Oberlangenstadt
Hochzeit

Die Oberlangenstädter Prinzen sagen "Ja"

Die schwulen Majestäten des Oberlangenstädter Faschings beenden ihre Regentschaft - und beginnen ihre Lebenspartnerschaft.
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Gerald I. und Dirk II. Foto: privat
Gerald I. und Dirk II. Foto: privat
Es dürfte nicht nur ein Novum in der Geschichte des Oberlangenstädter Faschings, sondern in ganz Bayern sein:Am Freitagvormittag wird Frankens erstes schwules Faschingsprinzenpaar, Gerald I. und Dirk II., im Küpser Rathaus den Bund fürs Leben schließen. Sie werden eine eingetragene Partnerschaft nach dem Lebenspartnerschaftgesetz, eine sogenannte "Verpartnerung" eingehen. Zum Rathaussturm, der gegen 18 Uhr stattfindet, wird Bürgermeister Herbert Schneider das Trauungszeremoniell nochmals nachstellen.

Es ist Dienstagabend. Bei einem Gespräch ist dem Brautpaar die Freude auf das bevorstehende Ereignis anzusehen. "Wir hoffen, dass viele Freunde dabei sein werden!" Mit Glanz und Gloria wird das frisch vermählte Hochzeits- und noch amitierende Prinzenpaar zusammen mit seinem Gefolge und den Trauzeugen auf der "Fousayacht" (Faschingsschiff) auf dem Rathausplatz einziehen.
Das Gemeindeoberhaupt hat nach der Rathaus-Schlüsselübergabe die einzigartige Chance, ein gleichgeschlechtliches Prinzenpaar zu vermählen.
Die Hochzeitsanzüge hängen im Schrank, die Ringe sind gekauft. "Ich weiß nicht, ob ich jetzt mehr aufgeregt bin wegen der Hochzeit oder der Abschiedsrede als Prinz", so Gerald Fischer. Einig sind sich beide: Am Freitagabend wird nicht nur ihre Prinzenzeit enden, sondern es wird ihre Zeit als Ehepaar beginnen. "Es soll eine schöne Hochzeitsfeier werden, wir erwarten viele Freunde!"


Seit Jahren ein Paar

Seit Jahren sind Gerald Fischer und Dirk Stauch ein Paar. Kennengelernt haben sie sich der Mitvierziger Oberlangenstädter und sein 36-jähriger Partner aus Wilhelmsthal bei einer Bierprobe auf dem Freischießen in Kronach. "Meine Cousine hat uns gegenseitig vorgestellt!", so Dirk Stauch. Drei Tage später trafen sich die beiden wieder auf dem Schützenfest. "Das war reiner Zufall!". Schon bei diesem Treffen stellten Gerald Fischer und Dirk Stauch fest: "Wir verstehen uns blendend!" Rund zwei Monate später waren die jungen Männer schließlich ein Paar. Sie verbrachten viel Zeit miteinander. Der eine hatte sich jeweils beim anderen ins Herz gesetzt.

Bis zum vergangenen Jahr führten Gerald Fischer und Dirk Stauch eine Wochenendbeziehung. Dirk Stauch war während all der Jahre auf Montage. Mittlerweile pendelt er täglich von Oberlangenstadt nach Adelsdorf. Während das "Hochzeitspaar" erzählt, merkt man die Harmonie, die beide miteinander verbindet. Es wird oft gelacht, aber es ist auch der Ernst, mit dem beide ihre "Ehe" angehen, zu erkennen. Beide wissen, dass sie mit ihrer Hochzeit eine gewisse Aufmerksamkeit erzeugen werden. Das sind sie jedoch seit ihrer Inthronisierung als Prinzenpaar gewohnt.

Mit einer Hochzeit hatte Gerald Fischer, der vor seiner Beziehung mit seinem Lebenspartner längere Zeit als Single lebte, nichts am Hut. Als ihn Dirk Stauch etwa vor vier Jahren wegen einer möglichen Hochzeit fragte, meinte er: "Wen soll ich denn heiraten?".


Feste Partnerschaft

Dass nun schließlich ihre langjährige Beziehung in eine eingetragene Lebenspartnerschaft mündet, begründen beide mit "Zueinanderstehen", mit familiären Ereignissen und auch mit wirtschaftlichen Gründen. Durch einen schweren Unfall im vergangenen Jahr, den ein Mitglied in Dirks Familie hatte, sei ihnen bewusst geworden: "Wenn meinem Partner etwas passiert, was dann?"

Der Hochzeitstermin 11. November ist bewusst gewählt worden, denn an diesem Tag endet die Amtszeit als Oberlangenstädter Prinzenpaar. "Diese Zeit hat uns viel gegeben!". Für sie sei es eine Ehre gewesen, ein solches Amt übernehmen zu dürfen, erklärt Gerald Fischer.

Damals, vor zwei Jahren, als sie sich bereit erklärten, die Rolle des Prinzenpaares anzunehmen, beschlich beide am Anfang ein eher ambivalentes Gefühl. "Wir freuten uns über die Anfrage, aber wir wussten nicht, ob die Leute ein schwules Prinzenpaar akzeptieren".


Vom Rathaussturm zur Werkbühne

Beide erinnern sich noch an ihre Inthronisierung im Jahre 2014, als sie nach dem Rathaussturm in Küps zur Werkbühne nach Kronach mussten. Während des Auftritts sei immer der Gedanke im Hintergrund gewesen: "Wie reagiert die Bevölkerung auf ein schwules Prinzenpaar?" Im Nachhinein war es eine Zeit, die beide nicht missen möchten. Sie haben in dieser Zeit viele Menschen kennengelernt. Beide sind nun überzeugt: "Die Gesellschaft geht toleranter mit gleichgeschlechtlichen Paaren um!".

Jetzt hoffen beide, dass sie noch lange Jahre in Gesundheit zusammenbleiben dürfen. Beide wollen künftig mehr Zeit miteinander verbringen. Deshalb wird es auch Einschnitte bezüglich ihres Engagements bei den Rosenberg-Festspielen geben.

Familienplanung sei allerdings für beide kein Thema, sagt Gerald Fischer: "Wir sind zu alt, um ein Kind adoptieren zu können!".
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