Kronach
Tradition

Die Geschichte des Bäckerhandwerks im Frankenwald

Die Geschichte der Bäckereien rund um Kronach lernten Gäste bei einer Führung kennen. Dabei wurde das eine oder andere traditionelle Backwerk verköstigt.
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Kochbuchautorin Kerstin Rentsch, Gästeführerin Christa Franz und Stadtrat Markus Oesterlein organisierten die Führung. Foto: privat
Kochbuchautorin Kerstin Rentsch, Gästeführerin Christa Franz und Stadtrat Markus Oesterlein organisierten die Führung. Foto: privat
Im Rahmen einer Bäckerei-Schlemmerführung unternahmen Gäste eine Reise durch die Backstuben der Vorfahren. Kochbuchautorin und Genussbotschafterin Kerstin Rentsch sowie ein Bäckermeister, der nach alten Traditionen arbeitet, zeichnen sich für die Herstellung der Köstlichkeiten verantwortlich.
Schirmherr der Gästeführung war Stadtrat Markus Oesterlein. Den Part der Gästeführung übernahm Christa Franz. Sie erzählte über das Bäckereiwesen in vergangener Zeit. Viele Bäckermeister mit eigenen Geschäften waren in den vergangenen Jahrhunderten in Kronach ansässig. Traditionell backende Bäckermeister, die alles selbst herstellen, sind heutzutage selten geworden.


Keine Masseware

In jedem Discounter werden industriell gefertigte Backwaren en in und der Masse angeboten.
Diese Führung sollte die Teilnehmer in die Welt alter Backtraditionen Kronachs und des Frankenwaldes zurückführen.
So erfuhren die Gäste viel über die Bäckerzünfte, die Kronacher Beckenordnungen der vergangenen Jahrhunderte und über Häuser, die mehr als 500 Jahre Bäckereiwesen in ihrem Räumlichkeiten aufweisen können. Wer durfte überhaupt eine Bäckerlehre machen? Wie sah die Versorgung auf dem Land aus? Auf dem Land wurde meist im eigenen zum Hof gehörigen Backofen gebacken. Dort war die Bäuerin die Herrin des Brotbackens und die Wächterin über den Schlüssel zum Brotschrank. Arme Familien mussten mit dem Bettellaib vorlieb nehmen, der nicht aus Roggenmehl oder Weizen gebacken wurde.
Zu Beginn servierte Rentsch im Schatten der Stadtpfarrkirche in Kronachs Oberer Stadt traditionelle Austragskuchen: dürre Küchle in den Variationen geschnittene Hosen, seidene Tüchle, Urrädle, Zarte Schleifen, Mörps. Dazu gab es Streuble, Blöchle oder sogenannte besoffene Jungfern.


Fremde Bäcker in Kronach

Am nächsten Haltepunkt durften die Gäste Kartoffelstriezel, Rahmblootz, Alt-Weiberzopf, Leebzelten, Pfefferkuchen, Beerdigungskuchen sowie als Mitgabekuchen einen Hirschhornkuchen kosten. Für das Backwerk wurden 70 Eier verarbeitet. Aufmerksam lauschten die Gäste, als Rentsch erzählte, was ein Patenbündel enthalten musste und wie die Gegenleistung für dieses Patenbündel aussah. Auch in den alten Bäckereien ging es hoch her. So bewarf im Jahr 1620 der Beck Veit Hagen sein Töchterlein mit einem Zwölferlaib (Gewicht 250 Gramm). Dafür ist er mit Arrest gestraft worden.

Ein Aufschrei ging 1630 durch die Bäckerzunft: Fremde Becken kamen aus Sachsen-Coburg-Hildburghausen nicht nur zu den sieben freien Jahrmärkten, sondern auch alle Samstage zu den Wochenmärkten in das alte Cronach und führten großes und kleines Schwarz- und Weißbrot ein, das ungeschaut und ungewogen verkauft wurde. Man beschwerte sich in Kronach, dass das Beckenhandwerk dadurch geschmälert und den Müllern an ihrem Mahlwerk das Brot vom Maul abgeschnitten werde.


Altes Handwerk

Alle Samstage gingen mindestens 50 Gulden außerhalb des Stifts Bamberg. Der Obermeister und ein ganzes Handwerk der Becken baten um Abschaffung dieses Missstandes. Man darf davon ausgehen, dass die Obrigkeit für Ordnung gesorgt hat.

Zum Abschluss ging es in eine traditionelle Bäckerei in der Unteren Stadt. Schon 1533 war in dem Gebäude nachweislich eine Bäckerei, seitdem wird dort im Steinbackofen gebacken. Hier führte der Bäckermeister persönlich die Herstellung von Seelenspitzen vor, die in seinem Garten neben Schwazela, Bienenstich und verschiedenen Brotsorten mit Belag aus der Natur des Frankenwaldes verspeist wurden.
Zum Schluss gab es noch einen alten Spruch mit auf den Weg: "Frisches Brot, weiche Seife und grünes Holz sind das Leutverderben!" Christa Franz

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