Rothenkirchen
Leerstände

Traditionskaufhaus in Rothenkirchen schließt und Leerstand droht

Nach dem Räumungsverkauf bei Mode-Sport Scherbel droht in Rothenkirchen ein weiteres leeres Haus. Der Dritte Bürgermeister sieht schnellen Handlungsbedarf.
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Dort, wo einst ein Treffpunkt für die Bevölkerung war, wird nun nach der Schließung von Mode-Sport Scherbel eine Leere zu verzeichnen sein. Von vorne: das ehemalige Hotel Hansveit, Mode Sport Scherbel und das ehemalige Drogerie- und Lebensmittelgeschäft Frauenhofer. Foto: Veronika Schadeck
Dort, wo einst ein Treffpunkt für die Bevölkerung war, wird nun nach der Schließung von Mode-Sport Scherbel eine Leere zu verzeichnen sein. Von vorne: das ehemalige Hotel Hansveit, Mode Sport Scherbel und das ehemalige Drogerie- und Lebensmittelgeschäft Frauenhofer. Foto: Veronika Schadeck
Noch bis einschließlich 12. Januar ist Räumungsverkauf bei Mode-Sport Scherbel. Dann werden die Pforten des über 118 Jahre alten Traditionskaufhauses geschlossen. Nicht nur für die Inhaberin Brigitte Porzelt ist dies mit Wehmut verbunden.
Auch der Dritte Bürgermeister des Marktes Pressig, Klaus Dressel (CSU), bedauert das. "Wie sich doch alles ändert!" Er blickt zurück und erinnert sich an seine Kindheit. Als kleiner Junge sei er immer Anfang des Monats mit seiner Oma von seinem Heimatdorf Brauersdorf nach Rothenkirchen gelaufen. "Ich habe mich jedes Mal sehr darauf gefreut!"


Für den täglichen Gebrauch

Die erste Station mit seiner Oma sei die Bratwurstbude am Suffa-Anwesen gewesen. "Eine Bratwurst von der ,Maja-Treuner‘ war ein Highlight!" Als nächstes stand ein Spaziergang durch den Markt auf dem Programm. Anschließend ging es zur Raiffeisen-Bank. Dort habe seine Oma einen Teil ihrer Rente abgeholt. Jedes Mal führte der Weg auch zu Mode-Sport Scherbel, zum "Wirtschneider". Dort gab es alles, was den Textilbereich betrifft, erzählt Klaus Dressel. Angefangen von Knöpfen, über Wolle, Kleidung, Gardinen etc.
Und danach ging es zur Drogerie und zum Lebensmittelmarkt "Frauenhofer". Dort wurden die Lebensmittel für den täglichen Gebrauch eingekauft. Und während Klaus Dressel mit seiner Oma durch den Ortskern von Rothenkirchen gegangen sei, fielen ihm auch die Reisebusse am ehemaligen Hotel "Hansveit" auf. "Man traf Menschen, jetzt ist alles weg, alles dahin!"
Und in der Tat. Bei der Fahrt durch Rothenkirchen fallen einem diese Leerstände ins Auge. Das waren früher Anziehungspunkte für Jung und Alt, für Einheimische und für Gäste. Jetzt ist, nicht zuletzt anhand der Fassaden, die Problematik sichtbar.
"Wir haben alle vom Hotel profitiert", meint die Inhaberin von Mode-Sport Scherbel, Brigitte Porzelt. 42 Jahre lang führte sie mit Herzblut ihr Modegeschäft in dritter Generation. Die Entscheidung, ihr Textilfachgeschäft zu schließen, sei ihr nicht leicht gefallen. "Am Anfang war es furchtbar", beschreibt sie ihre Gefühlslage. Mittlerweile sei es aber ein beruhigendes Gefühl, dass das Ganze nun zu einem guten Ende führt. "Es ist alles sehr schade!", sagt sie im Hinblick auf die leer stehenden Gebäude in ihrer Nachbarschaft. Sie hatte gehofft, dass es zumindest mit dem Hotel Hansveit weitergehen würde, zumal Übernachtungsmöglichkeiten in der Region fehlten.


