Kronach
Neuanfang

Ehemalige Loewe-Mitarbeiter haben neue Aufgaben

Birgit Lunk, Daniel Fiedler und Jens Greiner schreiben unterschiedliche Lebensgeschichten, haben aber eins gemeinsam: Nach der Kündigung bei Loewe Ende 2013 haben sie sich nicht unterkriegen lassen. Sie haben sich neue Standbeine gesucht und berichten über ihre Erfolge.
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Birgit Lunk kümmert sich seit einem Jahr um das Aussehen einiger Gräber auf dem Wallenfelser Friedhof.
Birgit Lunk kümmert sich seit einem Jahr um das Aussehen einiger Gräber auf dem Wallenfelser Friedhof.
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Für Birgit Lunk fing das Leben auf dem Friedhof in Wallenfels ganz neu an. Also zumindest das Arbeitsleben, das sie nach 32 Dienstjahren bei Loewe in Kronach im Oktober 2013 beenden musste. Birgit Lunk stieg mit 17, 18 Jahren nach der Mittleren Reife bei Loewe ein. Eigentlich erst einmal, um die Zeit bis zu einer Ausbildung zu überbrücken. Diese hat sie aber nie gemacht. Das bereut die Wallenfelserin bis heute.

Aber Birgit Lunk hat Talent und "macht gern was mit Blumen und Pflanzen", wie sie selbst erklärt. Deshalb bietet sie seit Frühjahr vergangenen Jahres "Birgits Grabpflege" in Wallenfels und Steinbach an. Sie pflanzt, gießt und zupft die Gräber zurecht. Je nach Auftrag, je nach Witterungsbedingungen - denn wenn es ordentlich regnet, muss sie ja nicht noch extra zehn Kilo schwere Gießkannen über den steilen Wallenfelser Friedhof schleppen.


Abwechslung im Alltag

Raus springt für sie bei dieser Arbeit "eher ein Taschengeld ... reich werd' ich damit nicht, aber ich muss auch mal was anderes sehen", sagt Birgit Lunk. Ihr Arbeitsalltag hat sich nach der Kündigung von Loewe komplett verändert: "Dass ich nicht mehr dort arbeite, kann ich heute manchmal noch nicht fassen", sagt sie. Ihre Mutter arbeitete schon für das Unternehmen, ihre Tochter, und ihr Ehemann tut es noch heute. Birgit Lunk ist nicht verbittert. Und war es auch nicht. Nach der Kündigung war sie niedergeschlagen, ja. Geplagt von Existenzängsten - auch das. Aber irgendwie haben es die Loewe-Mitarbeiter "alle gewusst, dass es schwierig wird".

Dass es für sie mit über 50 Jahren und Rheumabeschwerden auf dem offenen Arbeitsmarkt nicht einfacher werden würde, hat sie auch geahnt. Nicht über die Arbeitsagentur, sondern im Alltagsgeschehen hat Birgit Lunk nichtsdestotrotz einen neuen Beruf - vielmehr eine Berufung - gefunden. Ihrer verstorbenen Tante versprach sie, die Familiengräber zu pflegen. Mit der Überzeugungskraft ihrer Tochter und ihrem Auge dafür, die richtigen Pflanzen zur richtigen Jahreszeit farblich stimmig in der Erde zu verteilen, ist daraus eine Geschäftsidee geworden. Nach und nach pflegt sie immer mehr Gräber in Wallenfels. Und hofft darauf, dass es in den nächsten zwei, drei Jahren noch mehr werden.

Mehr Kunden ist auch das Ziel von Daniel Fiedler und Jens Greiner. Die beiden wissen: Acht Beinchen kann nicht nur eine Spinne, sondern auch eine Platine haben, ein Trägerelement für elektronische Bauteile. So viele Leiterbahnen zählt nämlich ihr Firmenlogo.


Von Anfang an bei Loewe

Die zwei Jungunternehmer, beide 29 Jahre alt, haben sich in diesem Frühjahr zuversichtlich ins Kronacher Geschäftsleben gestürzt. Die beiden Männer kennen sich schon länger. Seit 2003, als Daniel Fiedler seine Ausbildung zum Kommunikationselektroniker bei Loewe begonnen hat. Sein Kollege Greiner war ihm damals ein Jahr voraus. Nach der Ausbildung entschieden sich beide, ein Studium der Elektrotechnik oben drauf zu setzen. "Ende 2007 wusste ich, ich muss nochmal was machen", erinnert sich Fiedler.

Über ein Stipendium-Programm von Loewe hielt er auch während dieser Phase den Kontakt zum Unternehmen und schrieb dort seine Bachelor-Arbeit, bevor er auch noch in anderen Projekten und Unternehmen "Fuß fassen wollte".

Jens Greiner arbeitete nach seinem Diplom im Jahr 2010 wieder Vollzeit im Entwicklungsbereich des deutschen Herstellers von Unterhaltungs- und Kommunikationstechnik. Bis Ende 2013 überprüfte er zum Beispiel die elektromagnetische Verträglichkeit von Geräten. In diesem Bereich ist Jens Greiner immer noch tätig. Nur ist er eben nicht mehr angestellt, sondern selbstständig. Denn auch er zählt zu denen, die 2013 entlassen wurden.


Chef sein ist anders

Als Ingenieur - ohne Kinder und größere finanzielle Verpflichtungen - hatte Greiner "recht wenig Probleme, einen neuen Job zu finden", sagt er. Dass ihn die Kündigung nicht allzu heftig getroffen hat, liegt wohl auch daran, dass er sich früh "Alternativen geschaffen hat ...ich war vorbereitet". Aber irgendwann musste er die Entscheidung treffen: "Gehe ich nach Hamburg, Stuttgart, München oder macht man was Eigenes."
Letzteres setzten die beiden jetzt in ihrer Heimat um. Mit einer Portion "positivem Stress" kämpfen sie sich durch die neuen Herausforderungen, mit denen sie als Angestellte wohl weniger konfrontiert wären. Dafür hat das Geschäftsführer-Sein andere Vorzüge. Einer davon könnte wohl sein: Im eigenen kleinen Büro, als sein eigener Chef, sind Hausschuhe als bequemere Variante, kein Problem.
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