Steinberg
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Echte Raritäten bei der Fotobörse in Steinberg

Auch in diesem Jahr war die Veranstaltung der Steinberger Fotofreunde in der Kronachtalhalle ein voller Erfolg. Einer der Anbieter war Bernd Tröster aus Halle, der Kameras zerlegt.
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Die Besucher wurden bei der Steinberger Fotobörse gut beraten.  Fotos: Heike Schülein
Die Besucher wurden bei der Steinberger Fotobörse gut beraten. Fotos: Heike Schülein
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Eine Contax F, komplett in ihre Einzelteile zerlegt: Was so manchem Liebhaber alter Kameras Tränen in die Augen treiben würde, ist bei Bernd Tröster durchaus gewollt und mit jeder Menge Arbeit verbunden. Der Inhaber einer Kamera-Werkstatt und eines Fotoservices in Halle hat nämlich die Spiegelreflex-Kamera aus dem Hause Zeiss Ikon, Baujahr 1956 bis 1961, fein säuberlich in ihre Bestandteile zerlegt. Jede noch so kleine Komponente hat er danach - ordentlich aufgereiht - gut sichtbar auf einem orangefarbenen Hintergrund befestigt und das Ganze in einem Schau-Glaskasten angeordnet. Rund 130 Euro kostet die Rarität, der Wert der Kamera beträgt dabei etwa um die 20 Euro.

"Das ist etwas Besonderes, das sicherlich nicht von vielen Leuten angeboten wird. Aber es gibt schon Sammler, die sich so etwas zulegen. Ich mache das immer auf Vorrat. Wenn mein Vorrat zu Ende geht, mache ich mich an die nächsten", erklärt Bernd Tröster. Die zerlegte Kamera hinter Glas war aber beileibe nicht die einzige Rarität an seinem Stand, der sicherlich in diesem Jahr der außergewöhnlichste bei der Steinberger Fotobörse war. So hatte er nämlich noch jede Menge weitere alte Kameras aufgebaut - auch halbierte, die in der Mitte sauber durchtrennt worden waren - und zwar mittels Brillanten. Das Aufwendige dabei sei aber nicht das Schneiden, sondern das anschließende Schleifen. Dabei verwendet er immer nur Kameras, die er vorrätig hat - also keine Kameras von Kunden. Schließlich könne dabei immer etwas schiefgehen.

Der junggebliebene 70-Jährige war zum vierten Mal bei der Fotobörse in Steinberg. Darauf aufmerksam wurde er über eine Veröffentlichung in Fachzeitschriften, in dem die Börsen angekündigt werden. Mittlerweile rufen ihn die Fotofreunde immer an und fragen, ob er wieder ausstellen möchte.

180 Kilometer Anfahrt

Für die Fotobörse in Steinberg nimmt der Sachsen-Anhalter einen Weg von 180 Kilometern auf sich. "Da überlegt man schon. Aber ich verbinde das immer mit einem Urlaub beispielsweise in Thüringen. Außerdem komme ich wirklich gerne hierher, weil hier alles so freundschaftlich abläuft", lobt er. Im Fotoreparatur-Gewerbe ist er seit 25 Jahren, jedoch nur nebenberuflich. Für ihn sei es auch eine Liebhaberei. Den großen Zeitaufwand, den er für die Reparatur einer Kamera benötigt, könne man niemals so genau abrechnen.

"Damals, nach der Wende, haben viele Werkstätten zugemacht oder sind pleite gegangen. Da wurde viel weggeschmissen. Ich habe versucht, wenigstens ein wenig Material zu retten", erinnert er sich. Heute lebe sein Gewerbe hauptsächlich von der Mund-zu-Mund-Propaganda. Zu ihm kommen Sammler und Liebhaber. Dabei repariert er ausschließlich mechanische Kameras, die ja kaum noch in Benutzung sind. "Elektronik und Digital mache ich nicht. Das sollen die jungen Leute machen", meint er schmunzelnd. Dabei sieht er sich insbesondere als Handwerker. "Ich bin zu 80 Prozent technische Putzfrau. Die Reinigung nimmt einen Großteil meiner Arbeit ein", verrät er. Nur 20 Prozent sei der Austausch von Ersatzteilen. Er selbst ist kein Hobby-Fotograf. Selbst im Urlaub macht er nur ganz wenige Bilder. Er habe lediglich eine alte "Tante-Emma"-Kamera, eine Nikon 601.
Dabei handele es sich um eine Kamera, die vor vielen Jahren zur Reparatur abgegeben, aber nie mehr abgeholt worden sei. Da er den Namen der Besitzerin nicht kenne, habe er sie nicht zurückgeben können. Früher jedoch habe er gerne unter Wasser fotografiert - soweit das in der DDR möglich gewesen sei. Weil es so etwas nicht zu kaufen gegeben habe, habe er sich selbst entsprechende Kameras gebaut.

Randvoll mit Besuchern

Auch in ihrem 14. Jahr erfreute sich die Fotobörse wieder eines großen Zuspruchs. So war die Kronachtalhalle randvoll mit Händlern und Besuchern. Das Spektrum an Information, Technik, Unterhaltung rund um die Fotografie war erneut sehr umfangreich. Zum langjährigen Erfolg der Fotobörse tragen insbesondere die hervorragende Organisation und das in dieser Form einmalige Rahmenprogramm bei. Für die Vorträge von Lars Hofmann kamen so viele Zuhörer, dass sogar noch Stühle aufgestellt werden mussten. Der Weltenbummler entführte heuer nach Kuba. Neben den Steinberger Fotofreunden stellte auch der befreundete "fotoclub 70" aus Sonneberg wieder eine Auswahl seiner hochwertigen Fotografien aus.

"Das Niveau und die Qualifikation, die sich die Steinberger Fotobörse erarbeitet hat, ist enorm. Man wird hier einfach gut unterhalten", lobte Georg Altkofer aus Bayreuth, der auch als Gutachter arbeitet. Werner Ollgemöller von Foto-Thron in Kronach fügt hinzu: "Hier gibt es nicht nur Kameras, sondern jede Menge interessante Peripherie- beziehungsweise Nebenprodukte, die mit der Fotografie zusammenhängen. Das ist wie eine Reise in die Geschichte und Vergangenheit der Fotografie."

Das Niveau der Börse belegten auch die vielen Ankäufer. Selbst die größten Gebrauchtwarenhändler aus Deutschland kauften hier Schnäppchen, die sie woanders nicht bekommen. Begeistert ist auch Ulf Krause von Foto-Dölling. "Ich bin bestimmt schon zum zehnten Mal hier. Die Börse macht einfach Spaß, weil sie von allem etwas bietet. Es gibt hier Vorträge, Ausstellungen und es sind tolle Händler hier. Zudem ist die Atmosphäre sehr angenehm. Es geht hier freundschaftlich, fast familiär zu. Das passt einfach rundum", meint er.

So sieht es auch der langjährige Vorsitzende der Fotofreunde Herbert Agel. Er bedankte sich bei allen Mitgliedern, die viel Arbeit in die Vorbereitung investiert und sich zuvorkommend um die Aussteller und Besucher gekümmert hätten.
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