Hotel wird zum Schandfleck

Bis vor kurzer Zeit hatte das auch Bürgermeister Hans Pietz gehofft. "Daraus wird nun aber nichts", meinte er bei einer Anfrage. Der polnische Besitzer hatte durchaus die Absicht, das Hotel und die Gastronomie wieder zu beleben. Auch hätte es dafür Wirtschaftsförderungen gegeben. Anscheinend ist es an der Finanzierung gescheitert, mutmaßte der Bürgermeister. Bei der Frage, wie es denn nun weitergehen soll mit dem leer stehenden Hotel, das sich langsam zu einem Schandfleck entwickelt, meinte Pietz: "Ich weiß es nicht!"
Anders sieht es mit der einstigen Drogerie und dem Lebensgeschäft Frauenhofer aus. Hier erklärte der Bürgermeister, dass die Gemeinde den Leerstand mit Hilfe von Städtebaumitteln beseitigen und eventuell Parkplätze errichten wolle. Im Zuge dessen soll auch die Schulstraße verbreitet werden.


Gründung einer Projektgruppe?

Dass nun Mode-Sport Scherbel die Pforten schließt, sei für Rothenkirchen keine gute Sache, so Pietz. Er wisse, dass sich Brigitte Porzelt sehr bemüht habe, einen Nachfolger/in zu finden. Für den Dritten Bürgermeister Dressel steht außer Frage, dass die Gemeinde schnellstens handeln muss. "Sonst laufen uns andere Kommunen den Rang ab!" Er denkt an die Gründung einer Projektgruppe, die eventuell mit externer Unterstützung ein tragfähiges Konzept für die Wiederbelebung des Ortskerns entwickeln müsse. Was den Frauenhofer betrifft, so vertritt er die Auffassung, dass es dafür eine sinnvollere Nutzung geben müsse, als Parkplätze zu schaffen. Es ist Bedauern in seiner Stimme zu entnehmen, als er das neue ASB-Pflegeheim erwähnt, das seiner Ansicht nach im Ortskern hätte gebaut werden müssen. Klaus Dressel weiß aber auch, dass man Vergangenes nicht mehr ändern kann. Für ihn ist auch klar, dass die Politik nur mit Hilfe von Investoren die Wiederbelebung des Ortskerns stemmen könne.
Und was will nun Brigitte Porzelt mit ihrer rund 400 Quadratmeter verwaisten Verkaufsfläche machen? "Ich weiß es noch nicht!" Sie hofft darauf, dass jemand sich einmietet. Beispielsweise könnte man daraus ein Konstruktionsbüro, eine Physiotherapiepraxis etc. machen. "Es ist ja alles barrierefrei".
Es gibt aber auch Lichtblicke in Rothenkirchen. So wurde vor zwei Jahren der "neue" Marktplatz eingeweiht. Der einstige "Schwarze Adler" wurde durch den Hesselbacher Bauunternehmer Stefan Pfadenhauer in ein Schmuckstück umgewandelt. Entstanden sind teils barrierefreie Wohnungen. Auch beim Brünnla finden wieder Veranstaltungen statt. Der Betreiber Tobias Heinlein gebe sich sehr viel Mühe, lobte Bürgermeister Pietz. Auch sei ihm daran gelegen, die Lärmemissionen in Grenzen halten.


Alter Rewe-Markt

Interessenten Der alte Rewe-Markt befindet sich zwar nicht direkt im Ortskern. Aber das Gebäude sticht am Ortseingang ins Auge. Wie vom Bürgermeister Hans Pietz zu erfahren war, seien Interessenten vorhanden, die diese Immobilie kaufen beziehungsweise mieten möchten.

Ansprechpartner Problem sei, dass sich das Gebäude im Besitz eines Immobilienkonsortiums mit Sitz in Antwerpen, das mehrere Filialen in Deutschland hat, befindet. Es sei schwierig gewesen, überhaupt einen Ansprechpartner zu finden, meint er. Nun hofft er, dass bezüglich neuer Nutzung des Rewe-Gebäudes Bewegung in die Thematik kommt. Was genau im Rewe-Gebäude passieren soll, darüber wollte Bürgermeister Pietz keine Auskunft geben. vs
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