Kronach
Betrug

Dreist gefälschte Rechnung in Kronach aufgetaucht

Manchmal flattern gefälschte Rechnungen in Postkästen privater Haushalte. Für Unternehmen ist das schon fast täglich Brot. Doch wie erkennt man die Maschen der Gauner und wie verhält man sich richtig? Wir haben mit einem Unternehmer und der Polizei geredet.
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Seltsam: In dem sogenannten Angebot sind nicht einmal Produkte aufgelistet. Nur von einem "Priority Business Package" ist die Rede Fotos: privat
Seltsam: In dem sogenannten Angebot sind nicht einmal Produkte aufgelistet. Nur von einem "Priority Business Package" ist die Rede Fotos: privat
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Gefälschte Rechnungen und Mahnungen gehören in den letzten Jahren schon fast zum Tagesgeschehen eines Unternehmens. Doch was nun im Postkasten der Kronacher Firma Industrial Electronic (Indel) gelandet ist, gehört zu den besonders dreisten Schreiben.

Die Firma Indel bekommt im Mai einen Brief der Firma "Global Express Online" aus Barcelona. Als direkter Adressat ist Hubert Denegri, Geschäftsführer von Indel, genannt. "Auf den ersten Blick sah es aus wie eine Rechnung", erzählt er. Referenznummer, Kosten und Datum der Bezahlung: Alles wie bei einer normalen Rechnung. Also macht sich Denegri auf die Suche nach dem Verursacher der 480 Euro, die von der spanischen Firma eingefordert werden. Doch kein Mitarbeiter hat je von dieser Firma gehört, geschweige denn etwas von ihr bestellt.
Hubert Denegri wird skeptisch. Er geht in die Offensive und schreibt der Firma eine E-Mail. Er will wissen, was es mit der dubiosen Rechnung auf sich hat und fordert mehr Informationen darüber. Zu seiner Überraschung bekommt er prompt eine Antwort. Eine Mitarbeiterin von "Global Express Online" erklärt in ihrer Antwort-Mail, dass es sich bei dem Schreiben lediglich um ein Angebot von Produkten handelt, die Indel kaufen könnte. Wenn kein Interesse besteht, kann das Schreiben einfach weggeschmissen werden. "Aber ein Angebot kann das eigentlich nicht sein. Es steht ja nicht einmal ein Produkt drin", ärgert sich Denegri.

Als erstes die Rechnung prüfen

Hubert Denegri hat sich richtig verhalten. Laut Polizei sollte man zuerst prüfen, ob die Rechnung zurecht besteht und nicht einfach aus Angst etwas bezahlen. Wenn das erledigt ist und man immer noch Fragen zum Schreiben hat, sollte man sich direkt an das Unternehmen wenden. "Meistens steht auf dem Schreiben eine Rückrufnummer. Bei Fragen zur Rechnung, sollte man sich nicht scheuen, dort anzurufen", rät der Ermittlungsbeamte der Polizeiinspektion Kronach, Michael Beranek.

Brenzlig wird es, wenn der gefälschten Rechnung ein Mahnbescheid beigeheftet ist. Dann muss man unbedingt reagieren, auch wenn man erkennt, dass die Rechnung gefälscht ist. "Da muss man innerhalb von 14 Tagen Widerspruch einlegen, sonst wird es rechtskräftig", erklärt Beranek. Egal, ob echt oder nicht. Eine weitere Möglichkeit ist es, die gefälschten Schreiben bei der Polizei anzuzeigen. "Oft kommen die Verfasser jedoch aus dem Ausland, da können wir wenig machen", sagt der Beamte.

Wenn 1000 von 10.000 bezahlen, ist der Gewinn schon groß

Grundsätzlich sollte man sich aber immer trauen weiter nachzuforschen, wenn Zweifel an der Rechnung bestehen. "Die schicken 10 000 Briefe los. Wenn 1000 aus Angst bezahlen, haben sie schon Gewinn gemacht", sagt Beranek. Auch Denegri kennt diese Masche - und oft gewinnen sie wirklich. "Bei großen Firmen werden Rechnungen unter 500 Euro teilweise einfach bezahlt, ohne groß nachzuschauen. Das ist eine Riesen-Sauerei", sagt er.

Bei der Rechnung für Indel versteckt sich ein kleiner Hinweis, dass das Schreiben keine Rechnung, sondern ein Angebot ist. Im rechten und linken oberen Eck steht "Priority Business Package Offer".
Den Hinweis, dass es sich um ein Angebot handelt, ist erst auf den zweiten Blick zu erkennen und für den Laien ist das Schreiben kaum von einer Rechnung zu unterscheiden. "Da wäre selbst ich fast drauf reingefallen, obwohl wir so etwas jeden Tag bekommen", sagt Denegri.
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