Am Schwedensonntag ziehen wieder zahlreiche Gläubige von der Stadtpfarrkirche hinauf zur Festung Rosenberg. Nicht nur die Straßen und Häuser der Stadt sind festlich geschmückt, sondern insbesondere die vier Hauptaltäre. Seit vielen Jahrzehnten werden diese von verschiedenen Vereinen ideenreich und mit großer Liebe zum Detail gestaltet .
Die traditionsreiche Prozession geht zurück auf die Ereignisse im Jahre 1632, als die Schweden und ihre Verbündeten Kronach im Mai und Juni hart belagerten und bestürmten. Damals konnte die Fronleichnamsprozession in der belagerten Stadt wegen des Beschusses nicht abgehalten werden. In ihrer Not und Verzweiflung gelobten die Bürger eine Prozession zur Festung Rosenberg, wenn sie die Angriffe des Feindes glücklich überstünden. Seit rund 370 Jahren wird diese Gelübde nun eingehalten, wobei sich im Laufe der Jahrhunderte der Ablauf der Schwedenprozession immer etwas geändert hat und mit ihm auch die Anzahl der Altäre. Mittlerweile gibt es vier Altäre, zu denen die Gläubigen nach dem Festgottesdienst ziehen.


Erster Altar


Der erste befindet sich am Kriegerdenkmal am Fuß der Festung Rosenberg. Zwei weitere sind innerhalb der Festungsanlage - auf der Bastion sowie bei der Schwedenlinde - aufgebaut. Der letzte Altar schließlich schmückt die Ehrensäule am Melchior-Otto-Platz unmittelbar im Vorfeld der Stadtpfarrkirche.
Jahr für Jahr lassen sich die Gruppen und Vereine neue Motive oder Themen einfallen. Ideen scheinen den Verantwortlichen niemals auszugehen. Damit alles rechtzeitig bis zur Prozession fertig ist, arbeiten viele tüchtige Helfer Hand in Hand. So müssen die Altäre aufgebaut und geschmückt werden. Beim dritten Altar wird zusätzlich ein wunderschöner Blumenteppich gelegt.
Seit 1995 zeichnet Frank Pfaff für den Jugend-Altar am Kriegerdenkmal verantwortlich. Sowohl der Altar, den symbolisch ein großer "Baum des Lebens" ziert, als auch der Altartisch wurden von ihm kunstvoll angefertigt. Ergänzt wird das wunderschöne Ensemble, das auch an Fronleichnam auf dem Marienplatz zu bewundern war, mit einem prächtigen Blumenschmuck. Den Aufbau übernehmen Frank Pfaff und zwei Helfer jeweils an Fronleichnam ab 6 Uhr sowie am Schwedensonntag ab 6.30 Uhr, wofür sie etwa anderthalb Stunden benötigen. Die textliche Ausgestaltung liegt in Händen der Katholischen Jugend Kronach.

Die zweite Altar-Station befindet sich auf der Bastion der Festung Rosenberg. Der dort das ganze Jahr über stehende Granitblock wird traditionsgemäß seit vielen Jahrzehnten von der Kolpings-Familie Kronach geschmückt. Heuer beschäftige man sich - so Matthias Simon - mit der Frage "Woran erkennt man einen motivierten Christen?". Dabei werde man sich mit Gedanken zu sechs Schlagwörtern, zugleich Kernbegriffe der neu angelaufenen Imagekampagne des Kolpingswerks, einbringen. Das Ausschmücken des Altars erfolgt am Sonntag Morgen. Zeit benötigen die circa sechs tüchtigen Helfer und Helferinnen rund eine Stunde.

An der Schwedenlinde


Der dritte Altar bei der Schwedenlinde wird von der KAB Kronach seit 1982 gestaltet, so die Hauptverantwortliche Lieselotte Klinger. Ihr zur Seite stehen ihr Vater Georg Barnickel sowie der ehemalige Messner Walter Lieb, zuständig für die alljährlichen prachtvollen Rosengestecke. Insgesamt zehn Frauen und Männer legen freiwillig Hand an. In rund anderthalb Stunden werden am Samstag die Rosenarrangements und das große Kreuz aus Thuja (Lebensbaum) gesteckt. Am Sonntag früh schließlich wird ab 5.30 Uhr der herrliche Blumenteppich gelegt. Bei der Auswahl der aktuellen Thematik bringt sich Betriebsseelsorger Eckhard Schneider mit ein. Das diesjährige Motto "Halt machen" wird symbolisch durch eine rote Ampel dargestellt.
Ebenfalls mindestens schon 30 Jahre gestaltet die action 365 den letzten Altar auf dem Melchior-Otto-Platz. Wie Hauptinitiator Heinrich Schreiber betont, stelle die in den 1950-er Jahren gegründete Laienbewegung den ökumenischen Gedanken in den Vordergrund. Probleme in Kirche und Gesellschaft sollen damit thematisiert und diskutiert werden. "Bei der Schwedenprozession handelt es sich um eine Friedensprozession, die zu einer gerechten Welt mahnt", so der Bildhauer. Dieses Jahr wird das Leitwort " Damit ihr Hoffnung habt" des 2. Ökumenischen Kirchentags vom 12. bis 16. Mai 2010 in München aufgegriffen. Gut anderthalb Stunden benötigt er zusammen mit drei weiteren Helfern, um am Samstag den Altar - eine kunstvoll bearbeitete Tischlerplatte - aufzubauen und zu schmücken.
Die Verantwortlichen legen Wert auf die Feststellung, dass es in unserer Zeit nicht darum geht, Siege über Feinde zu verherrlichen. Die Prozession symbolisiert vielmehr den Wunsch nach einer guten Gemeinschaft und dem Miteinander aller Konfessionen.