reizthema "Nationalpark". Dafür dankt er Baumgärtner, der keinen Nationalpark durchdrücken wolle, aber erkunden möchte, was die Region voranbringen kann.


Projekt steht auf drei Säulen

"Ich glaube, dass noch nie in der Geschichte des Frankenwaldes so intensiv über seine Bedeutung und vor allem über seine Zukunft diskutiert worden ist, wie jetzt", nennt Korn seine Einschätzung. Diese Energie gelte es nun, in die richtigen Bahnen zu lenken. Es sei der Moment für Konstruktivität und dafür, alternative Ideen ins Spiel zu bringen. "Alleine zu sagen, der Frankenwald gefällt mir so, wie er ist, reicht nicht aus." Deshalb präsentierte der Wallenfelser Bürgermeister ein Projekt, das in die Diskussion einfließen soll. Ein "Frankenwaldzentrum für Greentech und nachhaltige Holzwirtschaft". Dieser Vorschlag fußt auf drei Säulen.

1. Forschung und Transfer in die Wirtschaft: Korn weißt auf die Bedeutung der Holzwirtschaft für die Region hin. Die Unternehmen bräuchten Innovation, welche wiederum Forschung und Lehre benötige. "In der so starken Holzregion Oberfranken gibt es vier Hochschulen. Keine beschäftigt sich mit dem Thema Holz", stellt Korn fest. Dass soll sich ändern. Deshalb wird die Gründung einer Außenstelle der Hochschule Weihenstephan angeregt. Ihr Schwerpunkt soll mit der Wirtschaft abgeklärt werden.

2. Weiterbildung: Internationaler Wettbewerb, Klimawandel, Waldumbau - um auf diese Faktoren reagieren zu können, müssten der Holzwirtschaft Weiterbildungsmöglichkeiten auf kurzen Wegen geboten werden, so Korn.

3. Erlebniswelt: Die dritte Säule befasst sich mit der Belebung des Tourismussektors. "Viele Menschen sehnen sich in der Freizeit, im Tourismus nach Authentizität, nach Ursprünglichkeit", ist Korn überzeugt. Ein Beispiel hierfür seien die Wallenfelser Floßfahrten. Solche Konzepte könnten in einer "Erlebniswelt" ausgebaut werden. "Wir können den ganzen holzwirtschaftlichen Prozess vom Holzmachen über die Sägewerke bis hin zum Bau eines Hauses darstellen. Ich glaube, dass viele so etwas hautnah erleben wollen."

Nachdem diese Überlegungen bisher allerseits auf offene Ohren gestoßen seien, müsse die Diskussion über das Frankenwaldzentrum weiter vorangetrieben und das Konzept konkretisiert werden. Viele Leute hätten Korn schon signalisiert, dass diese Idee genau richtig sei.

Darüber freut sich auch Jürgen Baumgärtner, der in solchen Ideen kein Abweichen von irgendeinem Kurs sieht - ganz im Gegenteil. "Was wir hier als CSU vorgetragen haben, ist von uns gemeinsam entwickelt worden", stellt er fest. Das Konzept sei Teilstück einer Säule, welche mit "einer Naturschutzmaßnahme" verbunden werden solle. Dabei müsse es sich nicht zwingen um einen Nationalpark handeln. Diese Möglichkeit solle zwar geprüft werden, aber im gleichen Atemzug beispielsweise auch ein Biosphärenreservat. "Ich habe mich nie auf einen Nationalpark festgelegt", fügt der Abgeordnete an. In den nächsten Tagen sollen weitere Säulen von der CSU vorgestellt werden.







Kommentar von Marco Meißner


Die Gedanken wandern

Ob ein Nationalpark den Frankenwald voranbrächte oder ob er bloß eine Schnapsidee ist, darüber kann und muss man diskutieren - und manchmal sogar streiten.

Eine erfreuliche Entwicklung lässt sich bei alledem jedoch kaum von der Hand weisen: Unabhängig von der Zukunft der Nationalpark-Debatte wandern inzwischen auf allen Ebenen die Gedanken. Ideen entstehen, die ohne den jetzigen Dialog wohl nie auf den Tisch gekommen wären. Sei es ein Frankenwaldzentrum, sei es ein Biosphären-Reservat. Auch ein Verein "Unser Frankenwald", der eben nicht nur Kritiker, sondern auch dauerhafter Gestalter und Entwickler unserer Heimat sein möchte, hätte ohne die jetzige Diskussion vermutlich nie zusammengefunden. Das wäre ein Verlust gewesen, denn in dem Verein ist viel Potenzial aus unterschiedlichsten Bereichen gebündelt.

Ob darüber hinaus ein MdL von Lerchenfeld mit seiner forschen Forderung nach einer Weiterentwicklung des Frankenwaldes auf den (Kronacher) Plan getreten wäre, ist zumindest fraglich. In den vergangenen Jahren bescherte er uns Kronacher Journalisten jedenfalls keine Steilvorlage für eine Berichterstattung.

Nun gibt es aber erfreulich viele konstruktive Denkanstöße von allen Seiten. So werden Energien gebündelt. Möglicherweise wird dadurch am Ende etwas Großes für die Region erreicht - und das muss kein Nationalpark sein.

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